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IV. Erwägungen
über Teilaspekte
7. In
jüngerer Zeit ist es gelegentlich vorgekommen, dass - auch innerhalb
einiger Vereinigungen und Organisationen katholischer Prägung - Positionen
zu Gunsten politischer Kräfte und Bewegungen vertreten wurden, die in
grundlegenden ethischen Fragen von der Moral- und Soziallehre der Kirche
abweichen. Solche Einstellungen und Verhaltensweisen widersprechen grundlegenden
Prinzipien des christlichen Gewissens und sind nicht
mit der Zugehörigkeit zu Vereinigungen und Organisationen vereinbar, die
sich katholisch nennen. In analoger Weise ist zu sagen, dass einige katholische
Zeitschriften in gewissen Ländern die Leser bei politischen Wahlen in
zweideutiger und unangemessener Weise orientiert, irrige Auffassungen über
den Sinn der Autonomie der Katholiken in der Politik verbreitet und die oben
erwähnten Prinzipien nicht in Betracht gezogen haben.
Der
Glaube an Jesus Christus, der sich selbst "der Weg und die Wahrheit und
das Leben" (Joh 14,6) genannt hat, verlangt von den Christen, dass sie mit
vermehrtem Einsatz den Aufbau einer Kultur vorantreiben, die, ausgerichtet am
Evangelium, den Reichtum der Werte und Inhalte der katholischen Tradition neu
darlegt. Die Frucht des geistlichen, intellektuellen und moralischen Erbes des
Katholizismus in modernen kulturellen Ausdrucksweisen vorzutragen, ist heute
notwendig und drängend und darf nicht aufgeschoben werden, auch um die Gefahr
einer kulturellen Diaspora der Katholiken zu vermeiden. Wegen der errungenen
kulturellen Stärke und der reichen Erfahrung an politischem Engagement,
die die Katholiken in verschiedenen Ländern vor allem in den Jahrzehnten
nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben, gibt es keinen Grund für sie,
Minderwertigkeitskomplexe gegenüber anderen Auffassungen zu haben, die die
jüngste Geschichte als schwach oder als totalen Fehlschlag entlarvt hat.
Die Meinung, man könne das soziale Engagement der Katholiken auf
bloße Strukturveränderungen beschränken, ist
unzureichend und verkürzend. Wenn nämlich an der Basis keine Kultur
steht, die fähig ist, die vom Glauben und von der Moral kommenden
Ansprüche aufzunehmen, zu rechtfertigen und weiterzutragen, werden
Veränderungen immer auf schwachen Fundamenten ruhen.
Der Glaube hat nie beansprucht, die sozialpolitischen Inhalte in ein
strenges Schema zu zwängen. Man war sich
immer bewusst, dass die Geschichte, in der der Mensch lebt, unvollkommene
Situationen und oft rasche Veränderungen mit sich bringt. In dieser
Hinsicht müssen jene politischen Positionen und Verhaltensweisen
zurückgewiesen werden, die einer utopischen Vision folgen, welche die
Tradition des biblischen Glaubens in eine Art Prophetismus ohne Gott verdreht,
die religiöse Botschaft instrumentalisiert und das Gewissen auf eine
bloß irdische Hoffnung ausrichtet, welche die christliche Spannung auf
das ewigen Leben hin aufhebt oder entstellt.
Zugleich
lehrt die Kirche, dass es ohne die Wahrheit keine wahre Freiheit gibt.
"Wahrheit und Freiheit verbinden sich entweder miteinander oder sie gehen
gemeinsam elend zugrunde"27,
hat Johannes Paul II. geschrieben. In einer
Gesellschaft, in der man die Wahrheit nicht verkündet und nicht danach
strebt, sie zu erlangen, wird auch jede Form echter Freiheitsausübung
beseitigt und der Weg zu einem Libertinismus und Individualismus eröffnet,
der dem Wohl der Person und der ganzen Gesellschaft schadet.
8. In
diesem Zusammenhang ist es gut, an eine Wahrheit zu erinnern, die in der
öffentlichen Meinung heute nicht immer richtig verstanden und formuliert
wird: Das Recht auf Gewissensfreiheit und besonders auf Religionsfreiheit, das
von der Erklärung Dignitatis humanae des Zweiten Vatikanischen
Konzils verkündet wurde, stützt sich auf die ontologische Würde
der menschlichen Person, und keineswegs auf eine Gleichheit der Religionen und
kulturellen Systeme, die es nicht gibt28. In diesem Sinn hat Papst Paul
VI. bekräftigt, dass "das Konzil dieses Recht auf Religionsfreiheit
in keiner Weise auf die Tatsache gründet, dass alle Religionen und alle
Lehren, auch die irrigen, einen mehr oder weniger gleichen Wert hätten; es
gründet dieses Recht vielmehr auf die Würde der menschlichen Person,
die verlangt, dass man sie nicht äußeren Zwängen unterwirft,
die das Gewissen bei der Suche nach der wahren Religion und ihrer Annahme zu
unterdrücken drohen"29.
Die Bekräftigung der Gewissens- und Religionsfreiheit widerspricht deshalb
nicht der Verurteilung des Indifferentismus und des religiösen
Relativismus durch die katholische Lehre30, sondern stimmt ganz damit
überein.
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