dem Gedächtnisse teurer
Ehemänner als Totenopfer weihen. Kommt uns etwas schwer vor, so erinnern wir
uns anderer, die noch Schwereres vollbringen! Wie viele sind es nicht, die nach
der Taufe sofort ihr Fleisch versiegeln; wie viele, die ebenso mit
beiderseitiger Einwilligung sich der ehelichen Leistungen untereinander begeben
als Menschen, die sich aus Begierde nach dem Himmelreich selbst
verschneiden17)! Wenn also Enthaltsamkeit in der Ehe
geübt wird, um wie viel mehr nach Zerreißung derselben! Ich halte es für
schwieriger, etwas noch Bestehendes aufzugeben, als etwas, was man verloren
hat, nicht mehr zu begehren. Fürwahr, es ist für eine christliche Frauensperson
etwas Hartes und Unerreichbares, nach dem Verluste ihres Mannes ledig zu
bleiben, während Heidinnen ihrem Satan das Opfer sowohl ihrer Jungfrauschaft
als ihrer Witwenschaft darbringen!
In Rom wenigstens
werden die, welche jenes Abbild des unauslöschlichen Feuers hüten, die in ihrem
Drachen selbst das Vorzeichen ihrer Strafe pflegen18), nach ihrer Jungfrauschaft
benannt. Der achäischen Juno wird in der Stadt Ägium eine Jungfrau durchs Los
bestimmt, und diejenigen, welche zu Delphi ihre Raserei treiben, wissen vom
Ehestand nichts. Es ist ferner bestimmt, daß die afrikanische Ceres von Witwen
umgeben ist, welche durch ein sehr hartes Vergessen ihrer Ehe entrissen sind.
Sie verlassen nämlich ihre Männer, während diese noch am Leben sind, ja sie
führen lachenden Mundes denselben sogar andere Weiber in die Arme. Sie halten
sich von einer jeden Berührung so fern, daß sie nicht einmal ihre eigenen Söhne
küssen. Trotzdem verharren sie, da die Gewohnheit einmal besteht, in dieser
strengen Witwenschaft, welcher sogar die Tröstungen einer heiligen Frömmigkeit
unbekannt sind. Solche Vorschriften gibt der Teufel den Seinigen, und er dringt
damit auch durch. Er fordert also wahrhaftig durch die Enthaltsamkeit der
Seinigen die Diener