6. Ich sehe manche Frauenspersonen ihr
Haar mit Safran färben. — Sie schämen sich sogar ihrer Herkunft, daß sie nicht
in Deutschland oder Gallien geboren sind, So geben sie, so viel von ihrem Haar
abhängt, ihr Vaterland auf. Ihr feuerroter Kopf ist ein schlechtes und sehr
schlimmes Vorzeichen für sie, und sie halten Flekken für einen Zierat, Ja die
Einwirkung der Farbestoffe ist ihrem Haupte sogar schädlich, und schon eine
anhaltende, bloß durch eine einfache Flüssigkeit verursachte Nässe bringt dem
Gehirn schweren Schaden, Sodann schadet dem Haar auch die zu seiner
Wiederbelebung und Abtrocknung angewendete sonst wohltuende
Hitze. Was ist das für eine
Verschönerung, die mit Nachteilen, was ist das für eine Anmut, die mit
Unsauberkeit verbunden ist!? Ein christliches Weib sollte Safran auf ihren Kopf
bringen wie auf den Opferaltar?! Alles, was dem unreinen Geiste zu Ehren
angezündet zu werden pflegt, kann man als ein Götzenopfer ansehen, so lange es
nicht zu löblichen, notwendigen oder heilsamen Zwecken benutzt wird, wozu es
als Geschöpf Gottes bestimmt ist. Der Herr sagt aber: ,,Wer von euch kann
weißes Haar schwarz oder schwarzes weiß machen"16). Da wollen sie denn also den
Herrn Lügen strafen. Siehe, sagen sie, aus schwarzem oder weißem Haar machen
wir gelbes, was anmutiger und hübscher ist. Freilich, sie versuchen auch
schwarzes aus weißem zu machen, wenn es ihnen Kummer macht, das Greisenalter
erlebt zu haben, O Verwegenheit! Man schämt sich des Alters, das man so eifrig
zu erlangen gewünscht hat; man begeht einen Diebstahl. Die Jugend, in der man
gesündigt hat, wird zurückgesehnt; der Anlaß zum Ernste wird beseitigt! Fern
sei eine solche Torheit von den Töchtern der Weisheit! Je mehr man das Alter zu
verbergen sucht, desto mehr kommt es zum Vorschein. Macht jugendliches Haar
etwa das ewige Leben aus? Ist das die Unverweslichkeit, mit der wir fürs neue
Haus des Herrn überkleidet werden sollen, welche durch die Dreieinigkeit uns
verheißen ist? Das wäre mir gerade die richtige Art, wie Ihr Euch beeilet, zum
Herrn zu kommen, wie Ihr Euch tummelt, um diese befleckte Welt zu verlassen,
wenn es in Euren Augen eine solche Unehre ist, dem Lebensende nahe gekommen zu
sein.