8. Damit ein so leicht faßliches Gebet vollständig
sei, wird noch hinzugefügt, daß wir nicht bloß um Nachlassung der Sünden,
sondern auch um deren gänzliche Abwendung bitten sollen: Führe uns nicht in
Versuchung, d. h. laß uns nicht darein geführt werden, natürlich durch den, der
da versucht. Fern sei
der Schein, als versuche der
Herr! Das wäre, als wenn er den Glauben eines jeden nicht kennte oder sich
freute, ihn zum falle zu bringen; Schwäche und Bosheit ist Sache des Teufels.
Denn auch dem Abraham war befohlen worden, zu opfern, nicht um seinen Glauben
zu versuchen, sondern um ihn zu bewähren, damit er nämlich als Beleg zu dem
Gebote des Herrn, daß man die Kinder nicht lieber haben solle als Gott, welches
später gegeben werden sollte35), dienen könne. Er selbst hat sich, weil
vom Teufel versucht, als Meister und Lehrer in den Versuchungen gezeigt. Dies
bekräftigt er durch spätere Aussprüche wie: „Betet, damit ihr nicht in
Versuchung fallet"36). Denn die Apostel wurden in die
Versuchung geführt, den Herrn zu verlassen, weil sie mehr dem Schlafe obgelegen
hatten als dem Gebete37). Folglich ist der Schluß
entsprechend, indem er uns erklärt, was es heißen soll: Führe uns nicht in
Versuchung. Es bedeutet nämlich: Sondern entferne uns vom Übel.