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Pius PP. XI
Vigilanti cura

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  • II.
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II.

Es ist in der Tat dringend notwendig, dafür zu wirken, daß auch in dieser Sache die Fortschritte der Kunst, des Wissens und selbst der Technik und Industrie, die wahre Gaben Gottes sind, auf die Ehre Gottes und auf das Heil der Seelen hingerichtet werden; daß sie praktisch der Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden dienen, auf daß alle, wie die Kirche es erflehen läßt, daran in solcher Weise teilhaben, daß sie der ewigen Güter deshalb nicht verlustig gehen: "sic transeamus per bona temporalia, ut non amittamus aeterna"2 (so sollen wir durch die irdischen Güter hindurchgehen, daß wir die ewigen nicht verlieren).

Nun ist es gewiß und durch allgemeine Erfahrung bestätigt, daß die Fortschritte der Filmkunst und -industrie, je erstaunlicher sie sich entfaltet hatten, um so verderblicher und verhängnisvoller für die Moral und für die Religion wurden, ja für die ganze sittliche Haltung des bürgerlichen Zusammenlebens.

Die Direktoren der Industrie in den Vereinigten Staaten haben das selber zugegeben, als sie sich öffentlich vor der ganzen Welt zu ihrer eigenen Verantwortlichkeit bekannten. Im März 1930 nahmen sie in einem freien Beschluß, der einmütig gefaßt, feierlich unterschrieben und von der großen Presse verbreitet wurde, die feierliche Verpflichtung auf sich, in Zukunft die Moral der Besucher ihrer Filmtheater stützen zu wollen.

In ihrem Kodex finden wir das Versprechen, daß kein Film mehr gedreht werden soll, der das moralische Niveau der Besucher niederdrücktt, der die natürliche und menschliche Sitte in Mißkredit bringt, der Sympathien schafft für ihre Verletzung.

Leider aber zeigten sich trotz der weisen Beschlüsse, die freiwillig gefaßt wurden, die Verantwortlichen außerstande, sie durchzuführen, und die Regisseure schienen nicht gewillt zu sein, sich den Prinzipien zu fügen, zu deren Beobachtung sie verpflichtet worden waren.

Da sich nun die besagte Verpflichtung als wenig wirksam erwiesen hatte und man in den Filmtheatern fortfuhr, Laster und Verbrechen zu verherrlichen, schien der Weg zu einer anständigen Unterhaltung im Filmtheater für immer verlegt.

In dieser Krise nun, Ehrwürdige Brüder und Schwestern, wart ihr unter den ersten, die die Frage untersuchten, wie man die Seelen derer stützen könne, die eurer Sorge anvertraut waren, und ihr machtet mit der "Legion des Anstandes" den Anfang eines Kreuzzuges für die öffentliche Sittlichkeit, um die Ideale einer natürlichen und christlichen Ehrbarkeit neu zu beleben. Jeder Gedanke lag Euch fern, die Filmindustrie schädigen zu wollen; im Gegenteil habt ihr sie indirekt vor dem sicheren Zusammenbruch all jener Formen der Erholung bewahrt, die einer Zersetzung der Kunst zutreiben.

Eure Direktiven weckten die empfängliche und ergebene Anhänglichkeit eurer Gläubigen; Millionen von amerikanischen Katholiken unterschrieben das Gebot der "Legion des Anstandes" und verpflichteten sich, keiner Filmvorstellung mehr beizuwohnen, die einen Angriff auf die katholisdle Moral und auf die rechten Lebensnormen enthalte.

So können wir mit Freude feststellen, daß nur wenige Probleme der letzten Zeit Bischöfe und Volk so eng miteinander verbunden haben, wie die hier in Rede stehende Zusammenarbeit bei diesem heiligen Kreuzzug. Nicht bloß Katholiken, sondern auch angesehene Protestanten, Juden und viele andere, sind eurem Vorgehen gefolgt und haben sich Euren Bemühungen angeschlossen, indem nun auch sie dem Film weise Normen in künstlerischer und moralischer Hinsicht zurückgaben.

Es ist von größter Bedeutung, den beachtenswerten Erfolg dieses Kreuzzuges hervorzuheben, da das Filmwesen unter eurer Wachsamkeit und unter dem Druck der aufgerufenen öffentlichen Meinung sich tatsächlich moralisch hob: Verbrechen und Laster erschienen seltener auf der Leinwand; die Sünde wurde nicht so offen gebilligt und verherrlicht; falsche Lebensauffassungen zeigten sich nicht mehr in dieser aufreizenden Art vor den Augen der empfänglichen Jugend.

Wenn man in gewissen Kreisen voraussagte, es würden die künstlerischen Werte des Films durch die Hartnäckigkeit der "Legion des Anstandes" Schaden nehrnen, so scheint gerade das Gegenteil davon eingetroffen zu sein. Sie gab jenen Kräften keinen geringen Antrieb, die den FiIm zu einer vornehmen künstlerischen Leistung führen möchten, zu einer Nachbildung klassischer Werke und zu einer originalen Gestaltung außergewöhnlicher Werte.

Es traten auch keine finanziellen Verluste ein, wie man leichthin prophezeit hatte;. denn viele, die dem Kinotheater aus moralischen Gründen ferngeblieben waren, kehrten zu ihm zurück, als sie Gelegenheit bekamen, anständige Stücke zu sehen, die nicht die guten Sitten beleidigten und die keine Gefahren für die christliche Tugend waren.

Als Ihr mit eurem Kreuzzug begannet, sagte man, daß das Bemühen von kurzer Dauer und die Erfolge vorübergehender Art sein würden. Nach und nach werde die Wachsamkeit der Bischöfe und der Gläubigen nachlassen, und die Produzenten konnten wieder ungehindert zu ihren alten Gewohnheiten zurückehren. Es ist auch leicht einzusehen, daß einzelne Unternehmer wieder nach der Freiheit für zweideutige Stücke verlangten, die die niedere Begierlichkeit aufreizen, und die von Euch geächtet worden waren. Während die Produktion von wirklich künstlerischen Gestalten und bedeutenden menschlichen Schicksalen geistige Kraft, Arbeit, Fähigkeit und nicht selten auch einen beachtlichen finanziellen Einsatz erfordert, ist es oft verhältnismäßig leicht, den Andrang gewisser Menschen und sozialer Schichten zum Kino zu erreichen mit Vorstellungen, die die Leidenschaften entflammen und die verborgenen niederen Instinkte im menschlichen Herzen aufwecken.

Statt dessen muß nun eine nicht erlahmende und allgemeine Wachsamkeit die Produzenten überzeugen, daß man die "Legion des Anstandes" nicht gegründet hat für einen Kreuzzug von kurzer Dauer, daß man sie übergehen oder vergessen könne, sondern daß die Bischöfe der Vereinigten Staaten entschlossen sind, die moralisch einwandfreie Unterhaltung des Volkes, koste es, was es wolle, zu jeder Zeit und unter allen Umständen zu schützen.




2) Kirchengebet, III. Sonntag nach Pfingsten.






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