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11. Seien wir doch nicht von der Erhörung
durch Gott ebenso weit entfernt als von seinen Vorschriften! Die Erinnerung an
die Vorschriften bahnt den Gebeten den Weg zum Himmel, Eines der vorzüglichsten
davon ist, daß wir nicht eher zum Altare Gottes hinaufsteigen sollen, als bis
wir, wenn eine Streitigkeit oder Beleidigung zwischen uns und den Brüdern
vorgefallen ist, sie beigelegt haben. Denn wie könnte man zum Frieden Gottes
hinzutreten ohne den Frieden? Zur Nachlassung der Sünden mit Hinterhältigkeit?
Wie wird man den Vater versöhnen, wenn man gegen den Bruder erzürnt ist, da uns
doch von Anfang an jeder Zorn untersagt ist? Joseph sagte, als er seine Brüder
entließ, um den Vater herzuführen: „Und daß ihr nicht zürnet auf dem
Wege"39). Wir, wohlverstanden, sind es, die er damit ermahnte;
denn auch anderweitig wird ja unsere Zucht und Lehre ,,Weg" genannt. Da
laßt uns denn, auf den Weg des Gebetes gestellt, nicht mit Zorn beim Vater
eintreten! Sodann setzt der Herr mit dürren Worten, indem er das Gesetz
erweitert, den Zorn gegen den Bruder noch über den Mord, Nicht einmal in einem
bösen Worte soll man Befriedigung suchen; und wenn einmal gezürnt werden muß,
dann, mahnt der Apostel, nicht über Sonnenuntergang hinaus. Wie vermessen - 258 -
aber wäre beides, den Tag ohne Gebet
hingehen zu lassen, während man dem Bruder Genugtuung zu geben zögert, und das
Gebet durch Fortdauer des Zornes zu verderben.
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