- s277 -
3. Indem wir diesen Ausspruch gleichsam
als eine Prozeßeinrede im Auge behalten, beschäftigen wir uns trotzdem doch
noch mit der Frage, wie töricht und unmöglich es sei, durch Wasser
wiederhergestellt zu werden. Warum hat dieser Stoff verdient, zu einem so hohen
Dienste begnadigt zu werden? Man muß, antworte ich, den hohen Wert des
flüssigen Elementes untersuchen. Da steht uns nun aber sehr vieles zu Gebote,
und zwar von Anbeginn an. Das Wasser ist eins von den Dingen, welche vor der
gesamten Ausschmückung der Weit in einer noch uranfänglichen Form bei Gott
ruhten. „Im Anfange", heißt es, „machte Gott den Himmel und die Erde. Die
Erde aber war unsichtbar und ungeordnet, Finsternisse waren über dem Ab-grunde,
und der Geist Gottes schwebte über den Wassern"2), Da hast du nun, o Mensch,
vorerst das Alter des Wassers zu verehren; denn es ist eine alte Substanz;
sodann seine hohe Bestimmung, weil es der Sitz des Geistes und folglich ihm
wohlgefälliger war als die übrigen Elemente. Denn die Finsternis war noch ganz
gestaltlos, ohne den Schmuck der Gestirne, der Ab-grund traurig, die Erde
unfertig und der Himmel unvollendet; das Flüssige dagegen allzeit eine vollendete
Materie. Heiter, einfach und durch sich rein, bot es sich Gott als ein würdiges
Fahrzeug dar. Und wie, wenn bei der darnach folgenden geordneten Einrichtung
der Welt die Gewässer sich Gott gewissermaßen als normgebend darstellten? Denn
die Befestigung des Firmamentes des Himmels in der Mitte bewirkte er durch
Teilung der Gewässer; die Befestigung des trockenen Landes vollendete er durch
Trennung der Gewässer. Ais-später der nach Elementen geordnete Erdkreis - s278 -
Bewohner erhielt, wurde zuerst
dem Wasser befohlen, Tiere hervorzubringen. Die ersten lebenden Wesen brachte
das flüssige Element hervor, damit es nichts Auffälliges habe, wenn in der
Taufe das Wasser zu beleben vermag. Ist denn nicht sogar auch das Werk der
Bildung des Menschen nur unter Hinzunahme des Wassers beendet worden? Von der
Erde kam der Stoff, der jedoch nur, wenn naß und angefeuchtet, geeignet war, so
nämlich, wie er durch die erst vor vier Tagen an ihren Ort abgesonderten
Gewässer mit der von ihnen zurückgebliebenen Feuchtigkeit etwas mit
Schlamm1) versetzt war. Wenn ich nach der Reihe alles oder auch
nur einiges davon verfolgen wollte, was ich über das hohe Ansehen jenes
Elementes zu sagen weiß, was für eine große Wirksamkeit und Gnade es hat, zu
wie vielen Künsten, zu wie vielen Diensten es gebraucht wird, welche Hilfe es
der Welt leistet, -- dann müßte ich fürchten, mehr eine Lobrede auf das Wasser
als eine Rechtfertigung der Taufe zu schreiben, wenngleich ich dadurch um so
vollständiger zeigen würde, wie grundlos es ist, daran zu zweifeln, ob Gott der
Materie, welche er zu allen Dingen und bei allen seinen Werken verwendete, auch
im Bereich seiner heiligen Geheimnisse eine zeugende Kraft verliehen habe, und
ob das, was das irdische Leben regiert, auch im himmlischen Nutzen schaffe.
|