|
Soziale Kommunikationsmittel
und Informationstechnologie
9. "Ein solcher erster
Areopag der neuen Zeit ist die Welt der Kommunikation, die die
Menschheit immer mehr eint und - wie man zu sagen pflegt - zu einem
"Weltdorf" macht. Die Mittel der sozialen Kommunikation spielen eine
derartig wichtige Rolle, daß sie für viele zum Hauptinstrument der
Information und Bildung, der Führung und Beratung für individuelles,
familiäres und soziales Verhalten geworden sind. [...] Es handelt sich um
eine weitaus tiefere Angelegenheit, da die Evangelisierung der modernen Kultur
selbst zum großen Teil von ihrem Einfluß abhängt. [...] Die
Botschaft selbst muß in diese, von der modernen Kommunikation geschaffene
"neue Kultur" integriert werden. Es ist ein komplexes Problem, da
diese Kultur noch vor ihren Inhalten aus der Tatsache selbst entsteht,
daß es neue Arten der Mitteilung in Verbindung mit einer neuen Sprache,
mit neuen Techniken und mit neuen psychologischen Haltungen gibt" (Redemptoris
Missio, Nr. 37). Die Ausbreitung dieser richtigen Kulturrevolution mit der
Wandlung der Sprache, die vor allem das Fernsehen hervorruft, und den Modellen,
die es verkündet, treibt "nämlich die grundlegende Umgestaltung
der Elemente [voran], wodurch der Mensch die ihn umgebende Welt erfaßt
und seine Wahrnehmung überprüft und ihr Ausdruck verleiht. [...] Die
Medien können in der Tat genauso dazu verwendet werden, das Evangelium zu
verkünden, wie es aus den Herzen der Menschen zu verdrängen".(12)
Die Medien, die den direkten Zugang zur Information bieten, heben die
räumliche und zeitliche Distanz auf und verwandeln vor allem die
Wahrnehmung der Dinge: Die Wirklichkeit tritt hinter das zurück, was
gezeigt wird. Infolgedessen wird die anhaltende Wiederholung von
ausgewählten Informationen zum entscheidenden Faktor für die
Meinungsbildung, die dann als Öffentlichkeit betrachtet wird.
Der Einfluß der Medien, die
sich insbesondere in der Werbung(13) spielend über die Grenzen
hinwegsetzen, verlangt von den Christen eine neue Kreativität, damit sie
die Millionen von Menschen erreichen können, die täglich eine
bedeutende Zeit vor dem Fernseher sitzen oder Radio hören. Die Medien sind
Informationsmittel und Mittel zur Förderung von Kultur sowie zur
Evangelisierung derer, die in den säkularisierten Gesellschaften keine
andere Möglichkeit haben, das Evangelium und die Kirche kennenzulernen. Die
Kulturpastoral muß auf die Frage Johannes Pauls II. eine positive Antwort
geben: "Gibt es in den herkömmlichen Massenmedien noch einen Platz
für Christus?".(14)
Die erstaunlichste Innovation auf
dem Gebiet der Kommunikationstechnik ist sicherlich das Internet. Wie
jede neue Technik, so löst auch diese Befürchtungen aus, die durch
schlechten Umgang traurigerweise gerechtfertigt sind, und macht ständige
Wachsamkeit und seriöse Information erforderlich. Es geht nicht nur um den
rechten Gebrauch des Internets, sondern auch um radikal neue Folgen, die dieser
nach sich zieht: Verlust des "spezifischen Gewichts" der Informationen,
Angleichung der Botschaften, die auf reine Informationen verkürzt werden,
fehlende sachdienliche Reaktionen auf die Botschaften im Internet durch
verantwortungsbewußte Personen, Abschreckungseffekt, was die
zwischenmenschlichen Beziehungen angeht. Es besteht kein Zweifel, daß die
immensen Möglichkeiten des Internets eine beachtliche Hilfe für die
Verbreitung der Frohen Botschaft sein können, wie einige vielversprechende
kirchliche Initiativen zeigen; sie machen aber eine kreative und
verantwortungsbewußte Entwicklung auf diesem "neuen Grenzgebiet der
Sendung der Kirche" (Christifideles laici, Nr. 44) erforderlich.
Das Problem ist gewaltig. Wieso
sollte man nicht in den Informationsnetzen, dessen Schirme mittlerweile die
Haushalte bevölkern, präsent sein und sie nicht nutzen, um in sie die
Werte und Botschaft des Evangeliums einzubringen?
|