der Natur als einen
Leidenszustand der Seele, welcher aus der Mißbilligung einer frühern1) Meinung entspringt. Im
übrigen aber sind sie von deren eigentlichem Verständnis so weit entfernt, wie
von dem Urheber des Verstandes selbst. Denn der Verstand ist etwas Göttliches, weil
Gott der Schöpfer aller Dinge ist, weil er alles und jegliches mit Verstand
vorgesehen, eingerichtet und angeordnet hat und alles mit Verstand behandelt
und angesehen wissen will. Alle, welche Gott nicht kennen, verstehen daher
notwendig auch nicht, was Gottes ist, weil eine Schatzkammer Fremden in keinem
Fall offen steht. So treiben sie ohne das Steuerruder der Vernunft in allen
Verhältnissen und Vorkommnissen des Lebens umher und können den der Welt
drohenden Sturm nicht vermeiden. Wie unvernünftig sie sich aber inbetreff der
Reue verhallen, das kann man mit der einen Bemerkung genügend dartun, daß sie
solche auch bei ihren guten Handlungen empfinden. Es reut sie ihr Glaube, ihre
Liebe, ihre Einfalt, ihre Geduld, ihr Mitleid, je nachdem etwas davon auf
undankbaren Boden gefallen ist. Sie verwünschen sich selber, weil sie Gutes
getan haben. Gerade diese Art von Reue, die man den besten Handlungen anhängt,
lassen sie in ihrem Herzen wurzeln und sorgen dafür, daß sie dessen eingedenk
sind, nicht wieder etwas Gutes zu tun; der Reue über Böses dagegen liegen sie
weniger ob. So geschieht es leichter, daß sie durch Reue sündigen, als daß sie
dadurch recht täten.