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Ioannes Paulus PP. II
Slavorum apostoli

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  • VI. EVANGELIUM UND KULTUR
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VI. EVANGELIUM UND KULTUR

21. Die Brüder von Saloniki waren nicht nur Erben des Glaubens, sondern auch der antiken griechischen Kultur, die in Byzanz fortlebte. Es ist bekannt, welche Bedeutung dieses Erbe für die gesamte europäische Kultur und direkt oder indirekt für die Weltkultur hat. Im Werk der Evangelisierung, das sie als Pioniere in den von slawischen Völkern bewohnten Gebieten vollbracht haben, findet sich zugleich ein Beispiel für das, was man heute als »Inkulturation« bezeichnet - die Inkarnation des Evangeliums in den einheimischen Kulturen - wie auch die Eingliederung dieser Kulturen in das Leben der Kirche.

Dadurch daß die heiligen Cyrill und Methodius das Evangelium mit der einheimischen Kultur der von ihnen missionierten Völker in eine lebendige Einheit gebracht haben, besitzen sie besondere Verdienste um die Bildung und Fortentwicklung eben dieser Kultur oder, besser, vieler Kulturen. Denn alle Kulturen der slawischen Völker verdanken ihren »Anfang« oder ihre Entwicklung dem Werk der Brüder aus Saloniki. Diese haben nämlich mit der eigenen, originalen und genialen Schöpfung eines Alphabetes für die slawische Sprache einen grundlegenden Beitrag für die Kultur und Literatur aller slawischen Völker geleistet.

Die Übersetzung der Heiligen Bücher, die von Cyrill und Methodius zusammen mit ihren Schülern durchgeführt wurde, hat der altslawischen Liturgiesprache Kraft und kulturelle Würde verliehen: Sie wurde für viele Jahrhunderte nicht nur die Kirchensprache, sondern auch die offzielle und literarische, ja sogar die allgemeine Sprache der gebildeteren Schichten des Großteils der slawischen Völker und insbesondere aller Slawen des orientalischen Ritus. Sie war auch in der Heilig-Kreuz-Kirche in Krakau in Gebrauch, bei der sich die slawischen Benediktiner niedergelassen hatten. Hier wurden die ersten in dieser Sprache gedruckten liturgischen Bücher herausgegeben. Bis heute wird diese Sprache verwendet in der byzantinischen Liturgie der slawisch-orientalischen Kirchen des konstantinopolitanischen Ritus, der katholischen wie der orthodoxen, in Ost - und Südosteuropa sowie in verschiedenen Ländern Westeuropas; ferner wird sie benutzt in der römischen Liturgie der Katholiken in Kroatien.

22. In der geschichtlichen Entwicklung der Slawen des orientalen Ritus hatte diese Sprache eine ähnliche Bedeutung wie die lateinische Sprache im Westen; sie hat sich aber noch länger erhalten - teilweise bis ins 19. Jahrhundert - und einen viel direkteren Einfluß auf die Bildung der einheimischen Literarsprachen ausgeübt dank ihrer engen Verwandtschaft mit ihnen.

Diese Verdienste um die Kultur aller slawischen Völker und Nationen machen das Werk der Glaubensverbreitung der heiligen Cyrill und Methodius in einem gewissen Sinn ständig gegenwärtig in der Geschichte und im Leben dieser Völker und Nationen.




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