Straflosigkeit zu erkaufen. Wenn also
schon die gewöhnlichen Verkäufer die Münze, um die sie übereingekommen sind,
erst prüfen, ob sie nicht beschnitten, nicht abgegriffen, nicht falsch sei, so
sind wir des Glaubens, daß auch der Herr, der uns einen so hohen Lohn, nämlich
das ewige Leben, zugestehen will, vorher eine Prüfung unserer Buße anstellt.
„Aber schieben wir
die wirkliche Buße lieber noch eine Weile auf! Unsere Besserung, meine ich, ist
ja eine ausgemachte Sache, sobald wir losgesprochen werden" —10), Keineswegs; sondern dann,
wenn man den Blick auf die Strafe richtet, während die Verzeihung noch in der
Schwebe bleibt, wenn man noch nicht verdient, befreit zu werden, gesetzt, daß
wir es überhaupt verdienen könnten, wenn Gott droht, nicht wenn er vergibt.
Welcher Sklave wird sich, nachdem er die Sklaverei mit der Freiheit vertauscht
hat, seine Diebstähle und Ausreißereien nachher noch anrechnen? Welcher Soldat
wird sich, aus dem Felddienste entlassen, noch wegen seiner Degradationen Sorge
machen? Der Sünder muß vor Erlangung der Verzeihung seinen Zustand beweinen,
weil die Zeit der Buße dieselbe ist wie die Zeit der Gefahr und der Furcht,
Auch ich stelle nicht in Abrede, daß den Täuflingen die göttliche Wohltat, d,
h, die Tilgung der Sünden, in jedem Falle gesichert sei, aber man muß sich, um
dahin zu gelangen, Mühe geben. Wer würde dir, einem Menschen von so
unzuverlässiger Reue, auch nur eine Bespritzung mit irgend welchem beliebigen
Wasser gewähren? Sich diese Sache erschleichen und den dafür Bestellten durch
seine Versicherungen täuschen, das ist leicht; — Gott aber trägt Sorge für
seinen Schatz und läßt nicht zu, daß Unwürdige ihn erschleichen. Wie z. B.
spricht er: „Nichts ist verborgen, was nicht wird aufgedeckt
werden"11). So dichte Finsternis du auch über
deinem Tun
anhäufest — Gott ist das
Licht, Manche aber denken sich, Gott wäre genötigt, auch Unwürdigen zu
gewähren, was er versprochen hat, und machen so aus seiner Freigebigkeit einen
Zwangsdienst, „Wenn er uns aber den Schuldschein des Todes mit Notwendigkeit
nachläßt, dann handelt er doch gegen seinen Willen?" — Aber wer läßt
Bestand haben, was er wider Willen zugestanden hat? Fallen nicht nachher noch
viele ab? Wird die Gabe nicht vielen wieder genommen? Diese sind es gerade, die
sie sich erschleichen, welche, wenn sie zum Glauben gelangt sind, das Gebäude
ihrer Bekehrung auf Sand bauen, so daß es einstürzt.
Niemand rede sich
also ein, das Sündigen sei ihm jetzt noch erlaubt, weil er noch zu den
Anfängern im Unterricht gehört12). Sobald du den Herrn kennen
gelernt hast, solltest du ihn auch fürchten; sobald du ihn erblickt hast, auch
ehrfurchtsvoll verehren. Was hilft es dir sonst, ihn erkannt zu haben, wenn du
dich mit denselben Dingen abgibst, wie früher in deiner Unwissenheit? Was
scheidet dich denn noch von den wirklichen Dienern Gottes? Ist etwa Christus
für die Getauften ein anderer als für die Hörenden unter den Katechumenen? Ist
die Hoffnung für sie eine andere, die Belohnung, die Furcht vor dem Gericht
oder die Notwendigkeit der Bekehrung eine andere? Jenes Bad13) ist ja nur eine Besiegelung
des Glaubens, welcher mit der Zuverlässigkeit der Bekehrung seinen Anfang nimmt
und durch sie seine Empfehlung erhält. Wir werden nicht deshalb abgewaschen,
damit wir aufhören zu sündigen, sondern deshalb, weil wir bereits aufgehört
haben, weil wir dem Herzen nach schon abgewaschen sind. Das ist die erste
Taufe, die der Hörenden, die vollkommene Furcht Gottes, Von da an, sofern du
den Herrn nur fühlst, datiert der gesunde Glaube und ein Gewissen, das sich ein
für allemal der Bekehrung zugewendet hat. Wenn wir hingegen erst von der Taufe
an aufhören wollen, zu sündigen, dann legen wir nur aus Zwang, nicht von freien
Stücken, das Gewand der
Sittenreinheit an. Wer verdient
demnach den Vorzug im Guten, der, welcher nicht schlecht sein darf, oder der,
dem dies zu sein mißfällt? Der, dem es befohlen wird, oder der, welcher
Vergnügen daran findet, die Fehltritte zu meiden? Dann würden wir also auch
unsere Hand vom Diebstahl nur in dem Falle zurückhalten, wenn uns die
Festigkeit der Schlösser widerstünde, unsere Augen vor unzüchtiger Lüsternheit
nur hüten, im Falle wir von den Wächtern der verführerischen, schönen Leiber
zurückgerissen würden, — wofern nämlich niemand, der sich dem Herrn hingegeben
hat, eher aufhören müßte, zu sündigen, als bis er durch die Taufe gebunden ist.
Wenn aber jemand so gesinnt ist, so weiß ich nicht, ob nicht nach der Taufe die
Betrübnis darüber, daß er zu sündigen aufgehört hat, bei ihm größer sein wird
als die Freude darüber, daß er der Sünde entgangen ist.
Daher müssen die
Hörenden die Taufe wünschen, nicht sie vorwegnehmen. Denn, wer sie wünscht, der
ehrt sie, wer sie aber vorzeitig begehrt, ist stolz. Bei jenem tritt Ehrfurcht,
bei diesem Ungestüm zutage. Jener bemüht sich darum, dieser nimmt es leicht.
Jener sucht sie zu verdienen, dieser aber verspricht sie sich als etwas, was
man ihm schuldig ist. Jener empfängt sie, dieser reißt sie an sich. Wen hältst
du nun für den Würdigeren? Doch nur den, der sich gründlicher gebessert hat.
Wer aber hat sich mehr gebessert? Doch nur der Gottesfürchtigere, welcher darum
auch eine wahre Buße geleistet hat. Er fürchtete sich nämlich, noch zu
sündigen, weil er dadurch unwürdig geworden wäre, zu empfangen. Jener
vorzeitige Forderer hingegen — der konnte keine Furcht haben, weil er es in
völliger Sicherheit erwartete; und so hat er auch keine Buße verrichtet, weil
er des nötigen Hilfsmittels zur Bekehrung, der Furcht, entbehrte. Das
vorschnelle Fordern ist halb und halb ein Mangel an Ehrfurcht; es bläht den
Bittsteller auf und verachtet den Geber. Daher täuscht es auch mitunter. Denn
man verspricht sich die Sache vor der Zeit, wodurch jedesmal der, welcher geben
soll, beleidigt wird.