6. Und wie geschmackvoll die göttliche
Weisheit die Aufeinanderfolge in dem Gebete geordnet hat! Nach den himmlischen
Dingen, dem Namen Gottes, dem Willen Gottes und dem Reiche Gottes, gibt sie
auch den Bitten um irdische Bedürfnisse Raum, Denn es hatte der Herr ja auch
den Ausspruch getan: „Suchet zuerst das Reich Gottes, und dann wird Euch auch
dieses zugegeben werden"20). Trotzdem sollten wir das
Unser tägliches Brot gib uns heute doch lieber geistig verstehen, Christus
nämlich ist unser Brot, weil Christus das Leben heißt, und Leben so viel ist
als Brot, „Ich bin", sagt er, „das Brot des Lebens"21). Und kurz vorher: „Das Brot
ist das Wort Gottes, welches vom
Himmel herabgestiegen
ist"22). Sodann auch deswegen, weil sein Leib im Brote
befindlich ist: „Dieses ist mein Leib"23). Wenn wir also um das
tägliche Brot bitten, so begehren wir Beständigkeit in Christus und
Untrennbarkeit von seinem Leibe. Aber da dieser Ausspruch auch im fleischlichen
Sinne verstanden werden darf, so kann dies unmöglich geschehen ohne eine
religiöse Beschränkung auch seitens der geistlichen Sittenzucht. Er befiehlt
nur, um Brot zu bitten, weil es allein den Gläubigen notwendig ist; denn nach
den übrigen Dingen suchen die Heiden24). Dies prägt er auch mit
Hilfe von Beispielen ein und lehrt es in Form von Parabeln, wenn er z, B. sagt:
„Nimmt etwa ein Vater den Kindern das Brot und gibt es den
Hunden?"25). Ebenso: „Gibt er etwa dem Sohne,
der um Brot bittet, einen Stein?"26), Er gibt damit zu verstehen,
was die Kinder von dem Vater erwarten. Auch jener nächtliche Pocher pochte um
des Brotes willen27), Mit Recht aber hat er hinzugesetzt:
„Gib es uns heute"; denn er hatte die Ermahnung vorausgehen lassen:
„Sorget nicht für den kommenden Tag, was ihr esset"28). Als Parabel dafür hat er
jenen Menschen hingestellt, der bei Ergiebigkeit der Feldfrüchte auf
Vergrößerung seiner Scheunen und langes Wohlleben bedacht ist, aber in eben
derselben Nacht noch stirbt29).