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| Ioannes Paulus PP. II Veritatis splendor IntraText CT - Text |
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SCHLUSS Maria, Mutter der Barmherzigkeit Maria ist die Mutter der Barmherzigkeit, weil Jesus Christus, ihr Sohn, vom Vater als Offenbarung der Barmherzigkeit Gottes gesandt wurde (vgl. Joh 3, 16-18). Er ist nicht gekommen zu verdammen, sondern zu vergeben, Barmherzigkeit zu üben (vgl. Mt 9, 13). Und die größte Barmherzigkeit liegt darin, daß er unter uns weilt, und ihm in dem Anruf, der an uns ergeht, zu begegnen und, zusammen mit Petrus, ihn als den »Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16, 16) zu bekennen. Keine Sünde des Menschen vermag die Barmherzigkeit Gottes auszulöschen, vermag sie daran zu hindern, ihre ganze siegreiche Kraft zu verströmen, sobald wir um sie flehen. Ja, gerade die Sünde läßt noch stärker die Liebe des Vaters erstrahlen, der, um den Knecht loszukaufen, seinen Sohn geopfert hat Seine Barmherzigkeit für uns ist Erlösung. Zur Vollendung gelangt diese Barmherzigkeit im Geschenk des Geistes, der das neue Leben erzeugt und erfordert macht. So zahlreich und groß die von der Schwachheit und Sünde des Menschen ihm entgegengesetzten Hindernisse auch sein mögen, der Geist, der das Antlitz der Erde erneuert (vgl. Ps 104, 30), macht das Wunder der vollkommenen Erfüllung des Guten möglich. Diese Erneuerung, die dazu befähigt, zu tun, was gut, edel, schön ist, was Gott gefällt und seinem Willen entspricht, ist gewissermaßen das Erblühen des Geschenkes der Barmherzigkeit, das von der Knechtschaft des Bösen befreit und die Kraft schenkt, nicht mehr zu sündigen. Durch das Geschenk des neuen Lebens macht uns Jesus zu Teilhabern seiner Liebe und führt uns im Geist zum Vater. Maria ist leuchtendes Zeichen und faszinierendes Vorbild moralischen Lebens: »ihr Leben allein ist Vorbild für alle«, schreibt der hl. Ambrosius, der sich besonders an die Jungfrauen wendet, aber letztlich in einem offenen Horizont an alle folgendes feststellt: »Die erste brennende Sehnsucht zu lernen verleiht der Adel des Meisters. Und wer ist edler als die Mutter Gottes, oder glanzvoller als die, die vom Glanz selbst erwählt wurde?« Maria lebt und verwirklicht ihre Freiheit dadurch, daß sie sich Gott hingibt und in sich die Hingabe Gottes empfängt. Sie hütet in ihrem jungfräulichen Schoß den menschgewordenen Sohn Gottes bis zum Augenblick der Geburt, sie nährt ihn, sie zieht ihn auf und begleitet ihn in jener höchsten Haltung der Freiheit, die das vollständige Opfer des eigenen Lebens ist. Mit ihrer Selbsthingabe tritt Maria voll in den Plan Gottes ein, der sich der Welt hin gibt. Während sie die Geschehnisse, die sie nicht immer versteht, in ihrem Herzen bewahrt und darüber nachdenkt (vgl. Lk 2, 19), wird sie zum Vorbild all derer, die das Wort Gottes hören und es befolgen (vgl. Lk 11, 28) und verdient den Namen »Sitz der Weisheit«. Diese Weisheit ist Jesus Christus selbst, das ewige Wort Gottes, das den Willen des Vaters offenbart und vollkommen erfüllt (vgl. Hebr 10, 5-10). Maria lädt jeden Menschen ein, diese Weisheit aufzunehmen. Auch uns weist sie wie die Diener während der Hochzeit in Kana in Galiläa an: »Was er euch sagt, das tut!« (Joh 2, 5). Maria teilt unsere menschliche Situation, aber in völliger Transparenz für die Gnade Gottes. Obwohl sie die Sünde nicht kannte, ist sie in der Lage, mit jeder Schwäche mitzuleiden. Sie versteht den Sünder und liebt ihn mit mütterlicher Liebe. Eben deshalb steht sie auf der Seite der Wahrheit und teilt die Last der Kirche, alle Menschen beständig auf die moralischen Forderungen hinzuweisen. Aus demselben Grund nimmt sie es nicht hin, daß der Sünder von jemandem irregeführt wird, der ihn zu lieben vorgibt, indem er seine Sünde rechtfertigt; denn sie weiß, daß auf diese Weise das Opfer Christi, ihres Sohnes, um seine Kraft gebracht würde. Keine Lossprechung, die durch gefällige Lehren, auch solche philosophischer oder theologischer Art, angeboten wird, vermag den Menschen wahrhaft glücklich zu machen: Allein das Kreuz und die Herrlichkeit des auferstandenen Christus vermögen seinem Gewissen Frieden und seinem Leben Rettung zu schenken. O Maria, Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 6. August, dem Fest der Verklärung des Herrn des Jahres 1993, dem fünfzehnten meines Pontifikates.
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