müssen in solcher Heiligkeit,
so in der ganzen Fülle des Glaubens wandeln, daß wir in unserem Gewissen ruhig
und sicher sind in dem Wunsche, so zu bleiben, ohne vermessen darauf zu bauen.
Denn wer zuversichtlich ist, der ist weniger besorgt, wer weniger besorgt ist,
ist weniger vorsichtig, wer aber weniger vorsichtig ist, der ist in größerer
Gefahr, Die Furcht ist die Grundlage des Seelenheils, Zuversichtlichkeit aber
ein Hindernis der Furcht. Nützlicher also ist es zu hoffen, daß wir imstande
sein werden, die Sünde zu meiden10), als sich dessen zu
vermessen. Denn haben wir diese Hoffnung, so werden wir besorgt sein; sind wir
besorgt, so werden wir vorsichtig sein; sind wir vorsichtig, so werden wir
gerettet werden. Wenn wir dagegen vermessentlich vertrauen, werden wir aus
Mangel an Besorgnis und Vorsicht zugrunde gehen. Wer sich in Sicherheit wiegt,
ist nicht besorgt und besitzt darum keine feste und zuverlässige Sicherheit,
Aber wer besorgt ist, der kann wirklich sicher sein.
Zwar sorgt der Herr
in seiner Barmherzigkeit für seine Diener, und sie dürfen hinsichtlich ihrer
Wohlfahrt glücklicherweise sogar Vertrauen hegen. Warum aber wollen wir eine
Gefahr für andere werden? Warum ihnen Begierden einflößen? Als ob Gott das
Gesetz nicht erweitert und in Hinsicht der Strafe zwischen der unzüchtigen Tat
und der Begierde danach einen Unterschied gemacht hätte? Ich weiß nicht, ob der
straflos bleiben kann, der einem ändern zur Ursache des Unterganges wird. Der
Nächste geht nämlich zugrunde, sobald er nach deiner Gestalt begehrt, und hat
in seinem Herzen schon vollbracht, was er begehrt, du aber bist dann ihm zum
Dolch des Todes geworden; und wenn du auch von Schuld frei sein solltest, so
bist du doch nicht frei von Vorwurf, Wenn z. B. auf jemandes Acker ein Raubmord
vollbracht wird, so wird das Verbrechen den Besitzer allerdings nicht berühren;
wenn aber das Landgut dadurch in Verruf kommt, so wird auch seine Person durch
die Schande mit betroffen. Wollten wir uns etwa schminken, damit andere dadurch
zugrunde