10. Gehen wir nun zum Theaterwesen über.
Daß sein Ursprung derselbe und die Benennungen die gleichen seien, indem der
Name Ludi dafür ebenfalls von Anfang an üblich und die Inszenierung mit
Anwendung von Pferden und Wagen verbunden war, haben wir schon gezeigt. Auch
der äußere Aufzug ist teilweise verwandt, da man von den Tempeln und Altären
mit ihrem unseligen Weihrauch und Blut nebst ihrem Flöten- und
Posaunenschall10) hinweg zur Bühne zieht, wobei die
beiden verkommensten Persönlichkeiten, der Designator11) und der Haruspex, die Ordner
der Leichenzüge wie der Spiele abgeben. Und von demselben Ausgangspunkte, von
wo wir von dem Ursprung der Spiele zu den Zirkusspielen übergegangen sind,
nehmen wir nun den Weg zu den Theaterspielen — von dem schlimmen Charakter des
Ortes, Das Theater ist eigentlich ein Heiligtum der Venus, In dieser
Eigenschaft ist überhaupt erst diese Art von Bauwerken in die Welt eingeführt.
Wiederholt nämlich hatten die Zensoren, für gute Sitten besorgt, eben
entstehende Theater wieder zerstört. Denn es wurde für die Sitten eine sehr
große Gefahr von wegen der Leichtfertigkeit befürchtet, so daß schon aus diesem
Anlaß für die Heiden ihr eignes Urteil zu einem Zeugnis zu unsern Gunsten wird
und auch diese bloß menschliche Stimmenabgabe unsere Sittenzucht verstärkt. Und
als daher Pompejus der Große, der nur kleiner war als sein Theater, jene feste
Burg aller möglichen Schändlichkeiten erbaute, da hat er aus Besorgnis, es möge
einst noch gegen sein Andenken ein Tadel des Zensors ausgesprochen werden, oben
darauf einen Tempel der Venus gesetzt und nannte es in dem Edikt, womit er das
Volk zur Einweihung berief, nicht Theater, sondern einen Tempel der Venus,
unter
welchem er, das sind seine Worte, die Sitzreihen des
Theaters angebracht habe. So hat er diesem verdammten und verdammlichen
Bauwerke äußerlich den Namen eines Tempels gegeben und die Sittenpolizei
vermittelst des Aberglaubens zum besten gehabt. Aber Venus und Bacchus halten
zusammen; sie sind ja beide böse Geister der Trunkenheit und Wollust, die
miteinander in einer Verabredung und Verschwörung stehen. Daher ist das Theater
der Venus auch ein Haus des Bacchus oder Liber. Denn andere Bühnen spiele
nannte man eigentlich Liberalia, als außerdem noch dem Liber geweiht — bei den
Griechen sind es die Dionysien — und vom Liber eingesetzt. Es besteht in der
Tat ein Patronat des Bacchus und der Venus bei den szenischen Künsten. Denn was
der Schaubühne eigentümlich und zugehörig ist, die Weichlichkeit in Gebärde und
sinnlicher Haltung des Körpers, das opfert man der Venus und dem Bacchus, die
beide auch, die eine durch ihr Geschlecht, der andere infolge der Schwelgerei
ganz kraft- und energielos sind. Was sich hingegen durch Stimme, Melodie,
Instrumente und Schrift vollzieht, das hat zu Vorständen Apollo, die Musen,
Minerva und Merkur, — O Christ, verabscheuest du nun die Dinge, deren Urheber
zu verabscheuen du nicht umhin kannst?
Hier wollen wir nun
auch gleich über die Künste und die Dinge, deren Urheber für uns in jenen Namen
Gegenstand des Abscheues sind, etwas sagen. Wir wissen recht gut, daß Namen
verstorbener Personen an sich nichts sind, ebensowenig auch ihre Bildnisse,
aber wir wissen auch sehr wohl, wer es ist, der unter jenen Namen und den
aufgestellten Bildern wirksam ist, seine Freude hat und sich lügnerisch die
Gottheit anmaßt — die nichtswürdigen Geister, die Dämonen, Wir nehmen mithin
wahr, daß auch die Künste der Ehre derer geweiht sind, die sich unter dem Namen
ihrer Erfinder eingenistet haben, und daß auch sie nicht von götzendienerischem
Wesen rein sind, da ihre Erfinder eben deshalb für Götter gehalten werden. Was
die Künste angeht, so müssen wir richtiger unsere Prozeßeinrede12)
weiter hernehmen und sagen, daß die
Dämonen mit ihrer Gabe der Voraussicht sich unter den übrigen Akten des
Götzendienstes auch die Unreinheiten der Schauspiele ausersehen, um dadurch die
Menschen von Gott fern zu halten und ihrer Ehre dienstbar zu machen, und daß
sie künstlerischen Genies der Art die Begeisterung eingegeben haben. Denn was
sich auf sie beziehen sollte, das wird wohl auch nicht von ändern Wesen
eingerichtet worden sein. Sie hätten es auch durch niemand anders gezeigt und
gelehrt, als durch eben die, unter deren Namen, Bildern und Geschichten sie den
betrügerischen Weihegottesdienst, der zu ihrem Vorteil dient, etabliert haben.