8. Um unserm Plane gemäß auch von den
Örtlichkeiten zu handeln, so ist der Zirkus vorzüglich dem Sonnengott
geheiligt, dessen Tempel im mittleren Räume und dessen Bild vom Giebel des
Tempels erglänzt, weil man den, welchen man im Freien sieht, nicht unter einem
Dache zur Verehrung glaubte ausstellen zu dürfen. Diejenigen, welche behaupten,
daß das erste Zirkusspiel von der Circe, und zwar, wie sie vorgeben, zu Ehren
ihres Vaters Sol veranstaltet worden sei, leiten von ihr auch den Namen Zirkus
ab. Ganz natürlich hat diese Unholdin jenes Geschäft unter diesem Namen für
diejenigen verrichtet, deren Priesterin sie war, der Dämonen nämlich und der
bösen Engel. Wieviel Götzendienerisches erblickst du also schon in der äußern
Erscheinung des Ortes! Die einzelnen Ornamente des Zirkus sind ebensoviele
Tempel, Die Eier7) wählte man zu Ehren der Kastoren, weil man sich
nicht schämte, zu glauben, sie seien aus einem Ei geboren — von wegen Jupiters,
des Schwanes; die Delphine speien zu Ehren des Neptun, die Säulen tragen
Göttinnen, die Sessiae sind vom Säen, die Messiae vom Ernten, die Tutulinae von
der Beschützung der Früchte so genannt. Vor ihnen sind drei Altäre zu sehen für
je drei Gottheiten, die sog. Großen, Mächtigen und Starken. Man hält
ebendieselben für samothrakisch. Der Obelisk in seiner Länge ist, wie
Hermateles versichert, zur Ehre des Sonnengottes vorn hingestellt, die darauf
befindliche Inschrift enthält einen Aberglauben Ägyptens, woher der Obelisk
stammt.
Es würde aber dieser Dämonengesellschaft etwas fehlen,
wenn nicht ihre Magna Mater dabei wäre, deshalb ist auch diese dort und führt
die Aufsicht über den Wassergraben. Consus hält sich, wie oben bemerkt, bei den
Murcischen Merksäulen unter der Erde verborgen. Auch daraus hat man ein Idol
gemacht. Murcia soll nämlich eine Liebesgöttin sein, der man an jener Stelle
einen Tempel gelobt hat. Nun, mein Christ, bemerke wohl, wieviele unreine Wesen
sich in den Besitz des Zirkus teilen! Eine Religion, von welcher so viele
teuflische Geister Besitz genommen haben, ist dir sicher fremd.
Hinsichtlich der
Örtlichkeit ist nun aber hier der Ort, recht genau zu handeln, um eine gewisse
Frage abzuschneiden. „Wie steht es", fragt man, „wenn ich zu einer ändern
Zeit den Zirkus betrete; bin ich dann auch noch der Gefahr der Befleckung
ausgesetzt?" — Es gibt kein Verbot, das den Besuch eines Ortes
beschränkte. Denn nicht nur die genannten Versammlungsörter der Spiele, sondern
sogar die Tempel selbst kann der Diener Gottes ohne Gefährdung der Kirchenzucht
betreten, auf eine dringende Ursache hin, wenn sie nur nicht auf die eigentliche
Bestimmung und den Charakter des Ortes Bezug hat. Schließlich sind ja doch auch
die Straßen, der Markt, die Bäder und Ställe, ja selbst unsre Häuser mit
Götterbildern versehen, ja die ganze Welt ist vom Satan und seinen Engeln
erfüllt. Wir fallen durch den bloßen Umstand, daß wir in der Welt sind, noch
nicht von Gott ab, sondern nur dann, wenn wir uns an irgend etwas von den
Verbrechen der Welt beteiligen. Folglich wenn ich das Kapitolium, wenn ich das
Serapeum betrete als einer, der dort opfert oder anbetet, dann falle ich von
Gott ab, ebenso wenn ich den Zirkus und das Theater in der Eigenschaft als
Zuschauer betrete. Die Örtlichkeiten an sich sind nicht imstande uns zu
beflecken, wohl aber das, was daselbst geschieht, und wodurch eben, wie wir zu
erhärten gesucht haben, die Örtlichkeiten befleckt werden. Durch Beflecktes
werden wir befleckt. Deswegen eben erinnern wir daran, wenn jene Örter
geheiligt sind, um zu