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| Oskar Mayer Rahab IntraText CT - Text |
RAHAB: Schon wird es Abend,
und ich hab den Schmuck mit mir noch nicht angelegt,
zum Tor der Stadt hinab zugehn.
Das Tor ist zu, kein Wandrer
kommt ihm nah,
seit jene Wilden rings um Jericho liegen.
Was lauren diese Wilden in der Wüste
daß ich am Rand des steingefaßten Brunnens
in meinem Schmukke heut nicht sitzen mag,
eines schönen fremden Mannes harrend,
der von fern der langen Reise Ziel erreicht.
Was denkt man nicht, wenn man so ruht vergang'ner Tage...
in diese fremden Mauern hergebracht von fremden
Händlern aus der Stadt, an die des Meeres eines Ende schlägt!
Das andre aber ruht an einer Insel in weichen Bogen
hingeschmiegtem Strand,
wo ich als Kind iff einer mild'ren Sonne mit meinen Eltern wohnte.
Mag Dein Schiff, o mag Dein Schiff
zugrunde gehn nach dem es ohne
Mast un Segel hoffnungslos getrieben;
und mag im Küstensand vermodern Dein Gebein.
(Hörner)
Verfluchter! Der die Heimat mir
entriß!
Vergargne Tage... Unvergeß'nes Los...
(Rahab sammelt sich aus ihrer Erregung)
Was habt ihr heute in der Stadt gehört?
NAHALAL: Herrin, zahlos sind sie,
wie die Heuschrecken hinter jeden Stein
sind ihrer Viele und mehr noch
in den Furchen des Bodens.
ESTHEMOA: Sie sind auf Dir eh Du
es ahnst;
sie sind behend wie die Hirsche
RAHAB: Hat einer vom Stadtvolk
sie gesehn?
Kann niemand sagen woher sie kommen?
NAHALAL: Keiner, O Herrin, kann
es erzählen
wer ihnen nahet den erchlägt das Schwert.
ESTHEMOA: Man sagt diese Wilden
hätten
in bleichen Angesichtern dunkle Augen
und se'in von hohen Wuchs und schönem Israel.
RAHAB: Es sind ihrer zwölf Stämme
mit Namen
Bleiche Gesichter sagst Du?
Greift denn das Volk hier nicht zu den Waffen,
die Fremden zu verjagen?
NAHALAL: Herrin im Feld
widersteht ihnen keiner,
die Könige Sihon und Og haben sie geschlagen!
ESTHEMOA: Wer soll uns jetzt noch schützen?
NAHALAL: Ihnen allein war unser Schutz vertragen.
ESTHEMOA: Der Wall ist wohl fest,
s'ist schwer ihn zu stürmen;
vielleicht ziehn sie fort, wenn derHunger sie triebt.
NAHALAL: Viele sagen, es sei
alles verloren,
schon nahe das Ende von Jericho!
Sie eßen und trinken verpraßen ihre Güter,
sie klopfen des Nachts an Deine Tür!
RAHAB: Sie mögen die Finger sich
blutig schlagen!
sind dies denn Männer, die hinter Mauern sich verbergen
wie feige Hyänen!
NAHALAL: Aus der Wüste naht unser Ende.
ESTHEMOA: Ein böser Wind trieb
sie hierher,
der Hauch eines schlimmen Gottes!
NAHALAL: Man sollte mehr opfern und länger...
(Sie hält erschreckt inne)