ihnen zukommt?! — Werden nicht auch
uns gewisse Dinge untersagt aus Rücksicht auf die ernste Würde, die man wegen
der schuldigen Gottesfurcht bewahren muß? Auch den Männern ist die Gefallsucht
gegenüber den Weibern, wie den Weibern gegenüber den Männern durch einen
Naturfehler angeboren, auch unser Geschlecht hat seine eigentümlichen
Kunstgriffe zur Hebung der Gestalt, z. B. den Bart möglichst glatt zu rasieren,
dünner zu machen, rundumher zu stutzen, das Haar zu scheiteln, das grau
gewordene anders zu färben, stets allen Flaum am ganzen Körper zu entfernen,
das Haar mit derselben Pomade, wie sie die Weiber brauchen, glatt zu streichen,
die übrigen Teile durch Reiben mit einem gewissen rauhen Pulver zu glätten, bei
jeder Gelegenheit den Spiegel zu befragen und ängstlich hineinzuschauen,
während doch, wenn man Gott erkannt und die Gefallsucht der Gefahr sinnlicher
Lüste wegen abgelegt hat, alle diese Dinge als müßig und der Sittsamkeit
zuwider verschmäht werden müßten. Denn wo Gott ist, da ist auch Sittsamkeit, da
ist auch deren Stütze und Bundesgenosse, der würdige Ernst, Wie sollen wir also
die Sittsamkeit ohne die ihr eigentümliche Unterstützung, d, h, ohne den
würdigen Ernst, handhaben? Wie werden wir uns aber die zur Beobachtung der
Sittsamkeit nötige Gravität verschaffen, wenn wir nicht in unserem Antlitz, im
Putz und in der ganzen Erscheinung des Menschen den Ernst zur Schau tragen?