- s139/485 -
38. Demgemäß hätte man auch nicht in etwas
- s140/486 -
milderer Beurteilung diese Genossenschaft zu den
unerlaubten Verbindungen224) rechnen sollen, welche nichts von
jenen Dingen begeht, hinsichtlich deren man durch das Verbot von Verbindungen
Vorsorge trifft. Denn, wenn ich nicht sehr irre, so beruht die Ursache des
Verbots der Parteiverbindungen in der Fürsorge für die öffentliche Loyalität,
damit nicht die Bürgerschaft in Parteiungen zerrissen werde, insofern sie
leicht die Komitien, die berufenen Versammlungen, die Kurien, die
Volksversammlungen und sogar die Schauspiele durch den Kampf eifersüchtiger
Bestrebungen beunruhigen könnten, zumal wenn sie schon die feilen und
käuflichen Leistungen ihrer Gewalttätigkeiten als einen Erwerbszweig zu
betrachten begonnen haben. Wir hingegen, die wir von dem Feuer der Ruhm- und
Ehrsucht durchaus nichts empfinden, wir haben auch kein Bedürfnis einer
Parteistiftung, und es ist uns nichts fremder als die Politik. Wir erkennen nur
ein einziges Gemeinwesen für alle an, die Welt. Und sogar euren Schauspielen
entsagen wir in demselben Maße, wie den Ursprüngen derselben, welche wir aus
dem Aberglauben entnommen wissen, da wir auch den Dingen ganz fern stehen,
wodurch sie sich vollziehen. Unsere Zunge, unser Auge, unser Ohr hat keine
Beziehung zum Wahnsinn des Zirkus, zur Schamlosigkeit des Theaters, zu den
Gräßlichkeiten der Arena, zu den Eitelkeiten der Fechthalle. War es doch auch
den Epikuräern erlaubt, eine andere Lehre darüber aufzustellen, worin die wahre
Lust bestehe, nämlich in der Ruhe des Gemütes225). Wodurch - s141/487 -
denn in
aller Welt beleidigen wir euch, wenn wir uns andere Vergnügungen auswählen?
Wenn wir zuletzt226) nicht amüsiert sein wollen, so ist
der etwaige Schaden unser, nicht euer. Aber wir strafen das, woran ihr Gefallen
findet, mit Verachtung! -- Ihr findet ja auch an dem unserigen keinen Gefallen.
|