Wirkungen der Besprechungen bekannt
gemacht und jeglichen Vorwitz bis zur Deutung der Gestirne geweckt hatten, — da
haben sie im eigentlichen Sinne und gleichsam ganz speziell noch den Weibern die
Mittel der weiblichen Prunksucht verschafft, die leuchtenden Steinchen, womit
die Halsbänder in so verschiedener Weise geschmückt, die goldenen Spangen,
womit die Arme beschwert, die Zusammensetzung der Schminke, womit die
Wangen1) gefärbt und endlich auch noch das schwarze Pulver,
womit die Grenzlinien über den Augen gezogen werden.
Hinsichtlich des
Charakters dieser Dinge kann man sich schon wegen der Beschaffenheit und der
Art der Lehrmeister sofort das Urteil erlauben, daß Sünder nicht zur Unschuld,
Weibernarren nicht zur Keuschheit, abtrünnige Geister nicht zur Gottesfurcht
anleiten und verhelfen konnten, Wenn man hierbei von Lehren reden darf, so
konnten schlechte Lehrmeister notwendigerweise auch nur schlechte Lehren geben.
Waren es aber Belohnungen für die gewährte Lust, so ist der Lohn für eine
schlechte Sache niemals löblich. Warum lag ihnen aber denn so viel daran, so
etwas zu lehren und zu gewähren? Hätten denn nicht die Weiber auch ohne diese
glänzenden Dinge und ohne künstlichen Schmuck den Männern gefallen können, da
sie, ungeputzt, ungeschmückt, um mich so auszudrücken, noch unkultiviert und
roh, schon auf Engel Eindruck machten? Oder hätten letztere etwa als lumpige
Liebhaber dagestanden, die schimpflicherweise die Gefälligkeiten umsonst
begehren, wenn sie den Weibern, die sie zum ehelichen Umgang verlockten, nichts
mitbrachten? Aber das läßt sich doch nicht denken. Die Weiber, welche Engel ihr
eigen nannten, hätten eigentlich gar nichts weiter begehren können, da sie gut
verheiratet waren. Jene dagegen, welche gewiß zuweilen an den Ort dachten, aus
dem sie verstoßen waren, und nach dem Himmel zurückverlangten, nachdem die
Augenblicke der Lust verflogen waren, die haben jenes Gut des natürlichen,
weiblichen Liebreizes, die Ursache
ihres Unglücks, den Frauen derart gelohnt, daß denselben ihr Glück nichts
nützte, sondern sie, ihrer Einfalt und Lauterkeit beraubt, zugleich mit jenen
Engeln Gegenstand des Mißfallens Gottes wurden. Diese wußten gewiß, daß alle
Ruhmsucht, aller Ehrgeiz und das Bestreben, durch das Fleisch zu gefallen, Gott
mißfällig sei. Es sind nämlich diejenigen Engel, welche wir richten werden; es
sind diejenigen Engel, denen wir bei der Taufe widersagen; es sind die Dinge,
um derentwillen sie von Menschen gerichtet zu werden verdienen. Was haben nun
ihre Sachen bei ihren Richtern zu tun? Welche Gemeinschaft haben die
Verurteilten mit dem Verurteilenden? Ich meine keine bessere, als Christus mit
Belial. Mit welcher Zuversicht können wir jenen Richterstuhl besteigen, um
Urteile zu fällen über die, von denen wir Geschenke begehren? Denn auch Euch
ist für jene Zeit dieselbe Wesenheit mit den Engeln und dasselbe Geschlecht mit
den Männern verheißen; es ist Euch dieselbe Würde eines Richters versprochen.
Wenn wir uns nicht schon hienieden durch Verurteilung der Dinge, die wir an
ihnen verdammen sollen, im Richten geübt haben, so werden sie vielmehr uns
richten und verdammen.