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I. Eine beständige Lehre
Die Kongregation
für die Glaubenslehre hält es nach Anhören des Päpstlichen
Rates für die Laien für angemessen, die vorliegende Note zu einigen
Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen
Leben zu veröffentlichen. Die Note richtet sich an die Bischöfe der
katholischen Kirche und in besonderer Weise an die katholischen Politiker sowie
an alle gläubigen Laien, die zur Teilnahme am öffentlichen und
politischen Leben in den demokratischen Gesellschaften berufen sind.
1. Der Einsatz des Christen in der Welt hat in der
2000-jährigen Geschichte verschiedene Ausdrucksweisen und Wege gefunden.
Einer davon ist die aktive Teilnahme in der Politik.
Die Christen, so schrieb ein kirchlicher Schriftsteller der ersten
Jahrhunderte, "nehmen am öffentlichen Leben teil wie
Bürger"1. Die Kirche
verehrt unter ihren Heiligen zahlreiche Männer und Frauen, die Gott durch
ihren großzügigen Einsatz in politischen Ämtern und in
Regierungsverantwortung gedient haben. Unter ihnen ist der heilige Thomas
Morus, der zum Patron der Regierenden und der Politiker ausgerufen wurde und
der bis zum Martyrium "von der unantastbaren Würde des
Gewissens" Zeugnis abzulegen wusste2.
Obgleich er verschiedenen Formen von psychologischem Druck ausgesetzt war, wies
er jeglichen Kompromiss zurück. Ohne die "beständige Treue zur
Autorität und zu den rechtmäßigen Institutionen"
aufzugeben, die ihn auszeichnete, bestätigte er mit seinem Leben und mit
seinem Tod, dass sich "der Mensch nicht von Gott und die Politik nicht von
der Moral trennen kann"3.
Die
gegenwärtigen demokratischen Gesellschaften, in denen lobenswerterweise
alle an der Gestaltung des Gemeinwesens in einem Klima wahrer Freiheit
teilhaben4, fordern neue und weitgehendere
Formen der Beteiligung der Bürger - Christen wie Nichtchristen - am
öffentlichen Leben. In der Tat können alle durch ihre Stimme zur Wahl
der Gesetzgeber und der Regierung und, auch auf andere Weisen, zur Bildung der
politischen Einstellungen und der gesetzlichen Entscheidungen beitragen, die
ihrer Ansicht nach am besten dem Gemeinwohl dienen5.
Das Leben in einem demokratischen System könnte sich nicht gut entfalten
ohne die aktive, verantwortliche und großzügige Beteiligung aller,
"wenn auch in verschiedenartigen, komplementären Formen, Ebenen,
Aufgaben und Verantwortungen"6.
Indem
die gläubigen Laien – "geführt vom christlichen Gewissen"7 und im Einklang mit den damit
übereinstimmenden Werten - die allgemeinen politischen Pflichten
erfüllen, üben sie auch die ihnen eigene Aufgabe aus, die zeitliche
Ordnung christlich zu beseelen. Dabei haben sie das Wesen und die legitime
Autonomie der zeitlichen Ordnung zu respektieren8
und mit den anderen Bürgern gemäß ihrer spezifischen Kompetenz
und in eigener Verantwortung zusammenzuarbeiten9.
In Folge dieser grundlegenden Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils
"können die Laien nicht darauf verzichten, sich in die 'Politik'
einzuschalten, das heißt in die vielfältigen und verschiedenen
Initiativen auf wirtschaftlicher, sozialer, gesetzgebender,
verwaltungsmäßiger und kultureller Ebene, die der organischen und
institutionellen Förderung des Gemeinwohls dienen"10.
Dies beinhaltet die Förderung und Verteidigung von Gütern wie
öffentliche Ordnung und Frieden, Freiheit und Gleichheit, Achtung des
menschlichen Lebens und der Umwelt, Gerechtigkeit, Solidarität, usw.
Die
vorliegende Note beansprucht nicht, die gesamte Lehre der Kirche zu
diesem Thema vorzulegen, die in ihren wesentlichen Linien im Katechismus der
Katholischen Kirche zusammengefasst ist. Sie möchte nur einige dem
christlichen Gewissen eigene Prinzipien in Erinnerung rufen, die den sozialen
und politischen Einsatz der Katholiken in den demokratischen Gesellschaften inspirieren11. Bei den sich oft
überstürzenden Ereignissen der letzten Zeit traten nämlich
zweideutige Auffassungen und bedenkliche Positionen zu Tage, so dass eine
Klärung wichtiger Aspekte und Dimensionen dieses Themas angebracht
erscheint.
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