EINLEITUNG
Neue kulturelle Situationen,
neue Felder für die Evangelisierung
1. "Der Prozeß der
Begegnung und Auseinandersetzung mit den Kulturen ist eine Erfahrung, welche
die Kirche von den Anfängen der Verkündigung des Evangeliums an
erlebt hat" (Fides et ratio, Nr. 70), denn "in der Person des
Menschen selbst liegt es begründet, daß sie nur durch die Kultur
[...] zur wahren und vollen Verwirklichung des menschlichen Wesens
gelangt" (Gaudium et spes, Nr. 53). In diesem Sinn erreicht die
Frohe Botschaft, das Evangelium Christi für jeden Menschen und für
den ganzen Menschen, der "zugleich Kind und Vater der Kultur ist, in der
er eingebunden ist" (Fides et ratio, Nr. 71), den Menschen in
seiner Kultur, die sein Glaubensleben durchdringt und ihrerseits schrittweise
vom Glauben umgestaltet wird. "In unserer heutigen Zeit, in der das
Evangelium nach und nach mit Kulturräumen in Berührung kommt, die
sich bisher außerhalb des Verbreitungsbereiches des Christentums befunden
hatten, eröffnen sich für die Inkulturation neue Aufgaben" (ebd.,
Nr. 72). Zur gleichen Zeit befinden sich traditionell christliche Kulturen oder
Kulturen mit jahrtausendealten religiösen Traditionen in einer Krise. Es
geht folglich nicht nur darum, Kulturen mit dem Glauben zu veredeln, sondern
auch darum, einer entchristlichten Welt, in der die einzigen christlichen
Bezüge kultureller Natur sind, neues Leben zu schenken. Die neuen
kulturellen Situationen in der Welt bieten der Kirche auf der Schwelle zum
dritten Jahrtausend viele neue Felder zur Evangelisierung.
Angesichts dieser Herausforderungen
unserer Zeit, die "zugleich etwas Dramatisches und Faszinierendes an sich
hat" (Redemptoris Missio, Nr. 38) möchte der Päpstliche
Rat für die Kultur verschiedene Überzeugungen und konkrete
Vorschläge für eine neue Kulturpastoral weitergeben, da die Kultur
ein bevorzugter Ort für die Begegnung mit der Botschaft Christi ist.
"Jede Kultur ist [nämlich] ein Bemühen, über das Geheimnis
der Welt und insbesondere des Menschen nachzudenken; sie ist eine Weise, die
transzendente Dimension des menschlichen Lebens zum Ausdruck zu bringen. Das
Herz jeder Kultur ist ihr Streben, dem größten aller Geheimnisse,
dem Geheimnis Gottes, näherzukommen".(1) Der springende Punkt
der Kulturpastoral ist daher: "Wenn der Glaube nicht Kultur wird, ist er
nicht vollends angenommen, nicht ganz durchdacht und nicht treu gelebt".(2)
Die folgenden Überzeugungen und Vorschläge sind das Ergebnis
zahlreicher Gespräche und vor allem der konstruktiven Zusammenarbeit mit
den Bischöfen, den Hirten der Diözesen, und ihren Mitarbeitern auf
diesem Apostolatsfeld.
Der Päpstliche Rat für
die Kultur möchte so dem eindringlichen Appell nachkommen, den Papst
Johannes Paul II. an ihn gerichtet hat: "Sie sollen der Kirche helfen, auf
die für die zeitgenössischen Kulturen grundlegenden Fragen zu
antworten: Wie ist die Botschaft der Kirche den neuen Kulturen, den heutigen
Formen des Verständnisses und der Empfindung zugänglich? Wie kann
sich die Kirche Christi beim modernen Geist Gehör verschaffen, der so
stolz auf seine Leistungen und zugleich so ängstlich besorgt um die
Zukunft der Menschheit ist? Wer ist Jesus Christus für die Männer und
Frauen von heute?".( 3)
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