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50. „Nun denn", heißt es da, „wenn
ihr also leiden wollt, warum beklagt ihr euch denn darüber, daß wir euch
verfolgen, da ihr doch vielmehr diejenigen lieben müßtet, durch welche euch das
begehrte Leiden zuteil - s178/524 -
wird?" Allerdings, wir wollen das
Leiden, aber in der Weise, wie man auch den Krieg auf sich nimmt319). Keiner nimmt ihn gern auf
sich, da er notwendig auch Unruhe und Gefahr im Gefolge hat. Dennoch wird der
Kampf mit aller Kraft geführt und, wer sich über den Kampf beklagte, freut
sich, wenn er im Kampfe siegt, weil ihm Ruhm und Beute zuteil wird. Ein Kampf
ist es für uns, wenn wir vor die Schranken des Gerichts gerufen werden, um
dort, unser Leben in die Wagschale werfend, für die Wahrheit zu streiten.
Siegen aber heißt, das erlangen, wofür man gestritten hat. Dieser Sieg trägt
als Ruhm das Wohlgefallen Gottes heim und als Beute das ewige Leben.
Aber, wir werden niedergemacht! -- Dann, wenn wir sie (die Beute) sicher im
Besitz haben. Also siegen wir, wenn wir niedergemacht werden320); kurz, wir - s179/525 -
entrinnen,
wenn wir vorgeführt werden321). Möget ihr uns immerhin Sarmentitier
und Semiaxier titulieren, weil wir an einen aus einem halben Wellbaume
bestehenden Pfahl angebunden, rings mit Reisigbündeln umgeben, verbrannt
werden. Das ist unser Siegesaufzug, dies ist unser Siegeskleid, auf solchem
Wagen triumphieren wir. Mit Recht gefallen wir also den Besiegten nicht, mit
Recht hält man uns für aufgegebene und verlorene Leute322), Allein ein solches
Sichaufgeben und Verlorensein für den Ruhm und die Ehre hebt ja auch bei euch
hoch empor die Standarte der Tugend.
Mucius ließ bereitwillig seine rechte Hand im Altarfeuer zurück. Welche
Hochherzigkeit! Empedokles opferte seine ganze Person dem Feuerregen des
Ätna323). Welche Geistesstärke! Jene bekannte Gründerin324) von Karthago entrann durch
den Scheiterhaufen einer drohenden zweiten Ehe325). Welche Verherrlichung der
Keuschheit und Züchtigkeitl Regulus duldete, um nicht durch die Erhaltung
seines Lebens vielen Feinden das Leben zu erhalten, am ganzen Leibe
Kreuzespeinen. Welch ein tapferer Mann, Sieger selbst als Gefangener! - s180/526 -
Als Anaxarchus
zum abschreckenden Beispiel326) mit dem Stößer eines Gerstenmörsers
zerstampft wurde, rief er aus: „Stampfe, stampfe nur die Hülse des Anaxarchus;
denn den Anaxarchus stampfest du nicht!" Welche Seelengröße des
Philosophen, der über einen solchen Tod noch scherzte!
Ich übergehe die, welche sich mit Hilfe ihres eigenen Schwertes oder durch
eine andere sanftere Todesart des Nachruhmes versicherten. Denn siehe da, auch
der Kampf gegen Folterqualen findet bei euch seine Krone! Eine Buhlerin zu Athen
spie, als der Folterknecht schon müde war, zuletzt dem rasenden
Tyrannen327) ihre zerkaute Zunge ins Gesicht, um damit auch ihre
Stimme von sich zu werfen, damit sie nicht die Mitverschworenen angeben könne,
selbst wenn sie es, etwa überwunden, wollen würde. Zeno, der Eleat, von
Dionysius befragt, was die Philosophie denn gewähre, antwortete: „Verachtung
des Todes; die Apathie"328) und - s181/527 -
besiegelte, den Geißelhieben
des Tyrannen preisgegeben, seinen Ausspruch mit dem Tode. Bekannt ist, daß bei
den Lazedämoniern Geißelstreiche, die unter den Augen der sogar noch
aufmunternden Verwandten verschärft werden, der Familie ebensoviel Lob der
Ausdauer einbringen, als sie Blut kosteten.
O, ein Ruhm, der erlaubt ist, weil er ein menschlicher ist329), ein Ruhm, dem, wenn er den
Tod und jegliche Grausamkeit verachtet, weder eine sich verloren gebende
Verwegenheit noch eine an allem verzweifelnde Gesinnung als Beweggrund
untergeschoben wird, dem vielmehr für das Vaterland, für die heimatliche
Scholle, für das Reich und für die Freundschaft alles das zu leiden erlaubt
ist, was für Gott zu leiden nicht erlaubt wird330). Und ihr beschließt, den
Genannten Standbilder zu errichten331), ihr grabet ihre Brustbilder
und zeichnet Ehrentitel ein, um sie so zu verewigen. Soviel ihr es durch
Monumente vermöget, verleihet auch ihr den Toten gewissermaßen die
Auferstehung. Wer aber, für Gott leidend, die wirkliche Auferstehung von Gott
erwartet, den haltet ihr für einen Narren.
Aber fahrt nur so fort, treffliche Präsidenten, die ihr beim Pöbel viel
beliebter werdet, wenn ihr ihm Christen opfert; quält, martert, verurteilt uns,
reibt uns auf; eure Ungerechtigkeit ist der Beweis unserer Unschuld! Deswegen
duldet Gott, daß wir solches dulden. Denn noch neulich, als ihr eine Christin
zum Hurenhaus anstatt zur Löwengrube verurteiltet332), habt ihr das Geständnis
abgelegt, daß bei uns eine Verletzung der Schamhaftigkeit für schlimmer gelte
als jede Strafe, als jede Todesart. Und doch, die ausgesuchteste Grausamkeit
von eurer Seite nützt nichts; sie ist eher ein Verbreitungsmittel unserer
Genossenschaft. Wir - s182/528 -
werden jedesmal zahlreicher, so oft
wir von euch niedergemäht werden; ein Same ist das Blut der Christen.
Schmerz und Tod geduldig zu ertragen, dazu fordern viele der Eurigen auf,
Cicero in den Tuskulanen, Seneca in der Schrift: Über die Zufälligkeiten,
Diogenes, Pyrrho, Callinicus; aber ihre Worte finden nicht so viele Schüler,
als die Christen, die durch Taten lehren.
Gerade jener „hartnäckige Trotz", den ihr uns zum Vorwurf macht, ist
ein Lehrer. Denn welcher Mensch fühlt sich nicht, wenn er ihn betrachtet, mit
Gewalt angetrieben, zu untersuchen, was innerlich der Sache zugrunde liegt. Wer
tritt, wenn er untersucht hat, uns nicht bei? Wer wünscht nicht, wenn er
beigetreten ist, zu leiden, um sich die Fülle der Gnade Gottes zu erwerben und
sich von ihm Vergebung aller Schuld durch den Preis seines Blutes zu erkaufen?
Denn um solcher Tat willen werden alle Vergehungen nachgelassen. Das ist der
Grund, warum wir euch sofort für eure Richtersprüche Dank sagen. So beschaffen
ist der Widerstreit zwischen einer göttlichen und menschlichen Sache: von euch
verurteilt werden wir von Gott losgesprochen.
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