7. Nach Berücksichtigung der
Freigebigkeit Gottes wäre es nun an der Reihe, auch um seine Nachsicht zu
flehen, Denn was hilft uns die Nahrung, wenn wir in Wahrheit so für sie
bestimmt sind, wie der Stier zum Schlachten? Der Herr wußte wohl, daß er allein
ohne Fehler sei. Daher lehrt er uns bitten: Vergib uns
unsre Schulden. Die Bitte um
Nachsicht ist schon ein Schuldbekenntnis30), weil, wer um Nachsicht
bittet, sein Vergehen eingesteht. Daher wird auch die Buße als Gott
wohlgefällig hingestellt, da er diese lieber will als den Tod des Sünders.
„Schulden" ist in der Hl. Schrift ein bildlicher Ausdruck für Vergehungen,
weil sie ja in ähnlicher Weise vor Gericht anhängig gemacht und von diesem
beigetrieben werden und der gerechten Beitreibung nur dann entgehen, wenn die
Beitreibung erlassen wird, wie der Herr jenem Knechte die Schuld nachließ. Auf
letzteres bezieht sich nämlich das in der Parabel enthaltene Gleichnis. Denn
auch der Zug, daß der Sklave, vom Herrn losgelassen, nicht seines Schuldners in
gleicher Weise schont, deswegen beim Herrn angezeigt und den Schergen übergeben
wird, bis er den letzten Heller bezahlt hat, d, h, bis auf die geringste
Schuld31) — das geht darauf hinaus, daß auch wir bekennen, unsern
Schuldnern nachsehen zu wollen. Ferner heißt es an einer ändern Stelle in
derselben Art zu reden; „Lasset nach, und es wird euch nachgelassen
werden"32). Und da Petrus fragte, ob man dem
Bruder siebenmal nachlassen müsse, antwortete Christus: „Nein, siebzigmal siebenmal"33), um dadurch das Gesetz, daß
in der Genesis für Kain siebenmal, für Lamech aber siebzigmal siebenmal Rache
angerechnet wurde34), zu verbessern und zu reformieren.