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20. Da ein der göttlichen Moral
entsprechender Wandel nicht bloß durch Taten, sondern auch durch Worte
gefährdet werden kann -- denn wie einerseits geschrieben steht: „Siehe, der
Mensch und seine Taten", so heißt es andererseits auch „nach deinen eigenen
Worten wirst du gerechtfertigt werden"54), so dürfen wir nicht
vergessen, daß es unsere Pflicht auch ist, zu verhüten, daß sich die
Idololatrie nicht einmal in - 169 -
Worten, sei es als Folge
fehlerhafter Gewohnheit oder furchtsamer Gesinnung, einschleiche. Die
heidnischen Götter so zu nennen, verbietet uns das Gesetz55), gewiß; es verbietet uns
jedoch sicherlich nicht, ihre Namen auszusprechen, wozu uns das tägliche Leben
zwingt. Denn sehr häufig sieht man sich genötigt, sich z. B. des Ausdruckes zu
bedienen: Im Tempel des Äskulap findest du ihn; ich wohne in der Isisgasse; er
ist Priester des Jupiter geworden, und vielerlei dergleichen Redensarten; denn
diese Art Benennungen sind von den Menschen einmal eingeführt. Wenn ich den
Saturn mit seinem Namen benenne, so ehre ich ihn damit weiter nicht; ich ehre
ihn ebensowenig als den Markus, wenn ich ihn Markus nenne. Aber es heißt doch:
„Die Namen fremder Götter sollt ihr nicht erwähnen, und man soll sie
nicht hören aus deinem Munde"56). Diese Vorschrift ist
gegeben, damit wir sie nicht Götter titulieren. Denn im ersten Teile des
Gesetzes heißt es: „Du sollst den Namen Gottes deines Herrn nicht bei eitlem
nennen"57), d. h, bei einem Götzenbilde. Folglich
ist nur derjenige in Idololatrie verfallen, welcher das Idol mit dem Namen Gott
beehrt. Wenn man aber die Götter zu erwähnen hat, so muß man etwas hinzufügen,
woraus erhellt, daß man sie nicht für Götter hält. Denn auch die Hl, Schrift
nennt die Götter, setzt aber hinzu „ihre" oder „die der Heiden", z.
B. David, wenn er die Götter anführt und sagt: „Die Götter der Heiden aber sind
Dämonen"58). Dies habe ich mehr als Grundlage
für das folgende vorausgeschickt. Eine fehlerhafte Gewohnheit ist es aber, zu
sagen: „Beim Herkules" oder „Medius Fidius". Bei manchen ist
Unwissenheit dabei und sie wissen nicht, daß dies ein Schwur beim Herkules ist.
Was würde eine Beteuerung bei Wesen, die man abgeschworen hat, anders sein, als
ein Abirren vom Glauben nebst Idololatrie?! Denn jeder ehrt diejenigen, bei
welchen er etwas beteuert.
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