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4. Die positiven
Herausforderungen der Gegenwart in der Pfarrseelsorge
27. Wenn die ganze
Kirche zu Beginn des neuen Jahrtausends eingeladen wurde, „einen neuen
Aufschwung im christlichen Leben“ zu nehmen, der auf dem Bewußtsein der
Gegenwart des Auferstandenen unter uns beruht [126], müssen wir es verstehen, die
Schlußfolgerungen für die Seelsorge in den Pfarren zu ziehen.
Es geht nicht darum,
neue Pastoralprogramme zu erfinden, da das christliche Programm, das in
Christus selbst sein Mitte hat, immer lautet: ihn kennenlernen, lieben und
nachahmen, in ihm das Leben des dreifaltigen Gottes leben und mit ihm die
Geschichte verändern bis zu ihrer Vollendung: „Das Programm ändert
sich nicht mit dem Wechsel der Zeiten und der Kulturen, auch wenn es für
einen echten Dialog und eine wirksame Kommunikation die Zeit und die Kultur
berücksichtigt“ [127].
Im weiten wie auch
ernsthaften Horizont der gewöhnlichen Seelsorge heißt das: „In den
Ortskirchen kann man jene konkreten programmatischen Züge festschreiben,
die es der Verkündigung Jesu Christi erlauben, die Personen zu erreichen,
die Gemeinschaften zu formen und durch das Zeugnis von den Werten des
Evangeliums in die Gesellschaft und die Kultur tief einzuwirken. Zu diesen
programmatischen Zügen gehören Arbeitsziele und –methoden, Ausbildung
und Förderung der Mitarbeiter sowie die Suche der notwendigen Mittel“ [128]. Dies sind die Horizonte des „begeisternden Werkes
der pastoralen Wiederbelebung, das uns erwartet“ [129].
Die Gläubigen auf
der Grundlage der Prinzipien der christlichen Lehre, wie sie von den Heiligen
gelebt und gelehrt wurden, zu einem festen geistlichen Leben hinzuführen,
ist die weitaus bedeutendere und grundlegendere Hirtenarbeit. In den
Pastoralplänen ist es eben dieser Aspekt, der bevorzugt werden
müßte. Heute mehr denn je muß man wieder entdecken, daß
das Gebet, das sakramentale Leben, die Meditation, die stille Anbetung, das
vertraute Gespräch mit unserem Herrn, die tägliche Übung der
Tugenden, die uns ihm gleichgestalten, viel produktiver sind als jede
Diskussion und schließlich die Bedingung für ihre Wirksamkeit sind.
Sieben sind die
pastoralen Prioritäten, die das Schreiben Novo Millennio Ineunte, aufgezeigt hat: die Heiligkeit,
das Gebet, die sonntägliche Eucharistiefeier, das Sakrament der Versöhnung,
der Vorrang der Gnade, das Hören des Wortes und die Verkündigung des
Wortes [130]. Diese Prioritäten, die besonders durch die
Erfahrung des Großen Jubiläums zu Tage getreten sind, bieten nicht
nur den Inhalt und die Substanz der Fragen, welche die Pfarrer und alle
Priester, die von der cura animarum in den Pfarren betroffen sind, mit
Aufmerksamkeit meditieren müssen, sondern fassen auch den Geist zusammen,
mit dem dieses Werk der pastoralen Wiederbelebung in Angriff genommen werden
muß.
Das Schreiben Novo Millennio Ineunte zeigt auch „einen anderen
großen Bereich“ auf, „wo sich ein entschlossenes Engagement für die
Planung auf der Ebene der Gesamtkirche und der Teilkirchen ausdrücken
muß: die Gemeinschaft (koinonìa), die das eigentliche Wesen des
Geheimnisses der Kirche verkörpert und deutlich macht“ (Nr. 42) und
lädt ein, eine Spiritualität der Gemeinschaft zu fördern. „Die
Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft zu machen, darin liegt die
große Herausforderung, die in dem beginnenden Jahrtausend vor uns steht,
wenn wir dem Plan Gottes treu sein und auch den tiefgreifenden Erwartungen der
Welt entsprechen wollen“ (Nr. 43). Darüber hinaus führt das Schreiben
weiter aus: „Vor der Planung konkreter Initiativen gilt es, eine
Spiritualität der Gemeinschaft zu fördern, indem man sie überall
dort als Erziehungsprinzip herausstellt, wo man den Menschen und Christen
formt, wo man die geweihten Amtsträger, die Ordensleute und die
Mitarbeiter in der Seelsorge ausbildet, wo man die Familien und Gemeinden
aufbaut“ (Nr. 43).
Eine wahre Pastoral der
Heiligkeit in unseren Pfarrgemeinden schließt eine authentische
Pädagogik der Gebetes mit ein, eine erneuerte, überzeugende und
wirksame Katechese über die Bedeutung der sonntäglichen und auch
täglichen Eucharistiefeier sowie der gemeinschaftlichen wie
persönlichen Anbetung des Allerheiligsten, über die häufige und
individuelle Praxis des Sakraments der Versöhnung, über die
geistliche Leitung, über die Marienfrömmigkeit, über die
Nachahmung der Heiligen, einen neuen apostolischen Schwung, der als täglicher
Einsatz der Gemeinschaft und der einzelnen gelebt wird, eine entsprechende
Familienpastoral, ein kohärentes soziales und politisches Engagement.
Eine solche Pastoral ist
nicht möglich, wenn sie nicht von Priestern inspiriert, unterstützt
und wiederbelebt wird, die mit demselben Geist ausgestattet sind. „Vom Beispiel
und Zeugnis des Priesters können die Gläubigen großen Nutzen
ziehen (…), indem sie die Pfarre als ‚Schule‘ des Gebetes entdecken, wo die
Begegnung mit Christus nicht nur im Flehen um Hilfe Ausdruck findet, sondern
auch in Danksagung, Lob, Anbetung, Betrachtung, Zuhören, Leidenschaft der
Gefühle bis hin zu einem wahren Sichverlieben des Herzens“ [131]. „(…) wehe, wenn wir vergessen, daß wir ‚ohne
Christus nichts vollbringen können‘ (vgl. Joh 15,5). Das Gebet
läßt uns genau in dieser Wahrheit leben. Es erinnert uns
beständig an den Primat Christi und im Verhältnis zu ihm an den Primat
des inneren Lebens und der Heiligkeit. Wann immer diese Prinzip nicht
eingehalten wird, (…) dann machen wir die Erfahrung, die den Jüngern beim
wunderbaren Fischfang zuteil wurde. Das Evangelium berichtet von dieser
Episode: ‚Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen‘ (Lk 5,5).
Das ist der Augenblick des Glaubens, des Gebets, des Dialogs mit Gott, um das
Herz dem Strom der Gnade zu öffnen und dem Wort Christi zu gestatten, uns
mit aller Kraft zu durchdringen: Duc in altum!“ [132].
Ohne wirklich heilige
Priester wäre es sehr schwierig, gute Laien zu haben, und alles wäre
wie ausgelöscht; wie es auch ohne christliche Familien – den Hauskirchen –
sehr schwierig ist, daß der Frühling der Berufungen Einzug
hält. Mann irrt daher, wenn man das Weihepriestertum vernachlässigt,
um den Laienstand mit Nachdruck hervorzuheben, denn dadurch gelangt man dazu,
dem Laienstand selbst Schaden zuzufügen und die ganze Sendung der Kirche
unfruchtbar zu machen.
28. Die Perspektive, in
der sich der Weg und die Grundlage der ganzen pastoralen Planung bewegen
muß, besteht darin zu helfen, in unseren Gemeinden die Universalität
der christlichen Berufung zur Heiligkeit zu entdecken. Man muß daran
erinnern, daß die Seele eines jeden Apostolats in der göttlichen
Vertrautheit wurzelt, in der uneingeschränkten Liebe zu Christus, der
nichts vorgezogen wird, in der Suche nach der Ehre Gottes in allem, im Leben
der christozentrischen Dynamik des marianischen „totus tuus“! Die Pädagogik
der Heiligkeit stellt „die seelsorgliche Planung unter das Zeichen der
Heiligkeit“ [133] und bildet die pastorale Hauptherausforderung im
Kontext der Gegenwart. In der heiligen Kirche sind alle Gläubigen zur
Heiligkeit berufen.
Eine zentrale Aufgabe
der Pädagogik der Heiligkeit besteht also darin, alle zu lehren und
unermüdlich daran zu erinnern, daß die Heiligkeit das Ziel der
Existenz eines jeden Christen bildet. „Daher sind in der Kirche alle,
mögen sie zur Hierarchie gehören oder von ihr geleitet werden, zur
Heiligkeit berufen gemäß dem Apostelwort: ‚Das ist der Wille Gottes,
eure Heiligung‘ (1 Thess 4,3; vgl. Eph 1,4)“ [134]. Dies ist das erste Element, das in der kirchlichen
Katechese pädagogisch entfaltet werden muß, bis das Bewußtsein
der Heiligung der eigenen Existenz zu einer allgemeinen Überzeugung wird.
Die Verkündigung
der Universalität der Berufung zur Heiligkeit erfordert ein
Verständnis der christlichen Existenz als Nachfolge Christi, als
Gleichgestaltung mit Christus; es geht nicht darum, auf äußerliche
Weise ethische Verhaltensformen zu verkörpern, sondern sich
persönlich in das Ereignis der Gnade Christi einbinden zu lassen. Diese
Gleichgestaltung mit Christus ist der Kern der Heiligung und stellt das
spezifische Ziel der christlichen Existenz dar. Um das zu erlangen, bedarf
jeder Christ der Hilfe der Kirche, mater et magistra. Die Pädagogik der
Heiligkeit ist eine sowohl anspruchsvolle wie anziehende Herausforderung
für all diejenigen, die in der Kirche Verantwortung für die Leitung
und Ausbildung tragen.
29. Priorität von
einzigartiger Bedeutung für die Kirche und daher für die Pfarrseelsorge
ist der glühende missionarische Einsatz in der Evangelisierung [135]. „Der Bestand einer ‚christlichen Gesellschaft‘, die
sich, trotz der vielen Schwächen, die das Menschliche immer kennzeichnen,
ausdrücklich an die Werte des Evangeliums hielt, gehört inzwischen
auch in den alten Evangelisierungsgebieten der Vergangenheit an. Heute
muß man sich mutig einer Situation stellen, die im Zusammenhang mit der Globalisierung
und der neuen gegenseitigen Verflechtung von Völkern und Kulturen, die sie
mit sich bringt, immer vielfältiger und anspruchsvoller wird“ [136].
In der Gesellschaft, die
heute durch einen kulturellen, religiösen und ethnischen Pluralismus
gekennzeichnet und teilweise vom Relativismus, Indifferentismus, Irenismus und
Synkretismus charakterisiert ist, scheinen sich manche Christen gleichsam an
eine Art ‚Christentum‘ gewöhnt zu haben, das wirklicher Bezüge zu
Christus und seiner Kirche entbehrt; so tendiert man dazu, den Pastoralplan auf
soziale Thematiken zu reduzieren, die in einer ausschließlich
anthropologischen Perspektive innerhalb eines vagen Verweises auf den Pazifismus
und Universalismus und einer nicht näher bestimmten Bezugnahme auf „Werte“
gesehen werden.
Die Evangelisierung der
heutigen Welt wird sich nur auf der Entdeckung der persönlichen, sozialen
und kulturellen Identität der Christen aufbauen lassen. Das bedeutet vor
allem die Entdeckung Jesu Christi, des fleischgewordenen Wortes und einzigen
Heilands der Menschen [137]! Von dieser Überzeugung bahnt sich die Forderung
nach der Mission den Weg, die im Herzen jedes Priesters auf ganz besondere
Weise drängt und die durch ihn jede Pfarre und Gemeinschaft, die er
seelsorglich leitet, auszeichnen muß. „Wir meinen, daß die Existenz
einer Methode der Seelsorge, die auf alle anwendbar und anpassungsfähig ist,
nicht einmal denkbar ist; daraus hat vor uns Gregor von Nazianz einen Grundsatz
seiner Lehre gemacht. Die Einmaligkeit der Methode ist ausgeschlossen. Um alle
in der Liebe aufzubauen, wird es notwendig sein, die Art und Weise, mit der man
die Herzen berühren will, zu variieren, nicht aber die Lehre. Daher soll
es eine Seelsorge der Anpassung in der Art und Weise sein, nicht jedoch der
Anpassung in der Lehre“ [138].
Der Pfarrers soll
dafür Sorge tragen, daß auch die verschiedenen Verbände,
Bewegungen und Zusammenschlüsse, die in der Pfarre präsent sind,
einen eigenen spezifischen Beitrag zum missionarischen Leben bieten. „Bedeutsam
für die Gemeinschaft ist die Verpflichtung, die verschiedenen
Wirklichkeiten von Zusammenschlüssen zu fördern. Ob in den
traditionelleren Formen oder in den neueren Formen der kirchlichen Bewegungen,
jedenfalls hören sie nicht auf, der Kirche ein Lebendigkeit zu verleihen,
die Geschenk Gottes ist und einen echten ‚Frühling des Geistes‘ darstellt.
Natürlich müssen die Verbände und Bewegungen sowohl in der
Universalkirche als auch in den Teilkirchen in vollem Einklang mit der Kirche
und im Gehorsam gegenüber den authentischen Weisungen der Bischöfe
arbeiten“ [139]. In den pfarrlichen Strukturen sind jede
Exklusivität und Abschottung einzelner Gruppen zu vermeiden, da das Wesen
der Mission auf der Gewißheit beruht, die von allen geteilt werden
muß, daß „Jesus Christus für das Menschengeschlecht und seine
Geschichte eine herausragende und einmalige, nur ihm eigene,
ausschließliche, universale und absolute Bedeutung und Wichtigkeit hat.
Jesus ist nämlich das Wort Gottes, das für das Heil aller Mensch
geworden ist“ [140].
Die Kirche vertraut auf
die tägliche Treue der Priester zum Hirtenamt, die in der eigenen
unersetzbaren Sendung zu Gunsten der Pfarre engagiert sind, die ihrer Leitung
anvertraut wurde.
Sicher fehlen den
Pfarrern und anderen Priestern, die verschiedenen Gemeinden dienen, nicht
pastorale Schwierigkeiten, innere und physische Müdigkeit auf Grund von
Arbeitsüberlastung, nicht immer ausgeglichenen durch gesunde Perioden
spiritueller Einkehr und richtiger Erholung. Wieviel Bitterkeit dann, wenn man
feststellen muß, wie oft der Wind der Säkularisierung den Boden
austrocknet, auf dem mit beträchtlichen und anhaltenden Mühen gesät
wurde!
Eine weithin säkularisierte
Kultur, die danach strebt, den Priester innerhalb der eigenen Denkkategorien
einzuordnen, indem sie ihn seiner grundlegenden mystisch-sakramentalen
Dimension entblößt, zeichnet sich größtenteils
verantwortlich für das Phänomen. Von daher rühren jene
Entmutigungen, die zur Isolation führen können, zu einer Art
depressiven Fatalismus oder zu einem zerstreuenden Aktivismus. Dies nimmt aber
nichts von der Tatsache, daß die große Mehrheit der Priester in der
ganzen Kirche, die der Sorgsamkeit ihrer Bischöfe nachkommen, positiv die
schwierigen Herausforderungen des gegenwärtigen geschichtlichen Kontexts
in Angriff nimmt und gelingt, in Fülle und mit Freude die eigene
Identität und den großzügigen pastoralen Einsatz zu leben.
Doch fehlen auch nicht
Gefahren von innen wie jene des Bürokratismus, des Funktionalismus, des
Demokratismus, der mehr managerhaften als seelsorglichen Planung. Leider kann
in einigen Bereichen der Priester von einer Anhäufung nicht immer
notwendiger Strukturen erdrückt werden, die dazu führen, ihn zu
überlasten – mit negativen Folgen sowohl für den psychisch-physischen
wie den spirituellen Zustand und schließlich zum Schaden des Dienstamtes
selbst.
Der Bischof, der vor
allem Vater seiner ersten und wertvollsten Mitarbeiter ist, soll nicht
nachlassen, über solche Situationen sorgsam zu wachen. Die Einheit aller
kirchlichen Kräfte ist mehr denn je aktuell und erforderlich, um positiv
auf die Gefahren zu antworten, denen der Priester und sein Dienstamt ausgesetzt
sind.
30. In Anbetracht der
gegenwärtigen Lage des Lebens der Kirche, der Erfordernisse der
Neuevangelisierung und unter Erwägung der Anwort, zu der die Priester
berufen sind, wollte die Kongregation für den Klerus das vorliegende
Dokumente anbieten als Hilfe, Ermutigung und Anregung für den pastoralen
Dienst des Priesters in der Pfarrseelsorge. Tatsächlich ergibt sich
normalerweise im Bereich der Pfarren der unmittelbarere Kontakt der Kirche mit
den Leuten. Deshalb sind unsere Überlegungen auf die Person des Priesters
in seiner Eigenschaft als Pfarrer beschränkt. In ihm wird Jesus Christus
als Haupt seines mystischen Leibes gegenwärtig, der Gute Hirt, der sich um
jedes Schaf sorgt. Es wurde beabsichtigt, die mystisch-sakramentale Natur
dieses Dienstamtes zu beleuchten.
Im Lichte der Lehre des
Zweiten Vatikanischen Konzils und des apostolischen Schreibens Pastores dabo vobis steht dieses Dokument in
Kontinuität mit dem Direktorium für Dienst und Leben der Priester, mit der
interdikasteriellen Instruktion Ecclesiae de Mysterio und mit dem Rundschreiben
Der Priester, Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und
Leiter der Gemeinde für das dritte christliche Jahrtausend.
Das eigene tägliche
Dienstamt zu leben, ist nur über die persönliche Heiligung
möglich, die sich immer auf die übernatürlichen Kraft der
Sakramente der Eucharistie und der Buße stützen muß.
Die Eucharistie ist der
Punkt, von dem strahlenförmig alles ausgeht und auf den alles zustrebt.
(…) In ihr haben im Laufe der Jahrhunderte so viele Priester den von Jesus beim
Letzten Abendmahl verheißenen Trost gefunden, den geheimen
Schlüssel, um einen Ausweg aus der Einsamkeit zu finden, den Halt, um ihre
Leiden zu ertragen, die Nahrung, um nach jeder Entmutigung wieder neu
aufzubrechen, die innere Kraft, um ihre Entscheidung zur Treue zu
bestärken“ [141].
Zur Vertiefung des
sakramentalen Lebens und zur ständigen Weiterbildung [142] nützt nicht wenig ein brüderliches Leben
der Priester, das nicht nur ein einfaches Zusammenleben unter demselben Dach
bedeutet, sondern auch die Gemeinschaft im Gebet, im Teilen der Absichten und
in der Zusammenarbeit in der Seelsorge, verbunden mit dem Wert der
gegenseitigen Freundschaft und der Freundschaft mit dem Bischof. Dies alles
bildet eine beträchtliche Hilfe zur Überwindung der Schwierigkeiten
und Prüfungen in der Ausübung des heiligen Dienstamts. Jeder Priester
benötigt nicht nur im Dienst die Hilfe der eigenen Mitbrüder, sondern
er braucht sie gerade in ihrer Eigenschaft als Mitbrüder.
Unter anderem
könnte man in einer Diözese ein Haus für alle jene Priester
bestimmen, die es von Zeit zu Zeit nötig haben, sich an einen Ort
zurückziehen, der geeignet ist für die Sammlung und das Gebet, um
dort die unentbehrlichen Mittel zur ihrer Heiligung zu finden.
Im Geist des
Abendmahlssaals, wo die Jünger versammelten waren und einmütig im
Gebet verharrten zusammen mit Maria, der Mutter Jesu (Apg 1,14), vertrauen wir
ihr diese Seiten an, die in Zuneigung und Dankbarkeit gegenüber allen
Priestern in der Seelsorge in der Welt verfaßt wurden. In der
Ausübung des täglichen pastoralen „munus“ möge sich jeder
Priester der mütterlichen Hilfe der Königin der Apostel erfreuen
können und in tiefer Gemeinschaft mit ihr zu leben verstehen. Im Priestertum
des Dienstes „gibt es die wunderbare und durchdringende Dimension der Nähe
der Mutter Christi“ [143]. Es ist tröstlich zu wissen, daß „ … neben
uns die Mutter des Erlösers steht, die uns in das Geheimnis des
Erlösungsopfers ihres göttlichen Sohnes einführt. ‚Ad Jesum per
Mariam‘: Das sei unser tägliches geistliches und pastorales
Lebensprogramm!“ [144]
Seine Heiligkeit Papst
Johannes Paul II. hat die vorliegende Instruktion approbiert und deren
Veröffentlichung angeordnet.
Rom, aus dem Palast der
Kongregationen, am 4. August 2002, dem Gedenktag des heiligen Pfarrers von Ars
Johannes Maria Vianney, des Patrons der Pfarrer.
Darío Card. CASTRILLÓN HOYOS
Präfekt
Csaba TERNYÁK
Titularerzbischof von Eminenziana
Sekretär
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