- s130/476 -
34. Augustus, der Schöpfer der
Kaiserwürde, wollte nicht einmal „Herr" genannt werden. Das ist nämlich - s131/477 -
auch ein
Beiname Gottes. Ich werde allerdings den Kaiser Herr nennen, aber nicht, wenn
ich gezwungen werde, ihn an Gottes Stelle Herr zu nennen201). Übrigens bin ich ihm
gegenüber ein Freier. Denn mein Herr ist nur" einer, der allmächtige und
ewige Gott, derselbe, der auch der seinige ist. Und wer der Vater des
Vaterlandes ist, wie kann der Herr sein? Aber auch wohltuender ist der das
Kindesverhältnis bezeichnende Titel als der vom Machtverhältnis hergenommene;
auch die Häupter der Familien nennt man lieber Väter als Herren. Um so weniger
darf der Kaiser Gott genannt werden in einer Schmeichelei, die ihm nicht bloß
schweren Schimpf antut, sondern auch Unheil wünscht, was man doch nicht als
beabsichtigt annehmen kann202). Wenn man schon einen Kaiser hätte
und trotzdem noch jemand anders so titulieren wollte, würde man da nicht dem,
den man schon hat, eine sehr große, nicht wieder gut zu machende Beleidigung
zufügen, die auch dem so Titulierten Besorgnis verursachen müßte?203) Diene also mit religiöser
Ehrfurcht Gott, wenn du willst, daß Gott dem Kaiser gnädig sei. Höre auf, an
einen ändern Gott zu glauben204), und auf diese Weise den Gott zu
nennen, der Gott nötig hat. Wenn diese Art Schmeichelei, die einen Menschen als
Gott anredet, nicht über ihre innere Unwahrheit errötet, so möge sie wenigstens
in Furcht sein wegen des zugewünschten Unheils. Es ist eine Verwünschung, den
Kaiser vor seiner Apotheose Gott zu nennen205).
|