Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Päpstlicher Rat für die Kultur
Kulturpastoral

IntraText CT - Text

  • I. GLAUBE UND KULTUR: ORIENTIERUNGSLINIEN
    • Eine Kulturpastoral
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen anzuzeigen

Eine Kulturpastoral

6. Im Dienst der Verkündigung der Frohen Botschaft und demzufolge der Bestimmung des Menschen im Plan Gottes entfaltet die Kulturpastoral - in erneuter Wahrnehmung der an sie gestellten Anforderungen - die Sendung der Kirche in der Welt von heute, die das II. Vatikanische Konzil und die Bischofssynoden zum Ausdruck gebracht haben. Das erwachte Bewußtsein von der kulturellen Dimension der menschlichen Existenz bringt eine besondere Aufmerksamkeit für diesen neuen Bereich der Pastoral mit sich, dessen Grundlagen die christliche Anthropologie und Ethik sind. Die Kulturpastoral verfolgt ein christliches Kulturprojekt, nach dem Christus, der Erlöser des Menschen und die Mitte des Kosmos und der Geschichte (vgl. Redemptor hominis, Nr. 1), das ganze Leben der Menschen erneuert, indem sie "die weiten Bereiche der Kultur [...] seiner rettenden Macht öffnet".(11) In diesem Bereich gibt es praktisch unendlich viele Wege, denn die Kulturpastoral widmet sich konkreten Situationen, um sie für die universelle Botschaft des Evangeliums zu öffnen.

Im Dienst der Evangelisierung, welche die wesentliche Sendung der Kirche, ihre Gnade, ihre eigentliche Berufung und ihre tiefste Identität ist (vgl. Evangelii nuntiandi, Nr. 14), greift die Pastoral - auf der Suche nach den "geeignetsten und wirksamsten Weisen zur Mitteilung der Botschaft des Evangeliums an die Menschen unserer Zeit" (ebd. 40) - komplementäre Mittel zurück: "Die Evangelisierung ist [...] ein vielschichtiges Geschehen mit verschiedenen Elementen: Erneuerung der Menschheit, Zeugnis, ausführliche Verkündigung, Zustimmung des Herzens, Eintritt in die Gemeinschaft, Empfang der Zeichen und Einsatz im Apostolat. Diese Elemente können als gegensätzlich, ja sogar einander ausschließend erscheinen. In Wirklichkeit ergänzen und bereichern sie sich jedoch gegenseitig. Man muß jedes einzelne von ihnen stets in einer integrierenden Funktion zu den anderen sehen" (ebd., Nr. 24).

Eine dank einer abgestimmten Pastoral inkulturierte Evangelisierung ermöglicht es der christlichen Gemeinschaft, ihren Glauben zu empfangen, zu feiern, zu leben und in der eigenen Kultur zum Ausdruck zu bringen, und zwar in "Vereinbarkeit mit dem Evangelium und der Gemeinschaft mit der Gesamtkirche" (Redemptoris Missio, Nr. 54). Sie bringt zugleich die absolute Neuheit der Offenbarung in Jesus Christus zum Ausdruck sowie die Forderung zur Umkehr, die der Begegnung mit dem einzigen Retter entspringt: "Seht, ich mache alles neu" (Offb 21,5).

Daraus ergibt sich, wie wichtig die Sorge der Theologen und Bischöfe um das richtige Glaubensverständnis und die pastorale Prüfung und Unterscheidung ist. Sie müssen auf die Kulturen wohlwollend zugehen, um die Botschaft Christi "in der Vorstellungswelt und Sprache der verschiedenen Völker" (Gaudium et spes, Nr. 44) auszusagen; dies dispensiert sie aber nicht von der erforderlichen Prüfung angesichts der großen und ernsthaften Probleme, die bei einer objektiven Analyse der heutigen Kulturphänomene zutage treten. Die Hirten sind sich deren Gewichtigkeit sehr wohl bewußt, stehen doch die Bekehrung von Menschen - und durch sie die der Kulturen - sowie die Christianisierung des Ethos der Völker (vgl. Evangelii nuntiandi, Nr. 20) auf dem Spiel.




11) Johannes Paul II., Predigt bei der heiligen Messe zur Amtsübernahme, 22. Oktober 1978, Nr. 5.






zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License