weil erstere das Gute immer
gehabt, letztere aber, was ihr gut ist, gefunden hat; in jener wird die Gnade,
in dieser die Starkmut gekrönt. Manche Dinge sind nämlich Früchte der
göttlichen Freigebigkeit, andere aber unseres Strebens. Was vom Herrn verliehen
ist, wird durch seine Gnade geleitet, was vom Menschen ergriffen wird, das
erhält durch den Eifer seine Vollendung. Beeifere Dich also um der Tugend
willlen der Enthaltsamkeit, welche die Sittsamkeit befördert, der emsigen
Tätigkeit, welche das müßige Umhergehen abschneidet, und der
Bedürfnislosigkeit, welche die Welt verachtet. Suche Umgang und Gespräche,
welche Gottes würdig sind, eingedenk des Sprüchelchens, das durch den Apostel
geheiligt ist: „Böse Gesellschaften verderben gute Sitten"24). Umgang mit
Klatschsüchtigen, Schwätzerinnen, Müßiggängerinnen, Trinkerinnen und
Neugierigen steht dem Vorsatze der Witwenschaft am meisten im Wege. Durch die
Geschwätzigkeit finden Worte, die der Schamhaftigkeit entgegen sind, Eingang,
durch den Müßiggang halten sie vom Ernst ab, bei den Trinkgesellschaften
flüstern sie alles mögliche Böse ein, durch neugierige Klatscherei tragen sie
Stoff für die lüsterne Eifersucht zusammen. Keine Frau dieser Art versteht zum
Lobe der einmaligen Verheiratung ein Wort zu sprechen. Ihr Gott ist nach den
Worten des Apostels der Bauch25), mithin auch das, was dem
Bauche zunächst liegt.
Dieses, meine
teuerste Mitdienerin, lege ich Dir schon jetzt ans Herz, indem ich es nach dem
Vorgange des Apostels etwas weiter ausgeführt habe. Doch werden Dir diese
Zeilen auch zum Tröste gereichen, indem Du, wenn es so kommen sollte, mittels
ihrer das Andenken an mich erneuern wirst.