welchem er, das sind seine Worte, die Sitzreihen des
Theaters angebracht habe. So hat er diesem verdammten und verdammlichen
Bauwerke äußerlich den Namen eines Tempels gegeben und die Sittenpolizei
vermittelst des Aberglaubens zum besten gehabt. Aber Venus und Bacchus halten
zusammen; sie sind ja beide böse Geister der Trunkenheit und Wollust, die
miteinander in einer Verabredung und Verschwörung stehen. Daher ist das Theater
der Venus auch ein Haus des Bacchus oder Liber. Denn andere Bühnen spiele
nannte man eigentlich Liberalia, als außerdem noch dem Liber geweiht — bei den
Griechen sind es die Dionysien — und vom Liber eingesetzt. Es besteht in der
Tat ein Patronat des Bacchus und der Venus bei den szenischen Künsten. Denn was
der Schaubühne eigentümlich und zugehörig ist, die Weichlichkeit in Gebärde und
sinnlicher Haltung des Körpers, das opfert man der Venus und dem Bacchus, die
beide auch, die eine durch ihr Geschlecht, der andere infolge der Schwelgerei
ganz kraft- und energielos sind. Was sich hingegen durch Stimme, Melodie,
Instrumente und Schrift vollzieht, das hat zu Vorständen Apollo, die Musen,
Minerva und Merkur, — O Christ, verabscheuest du nun die Dinge, deren Urheber
zu verabscheuen du nicht umhin kannst?
Hier wollen wir nun
auch gleich über die Künste und die Dinge, deren Urheber für uns in jenen Namen
Gegenstand des Abscheues sind, etwas sagen. Wir wissen recht gut, daß Namen
verstorbener Personen an sich nichts sind, ebensowenig auch ihre Bildnisse,
aber wir wissen auch sehr wohl, wer es ist, der unter jenen Namen und den
aufgestellten Bildern wirksam ist, seine Freude hat und sich lügnerisch die
Gottheit anmaßt — die nichtswürdigen Geister, die Dämonen, Wir nehmen mithin
wahr, daß auch die Künste der Ehre derer geweiht sind, die sich unter dem Namen
ihrer Erfinder eingenistet haben, und daß auch sie nicht von götzendienerischem
Wesen rein sind, da ihre Erfinder eben deshalb für Götter gehalten werden. Was
die Künste angeht, so müssen wir richtiger unsere Prozeßeinrede12)