III.
KONKRETE VORSCHLÄGE
Vorrangige Ziele der Pastoral
25. Eine inkulturierte
Evangelisierung muß von den Kulturen ausgehen, die das Christentum in
zweitausend Jahren geprägt hat, und von den Ansatzpunkten, die mitten in
den neuen Kulturareopagen erkannt worden sind. Die neuen Herausforderungen,
denen sie sich stellen muß, erfordern eine neue Form der Verkündigung
der christlichen Botschaft, die in der lebendigen Tradition der Kirche
verankert und vom echten Lebenszeugnis der christlichen Gemeinschaften getragen
ist. Es kommt hauptsächlich darauf an, alles von der Neuheit des
Evangeliums her, das in einer neuen und überzeugenden Weise verkündet
wird, zu überdenken. In Hinblick auf eine dem Evangelium gemäße
Vorbereitung besteht das vorrangige Ziel der Kulturpastoral darin, den
Sauerteig des Evangeliums unter die Kulturen zu mischen, um das Menschen- und
Gesellschaftsverständnis, welche die Kultur prägen, das
Verständnis von Mann und Frau, von der Familie und der Erziehung, von der
Schule und der Universität, von Freiheit und Wahrheit, Arbeit und
Freizeit, Wirtschaft und Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst im Licht der
Offenbarung von innen heraus zu erneuern und zu verwandeln.
Um gehört zu werden,
genügt es aber nicht, nur zu reden. Solange der Adressat noch wegen seiner
traditionell vom Christentum geprägten Kultur grundsätzlich mit der
Botschaft einverstanden und durch den ganzen sozio-kulturellen Kontext für
sie grundsätzlich vorbereitet war, konnte er aufnehmen und verstehen, was
ihm verkündet wurde. In der heutigen Kulturvielfalt muß man neben
der Verkündigung auch die Bedingungen ihrer Annahme bedenken.
Das Gelingen dieses großen
Unternehmens macht eine ständige Prüfung und Unterscheidung im Licht
des im Gebet erflehten Geistes erforderlich. Um Männer und Frauen aller
Kulturen zu erreichen, sind neben einer angemessenen Vorbereitung und
geeigneten Ausbildung auch einfache pastorale Mittel - Predigt, Katechismus,
Volksmission, Schulen zur Evangelisierung - in Verbindung mit den modernen
Kommunikationsmitteln notwendig. Die Bischofssynoden machen Priester,
Ordensleute und Laien seit dem II. Vatikanischen Konzil mit zunehmendem
Nachdruck darauf aufmerksam. In dieser Hinsicht besitzen die
Bischofskonferenzen in den Bischöflichen Kommissionen für die
Kultur eine vorzügliche Schaltstation. Wo es noch keine solche
Kommission gibt, wäre es wichtig, eine einzurichten, da sie geeignet ist,
die Präsenz der Kirche in den verschiedenen Bereichen, wo Kultur entsteht,
zu fördern und dort jene vielfältige Kreativität zu wecken, die
aus dem Glauben hervorgeht, ihn zum Ausdruck bringt und trägt. "Um
das zu tun, sollte jede Ortskirche ein Kulturprojekt haben, wie es schon in
diesem oder jenem Land der Fall ist".(21) Das ist der ganze
Gegenstand einer Kulturpastoral, die vielleicht komplexer ist als eine erste
Evangelisierung nichtchristlicher Kulturen.
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