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Kongregation für den Klerus
Priester, Hirte und Leiter der Pfarrgemeinde

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  • TEIL 1 Gemeinsames Priestertum und Weihepriestertum
    • 1. Erhebt eure Augen (Joh 4,35)
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TEIL 1

Gemeinsames Priestertum und Weihepriestertum

1. Erhebt eure Augen (Joh 4,35)

1. „Seht, ich sage euch: Erhebt eure Augen und betrachtet die Felder; sie sind weiß zur Ernte“ (Joh 4,35). Diese Worte des Herrn besitzen die Fähigkeit, den unermeßlichen Horizont der Mission der Liebe des fleischgewordenen Wortes zu zeigen. „Der ewige Sohn Gottes wurde gesandt, damit ‚die Welt durch ihn gerettet wird‘ (Joh 3,17), und seine ganze irdische Existenz, in völliger Übereinstimmung mit dem Heilswillen des Vaters, ist eine ständige Kundgebung jenes göttlichen Willens, daß alle gerettet werden, daß alle vom Heil, das der Vater von Ewigkeit her wollte, erreicht werden. Diesen geschichtlichen Plan überläßt er in Obhut und als Erbe der ganzen Kirche und auf besondere Weise, in ihrem Inneren, den geistlichen Amtsträgern. Wahrlich groß ist das Geheimnis, dessen Diener wir geworden sind: Geheimnis einer grenzenlosen Liebe, dennda er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung‘ (Joh 13,1)“ [1]. 

Vom Charakter und von der Gnade des Weihesakraments befähigt und zu Zeugen und Diener der göttlichen Barmherzigkeit geworden, haben sich die Priester, Diener Jesu Christi, freiwillig verpflichtet, allen in der Kirche zu dienen. In welchem sozialen und kulturellen Umfeld auch immer, in allen geschichtlichen Umständen, auch in den heutigen, in denen man sich des drückenden Klimas des Säkularismus und Konsumismus, das den christlichen Sinn im Bewußtsein vieler Gläubigen verflacht, gewahr wird, sind sich die Diener des Herrn bewußt, daß „das der Sieg ist, der die Welt besiegt hat: unser Glaube“ (1 Joh 5,4). Die heutigen sozialen Umstände nun bilden eine günstige Gelegenheit, um die Aufmerksamkeit auf die siegende Kraft des Glaubens und der Liebe in Christus zurückzulenken und daran zu erinnern, daß trotz der Schwierigkeiten und der „Gleichgültigkeit“ die Christgläubigen – so wie auf andere Weise auch viele nicht Glaubende – auf die aktive pastorale Verfügbarkeit der Priester viel zählen. Die Menschen wünschen, im Priester den Mann Gottes zu finden, der mit dem heiligen Augustinus sagen soll: „Unser Wissen ist Christus, und unsere Weisheit ist wieder Christus. Er ist es, der in uns den Glauben hinsichtlich der zeitlichen Dinge eingießt, und er ist es, der uns jene Wahrheiten offenbart, die die ewigen Dinge betreffen[2]. Wir stehen in einer Zeit der Neuevangelisierung: wir müssen es verstehen, die Personen suchen zu gehen, die auch darauf warten, Christus begegnen zu können

2. Im Weihesakrament hat Christus in verschiedenen Stufen den Bischöfen und Priestern die eigene Eigenschaft als Hirte der Seelen übertragen, indem er sie fähig macht, in seinem Namen zu handeln und seine Vollmacht als Haupt in der Kirche zu repräsentieren. „Die tiefe Einheit dieses neuen Volkes schließt nicht aus, daß es darin untereinander verschiedene und einander ergänzende Aufgaben gibt. So stehen diejenigen mit den ersten Aposteln in einer besonderen Verbindung, die dazu bestellt wurden, in persona Christi die Handlung zu erneuern, die Jesus beim Letzten Abendmahl mit der Einsetzung des eucharistischen Opfers als ‚Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens‘ (Lumen Gentium, 11) vollzogen hat. Der sakramentale Charakter, der sie kraft der empfangenen Weihe auszeichnet, sorgt dafür, daß ihr Dasein und ihr Dienst einzigartig, notwendig und unersetzlich sind“ [3]. Die Gegenwart des geistlichen Amtsträgers ist eine wesentliche Bedingung des Lebens, und nicht bloß der guten Organisation, der Kirche

3. Duc in altum! [4] Jeder Christ, der in seinem Herzen das Licht des Glaubens verspürt und in dem Rhythmus voranschreiten will, der vom Heiligen Vater vorgegeben wird, muß danach trachten, diesen dringenden, entschieden missionarischen Anruf in Taten umzusetzen. Besonders die Hirten der Kirche, von deren übernatürlichen Feinfühligkeit die Möglichkeit abhängt, die Wege zu verstehen, auf welchen Gott sein Volk führen will, müßten wissen, diesen Anruf aufzugreifen und mit zuvorkommender Bereitschaft in die Praxis umzusetzen. „Duc in altum! Der Herr fordert uns auf, seinem Wort zu trauen und wieder auf den See hinauszufahren. Beherzigen wir die Erfahrung des Jubiläumsjahres und setzen wir das engagierte Zeugnis für das Evangelium mit der Begeisterung fort, die in uns die Betrachtung des Antlitzes Christi weckt!“ [5].

4. Es scheint wichtig zu erinnern, wie die Grundperspektiven, die der Heilige Vater am Ende des Großen Jubiläums 2000 festsetzte, von ihm verstanden und dargelegt wurden, um von den Teilkirchen verwirklicht zu werden, die vom Papst aufgerufen wurden, die während des Jubeljahres empfangene Gnade in „eifrige Vorsätze und konkrete Maßstäbe zum Handeln[6] umzusetzen. Diese Gnade verlangt nach dem Evangelisierungsauftrag der Kirche, für welchen die persönliche Heiligkeit der Hirten und der Gläubigen sowie eine eifrige apostolische Gesinnung aller Seiten dringend notwendig sind – in der Besonderheit der eigenen Berufungen, im Dienst der eigenen Verantwortungen und der eigenen Pflichten, im Bewußtsein, daß das ewige Heil vieler Menschen von der Treue, Christus in Wort und Leben zu bezeugen, abhängt. Es tritt die Dringlichkeit hervor, dem priesterlichen Dienst in der Teilkirche, namentlich in der Pfarre, größeren Schwung zu geben – und zwar auf der Grundlage eines authentischen Verständnisses des Dienstes und Lebens des Priesters.

Wir Priesterwurden in der Kirche für dieses besondere Amt geweiht. Wir sind auf unterschiedliche Weise berufen, dort, wo die Vorsehung uns hinstellt, zur Bildung der Gemeinschaft des Gottesvolkes beizutragen. Unsere Aufgabe (…) besteht darin, die uns anvertraute Herde Gottes zu weiden, nicht durch Zwang, sondern freiwillig, nicht als Beherrscher, sondern durch ein vorbildliches Zeugnis (vgl. 1 Petr 5,2-3) (…). Das ist für uns der Weg der Heiligkeit (…). Das ist unser Auftrag des Dienstes am christlichen Volk[7].

 




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