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29. Und dann endlich, wenn du glaubst,
diese Spanne Zeit mit Ergötzlichkeiten hinbringen zu müssen, warum bist du so
undankbar, dich mit den vielen und großen Ergötzungen, die Gott dir gewährt,
nicht zu begnügen, ja gar nicht an sie zu denken? Denn was gibt es
angenehmeres, als versöhnt zu sein mit Gott, unserm Vater und Herrn, als die
Enthüllung der Wahrheit, die Erkenntnis der Irrtümer und Verzeihung für so
viele frühere Fehltritte zu erlangen? Welche Lust kann größer sein als der Ekel
an der Lust selbst, als die Verachtung der ganzen Welt, die wahre Freiheit, ein
unbeflecktes Gewissen, ein zufriedenes Leben und Freiheit vor jeder
Todesfurcht? Daß die Götter der Heiden zu deinen Füßen liegen, daß du Dämonen
austreibst, Heilungen bewirkst, um Erleuchtungen bittest und für Gott lebst,
das sind die Vergnügungen und Schauspiele der Christen, die heiligen,
beständigen, unentgeltlichen! Deine Zirkusspiele seien: Betrachte den Lauf der
Welt, zähle die flüchtig dahineilenden Stunden und Zeiten, erwarte den
Wendepunkt der Vollendung, verteidige die kirchlichen Genossenschaften, erwache
beim Signal Gottes, erhebe dich bei der Posaune des Engels, setze deinen Ruhm
in die Palme des Martyriums! Sollte dich die Bühne aber etwa der Bildung wegen
anziehen — wir haben Literatur genug, genug Poesien, genug Sinnsprüche, auch
genug Gesänge und Lieder, aber keine Fabeln, sondern Wahrheiten, keine spitzen
Redensarten, sondern einfältige Worte. — Verlangst du Faust- und Ringkämpfe? —
Sie sind vorhanden, und zwar viele und bedeutende. Schaue hin, wie die Unzucht
von der Keuschheit niedergeworfen, der Unglaube vom Glauben überwunden, die
Roheit von Mitleid aus dem Felde geschlagen, die Unverschämtheit von der
Anspruchslosigkeit auf die Seite gedrängt wird! Das sind innere - 135 -
Wettkämpfe, in welchen wir
selber gekrönt werden. Verlangst du aber etwa auch noch Blut, so hast du das
Blut Christi.
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