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9. Darf man nun noch zweifeln, fragen und
wiederholt überlegen, ob der, dem der liebe Gott seine Schätze anvertraut hat,
für die zugebrachte Mitgift tüchtig genug sei? Woher soll ich die Kräfte nehmen,
um das Glück einer Ehe zu schildern, welche vor der Kirche eingegangen, durch
die Darbringung41) bestätigt, mit dem Segen besiegelt
ist, welche die Engel ansagen und der himmlische Vater genehm hält? Es ist ja
nicht einmal auf Erden recht und gesetzlich, wenn Kinder ohne die Einwilligung
der Eltern heiraten. Welch schönes Zweigespann sind ein Paar Gläubige, die eine
Hoffnung, ein Ziel ihrer Wünsche, einerlei Lebensweise und dieselbe Art des
Dienstes haben! Sie beide sind Geschwister, Mitknechte, es ist kein Unterschied
vorhanden, weder an Geist noch an Körper. Sie beten zu gleicher Zeit, sie
werfen sich zusammen nieder, sie halten zu gleicher Zeit die Fasten, sie
belehren, sie ermahnen, sie tragen sich gegenseitig. Sie finden sich in
gleicher Weise in der Kirche Gottes und beim Tische des Herrn ein, sowie sie
sich auch in Bedrängnissen, bei Verfolgungen und in guten Tagen in gleicher
Weise verhalten. Keins hat vor dem ändern Heimlichkeiten, keins meidet das
andere, keins wird dem ändern zur Last. Gern besucht man die Kranken und kommt
dem Dürftigen zu Hilfe. Die Almosen werden gereicht ohne lange Quälerei, das
Opfer gehalten ohne Erregung von Verdruß, die tägliche Beobachtung der Religion
ist ungehindert. Die Bekreuzung findet nicht verstohlen statt, die
Beglückwünschungen nicht mit Zittern, der Segen wird nicht bloß in Gedanken
gesprochen. Aus beider Munde ertönen Psalmen und Hymnen, und sie fordern sich
gegenseitig zum Wettstreite heraus, wer wohl am besten dem Herrn lobsingen
könne. Dergleichen zu sehen und zu hören ist ein Gegenstand der Freude für
Christus. Solchen sendet er seinen Frieden.
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