- s294 -
17. Um diesen kleinen Gegenstand
abzuschließen, ist nur noch über die Regeln bei Erteilung und Empfang der Taufe
eine Erinnerung hinzuzufügen. Sie zu erteilen hat das Recht der oberste
Priester, welches der Bischof ist, danach die Priester und Diakonen, jedoch
nicht ohne Vollmacht vom Bischof wegen der der Kirche schuldigen Ehrerbietung,
bei deren Beobachtung der Friede bewahrt bleibt. In anderen Fällen haben auch
die Laien das Recht dazu -- denn was bloß aus Billigkeitsgründen2) empfangen wird, kann in
gleicher Weise gegeben werden, -- es müßte denn etwa3) sein, lernende Brüder
wollten sich Bischöfe, Priester oder Diakonen nennen lassen4). Das Wort des Herrn darf vor
niemand verborgen werden; ebenso kann auch die Taufe, in gleicher Weise5) der Anfang des Göttlichen,
von allen ausgespendet werden. Aber da sogar den obern die Zucht der
Ehrerbietung und Bescheidenheit obliegt, so ist es um so mehr Pflicht für die
Laien, damit sie sich nicht das dem Bischof zugewiesene Amt anmaßen. Die - s295 -
Feindschaft gegen den Episkopat
ist die Mutter der Spaltungen, Alles, sagt der heilige Apostel, sei erlaubt,
aber nicht alles bringe Nutzen1). Es möge dir genug sein,
dich dessen in Notfällen zu bedienen, wenn irgendwo die Beschaffenheit des
Ortes, der Zeit oder der Person dazu Anlaß gibt. Dann nämlich ist die
Entschlossenheit des zu Hilfe Eilenden willkommen, wenn die Lage eines
gefährdeten Menschen drohend ist. Man würde am Untergange eines Menschen schuld
sein, wenn man es versäumte, das zu gewähren, was man frei gewähren darf. Der
tolle Übermut von Weibern aber, der sich vermessen hat, lehren zu wollen, wird
sich hoffentlich nicht auch das Recht zu taufen aneignen, außer wenn etwa eine
neue Bestie ähnlich der früheren auftreten sollte, so daß, wie jene die Taufe
vernichtete, nun einmal irgend eine sie aus sich erteilen würde. Wenn sie die
Schriften, welche verkehrterweise für Schriften Pauli gelten, und das Beispiel
der Thekla zugunsten der Statthaftigkeit des Lehrens und Taufens durch Weiber
vorschützen, so mögen sie wissen, daß jener Priester in Asien, welcher die
genannte Schrift gefertigt hat und so den Ruhm des Paulus gleichsam durch
seinen eigenen vervollständigte, seiner Stelle entsetzt worden ist, nachdem er
überführt war und gestanden hatte, es aus Liebe zu Paulus getan zu haben. Wie
wahrscheinlich wäre es wohl, daß der, welcher dem Weibe beharrlich die
Erlaubnis zu lehren verweigert hat, ihm die Macht, zu lehren und zu taufen,
sollte eingeräumt haben? „Sie sollen schweigen", drückte er sich aus, „und
zu Hause ihre Ehemänner befragen"2).
|