es buchstäblich verstehen muß,
ist der Sinn der Bitte doch eben derselbe, nämlich, daß der Wille Gottes in uns
auf Erden geschehe, damit er auch im Himmel an uns geschehen könne. Was anderes
will Gott, als daß wir gemäß seiner Lehre und Zucht wandeln? Wir bitten mithin,
er möge uns den Inhalt und den Reichtum seines Willens verleihen, damit wir
gerettet werden im Himmel und auf Erden; denn sein höchster Wunsch ist das Heil
derer, die er zu Kindern angenommen hat. Es ist auch das der Wille Gottes, was
der Herr13) ausgeübt hat in seinem Predigen, Wirken und Leiden.
Wenn er nämlich selbst sagt, daß er nicht seinen Willen, sondern den des Vaters
tue14), so war das, was er tat, ohne Zweifel der Wille des
Vaters, wozu wir gleichsam wie nach einem Muster jetzt aufgefordert werden, zu
predigen, zu wirken und zu leiden bis zum Tode. Damit wir diese Forderung
erfüllen können, bedarf es des Willens Gottes15). Ebenso wenn wir sagen, es
geschehe dein Wille, so wünschen wir uns damit etwas Gutes, weil nichts Böses
im Willen Gottes liegt, auch wenn er gemäß dem Verdienst eines jeden etwas
Gegenteiliges auferlegt. Durch diesen Ausdruck ermahnen wir uns auch zum
geduldigen Ertragen, Auch der Herr hat, da er in der Art und Weise seines
Leidens schon an seinem eigenen Fleische die Schwäche des Fleisches darlegen
wollte, gesagt: ,,Vater, nimm diesen Kelch von mir hinweg", und sich
besinnend: „Doch nicht mein Wille geschehe, sondern der deinige"16). Er selber war der Wille und
die Macht des Vaters, und doch übergab er sich zum Erweise der schuldigen
Geduld dem Willen des Vaters.