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| Ioannes Paulus PP. II Ut unum sint IntraText CT - Text |
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Erneuerung und Bekehrung Das Konzil ruft sowohl zur persönlichen wie zur gemeinschaftlichen Bekehrung auf. Das Streben jeder christlichen Gemeinschaft nach der Einheit muß Schritt halten mit ihrer Treue zum Evangelium. Handelt es sich um Personen, die ihre christliche Berufung leben, spricht das Konzil von innerer Umkehr, von einem Neuwerden des Geistes. Ein jeder muß sich also grundlegender zum Evangelium bekehren und, ohne je den Plan Gottes aus den Augen zu verlieren, seinen Blick ändern. Durch den Ökumenismus wurde die Betrachtung von »Gottes großen Taten« (mirabilia Dei) um neue Räume bereichert, in denen der dreieinige Gott das Wirken der Gnade weckt: die Wahrnehmung, daß der Heilige Geist in den anderen christlichen Gemeinschaften tätig ist; die Entdeckung von Beispielen der Heiligkeit; die Erfahrung der unbegrenzten Reichtümer der Gemeinschaft der Heiligen; der Kontakt mit unvorhersehbaren Aspekten des christlichen Engagements. Dementsprechend hat auch das Bußbedürfnis zugenommen: das Bewußtsein von gewissen Ausschlüssen, die die brüderliche Liebe verletzen; von gewissen Verweigerungen zu verzeihen; eines gewissen Stolzes; jenes nicht dem Evangelium entsprechenden Sich-Abkapselns in die Verdammung der »anderen«; einer Verachtung, die aus einer unlauteren Anmaßung herrührt. Auf diese Weise wird das ganze Leben der Christen von der ökumenischen Sorge geprägt, und sie sind aufgerufen, sich gleichsam von ihr formen zu lassen. Durch den offenen Dialog helfen sich die Gemeinschaften, sich gemeinsam im Lichte der apostolischen Überlieferung zu betrachten. Das veranlaßt sie sich zu fragen, ob sie wirklich in angemes - sener Weise all das zum Ausdruck bringen, was der Heilige Geist durch die Apostel weitergegeben hat. Was die katholische Kirche betrifft, so habe ich auf diese Erfordernisse und Ausblicke wiederholt hingewiesen, wie zum Beispiel anläßlich der Tausendjahrfeier der Taufe der Rus oder zur Erinnerung an das Werk der Evangelisierung der Heiligen Cyrill und Methodius vor elfhundert Jahren. Erst kürzlich hat das vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen mit meiner Approbation herausgegebene Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus diese Erfordernisse auf den Pastoralbereich angewandt. Die Gemeinschaft, die in einer dauernden, im Lichte der apostolischen Überlieferung durchgeführten Reform wächst, ist in der gegenwärtigen Situation des christlichen Volkes zweifellos einer der kennzeichnenden und wichtigsten Züge des Ökumenismus. Andererseits ist sie auch eine grundlegende Garantie für seine Zukunft. Die Gläubigen der katholischen Kirche können nicht übersehen, daß der ökumenische Aufschwung des II. Vatikanischen Konzils eines der Ergebnisse des damaligen Bemühens der Kirche ist, sich im Lichte des Evangeliums und der großen Überlieferung selbst zu erforschen. Mein Vorgänger Papst Johannes XXIII. hatte das gut verstanden, als er bei der Einberufung des Konzils ablehnte, Aggiornamento und ökumenische Öffnung zu trennen. Die ökumenische Berufung des Konzils hat Papst Paul VI. zum Abschluß jener Konzilsversammlung dadurch gewürdigt, daß er den Dialog der Liebe mit den Kirchen, die sich in Einheit mit dem Patriarchen von Konstantinopel befinden, wiederaufnahm und zusammen mit ihm die konkrete und höchst bedeutungsvolle Handlung vollzog, die die Exkommunikationen der Vergangenheit »vergessen gemacht« — ja »aus dem Gedächtnis und aus der Mitte der Kirche getilgt« hat. Es muß daran erinnert werden, daß die Schaffung einer eigenen Einrichtung für den Ökumenismus mit dem Beginn der Vorbereitung des II. Vatikanischen Konzils zusammenfällt und daß durch diese Einrichtung die Meinungen und Einschätzungen der anderen christlichen Gemeinschaften ihren Anteil an den großen Debatten über die Offenbarung, über die Kirche, über das Wesen des Ökumenismus und über die Religionsfreiheit gehabt haben.
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