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| Ioannes Paulus PP. II Slavorum apostoli IntraText CT - Text |
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III. VERKÜNDER DES EVANGELIUMS Während der nächtlichen Vision, die der hl. Paulus in Troas in Kleinasien hatte, erschien ihm ein Mazedonier, also ein Bewohner des europäischen Kontinents, und flehte ihn an, in sein Land zu kommen, um auch dort das Wort Gottes zu verkünden: »Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!«. Die göttliche Vorsehung, die für die beiden heiligen Brüder in der Stimme und Autorität des Kaisers von Byzanz und des Patriarchen der Kirche von Konstantinopel zum Ausdruck kam, richtete an sie eine ähnliche Aufforderung, als sie von ihnen verlangte, auf Mission unter den Slawen zu gehen. Ein solcher Auftrag bedeutete für sie, nicht nur eine ehrenvolle Stellung, sondern auch das kontemplative Leben aufzugeben; er bedeutete, den Umkreis des byzantinischen Reiches zu verlassen und eine lange Pilgerfahrt im Dienst des Evangeliums auf sich zu nehmen, unter Völkern, die in vielerlei Hinsicht weit entfernt waren von jener Zivilisation, die auf der entwickelten staatlichen Organisation und der verfeinerten Kultur von Byzanz beruhte, welche von christlichen Prinzipien ganz durchdrungen war. Eine ähnliche Aufforderung richtete der Papst in Rom dreimal an Methodius, als er ihn als Bischof zu den Slawen von Großmähren sandte, in die kirchlichen Gebiete der alten Diözese Pannonien. Die Echtheit und Kraft ihres missionarischen Auftrags stammten aus der innersten Mitte des Erlösungsgeheimnisses, und ihre Verkündigung unter den Slawenvölkern sollte ein wichtiges Glied in jener Sendung bilden, die der Erlöser der gesamten Kirche bis ans Ende der Zeiten aufgetragen hat. In ihrem Wirken erfüllten sich - in einer bestimmten Zeit und unter konkreten Umständen - die Worte Christi, der in der Kraft von Kreuz und Auferstehung die Apostel aufgefordert hatte: »Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen«; »geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern«. Indem sie danach handelten, ließen sich diese Missionare und Lehrer der Slawenvölker vom apostolischen Ideal des hl. Paulus leiten: »Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid 'einer' in Christus Jesus«. Neben einer hohen Achtung vor den Personen und selbstloser Sorge für deren Wohl, besaßen die beiden heiligen Brüder auch ein gutes Maß an Energie, Klugheit, Eifer und Liebe, die unerläßlich sind, um den Menschen das Glaubenslicht zu bringen und zugleich das wahre Heil vor Augen zu stellen mit dem Angebot konkreter Hilfe, um es auch wirklich zu erreichen. Für dieses Ziel strebten sie danach, in allem denjenigen ähnlich zu werden, denen sie das Evangelium brachten; sie wollten Mitbürger jener Völker werden und ihr Geschick in allem teilen. Im Hinblick auf die Evangelisierung - so berichten ihre Lebensbeschreibungen - wandten sich die beiden heiligen Brüder der schwierigen Aufgabe zu, die Texte der Heiligen Schrift, die ihnen in Griechisch bekannt waren, in die Sprache jenes slawischen Stammes zu übersetzen, der bis zu den Grenzen ihrer Gegend und ihrer Geburtsstadt vorgedrungen war. Indem sie ihre Kenntnis der griechischen Sprache und Kultur für dieses schwierige und einmalige Vorhaben dienstbar machten, setzten sie es sich zur Aufgabe, Sprache, Sitten und Traditionen der Slawenvölker zu verstehen und zu durchdringen und dabei die menschlichen Werte und Intentionen, die darin lagen und zum Ausdruck kamen, getreu zu deuten. Zuvor hatten Konstantin und seine Mitarbeiter sich darum bemüht, ein neues Alphabet zu schaffen, damit die Wahrheiten, die sie verkünden und erkären wollten, in der slawischen Sprache aufgeschrieben werden könnten und sich so als voll verständlich und aneignungsfähig für ihre Adressaten erwiesen. Es war eine besondere Anstrengung, missionarischem Geist wahrhaft würdig, die Sprache und Mentalität der neuen Völker zu erlernen, um ihnen den Glauben bringen zu können, wie auch ihre Entschlossenheit beispielhaft war, diese Mentalität sich selbst zu eigen zu machen und alle Forderungen und Erwartungen der Slawenvölker zu übernehmen. Der hochherzige Entschluß, sich mit deren Leben und Traditionen zu identifizieren, nachdem sie diese durch die Offenbarung gereinigt und erleuchtet hatten, macht Cyrill und Methodius zu einem wahren Modell für alle Missionare, die in den verschiedenen Zeitepochen die Aufforderung des hl. Paulus angenommen haben, allen alles zu werden, um alle zu erlösen, und vor allem für diejenigen Missionare, die vom Altertum bis in die Neuzeit - von Europa bis Asien und heute in allen Kontinenten - daran gearbeitet haben, die Bibel und die liturgischen Texte in die lebenden Sprachen der verschiedenen Völker zu übersetzen, um darin das eine und einzige Wort Gottes erklingen zu lassen, das auf diese Weise in den Ausdrucksformen, die jeder einzelnen Zivilisation eigen sind, zugänglich wird. Die vollkommene Gemeinschaft in der Liebe bewahrt die Kirche vor jeglicher Form von völkischer Einseitigkeit oder Ausschließlichkeit oder rassischem Vorurteil wie auch vor jeder nationalistischen Überheblichkeit. Diese Gemeinschaft muß jedes berechtigte rein natürliche Gefühl des menschlichen Herzens erheben und veredeln.
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