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IV.
Es gehört also zu den dringlichsten Aufgaben
unserer Zeit, zu wachen und zu wirken, daß der Film nicht ferner eine Schule
der Verführung sei, sondern daß er sich umgestalte in ein wertvolles Mittel der
Erziehung und der Erhebung der Menschheit. Wir erinnern hier auch mit
Genugtuung daran, daß manche Regierungen, voll Sorge wegen des Einflusses des
Films auf sittlichem und erzieherischem Gebiet, rechtschaffene und ehrenhafte
Personen beriefen, insbesondere Familienväter und -mütter, und so
Zensurbehörden schufen sowie Ämter zur Regelung der Filmproduktion, mit der Absicht,
ihr Anregungen zu geben aus den Werken der großen nationalen Dichter und
Schriftsteller.
So war es also im höchsten Grade berechtigt
und entsprechend, daß ihr, Ehrwürdige Brüder, eine besondere Wachsamkeit der
Filmindustrie Eures Landes gewidmet habt, die besonders große Fortschritte
gemacht hat und einen nicht geringen Einfluß auf andere Länder ausübt. Es ist
aber auch die Pflicht der Bischöfe der ganzen katholischen Welt, sich dahin zu
einigen, daß sie diese allgemeine und einflußreiche Form der Unterhaltung und
der Unterweisung überwachen, daß sie als Beweggrund ihrer Verbote geltend
machen die Beleidigung des sittlichen und religiosen Empfindens und alles
dessen, was dem christlichen Geist und seinen ethischen Prinzipien
zuwiderläuft, was dazu beiträgt, den Sinn für gute Sitte und Ehre im Volk zu
schwächen.
Es ist eine Pflicht, die nicht nur den
Bischöfen zufällt, sondern allen gläubigen Katholiken und allen rechtschaffenen
Menschen, denen die Würde und die Gesundheit der Familie, der Nation und der
ganzen Menschen Gesellschaft am Herzen liegt.
Worin soll diese Überwachung bestehen?
Das Problem der Produktion moralisch
einwandfreier Filme wäre in der Wurzel gelöst, wenn man eine Produktion
einrichten könnte, die vollkommen von den Prinzipien des Christentums
beherrscht wäre.
Unsere Anerkennung für alle jene kann nicht
groß genug sein, die sich der edlen Aufgabe gewidmet haben, die Filmkunst auf
die Höhe ihrer erzieherischen Aufgaben zu bringen und sie den Forderungen des
christlichen Gewissens gemäß diesem Ziele anzupassen, mit der Kompetenz von
Fachleuten natürlich und nicht durch Dilettanten, um jeden Verlust an Kraft und
Geld zu vermeiden.
Weil wir aber überzeugt sind, daß es schwer
ist, eine solche Industrie zu organisieren, besonders aus finanziellen Gründen,
und weil es andererseits doch wünschenswert wäre, einen Einfluß auf die gesamte
Produktion zu haben, daß sie nicht in einem das religiöse, moralische und
soziale Leben schädigenden Sinne arbeite, so müssen sich die Seelsorger für die
Filme interessieren, die heute hergestellt und dem christlichen Volke
allenthalben vorgesetzt werden.
Was die Filmindustrie betrifft, so fordern
wir die Bischöfe aller Produktionsänder auf, insbesondere euch, Ehrwürdige
Brüder in den Vereinigten Staaten, einen Appell an jene Katholiken zu richten,
die an dieser Industrie einen bedeutenden Anteil haben. Sie mögen sich
ernstlich ihrer Pflichten erinnern und der Verantwortlichkeit, die sie haben,
als Kinder der Kirche ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Filme, die
sie produzieren oder bei deren Produktion sie beteiligt sind, den gesunden
Grundsätzen der Moral entsprechen. Die Zahl der Katholiken, die als
Unternehmer, Direktoren, als Autoren und Akteure im Filmwesen tätig sind, ist
nicht klein; aber leider ist ihre Einflußnahme auf die Produktion selber nicht
immer in Übereinstimmung mit ihrem Glauben und mit ihren Idealen gewesen. Ihr,
Ehrwürdige Brüder und Schwestern, werdet wohl daran tun, wenn ihr auf sie
einwirkt, daß sie ihren Beruf in Übereinstimmung mit ihrem Gewissen als
Ehrenpersonen und als Jünger Christi ausüben.
Auch auf diesem Gebiet, wie auf jedem
anderen Feld des Apostolats, werden die Seelsorger sicherlich ausgezeichnete
Mitarbeiter in den Reihen der katholischen Aktion finden, an die wir in diesem
unserem Schreiben einen heißen Appell richten, daß sie doch ihren Beitrag
leisten, daß sie nicht ermüden in ihrem Eifer, daß sie nicht nachlassen darin.
Von Zeit zu Zeit werden die Bischöfe gut
daran tun, die Filmindustrie darüber zu unterrichten, daß sie kraft ihres
seelsorglichen Amtes verpflichtet sind, sind für jede Form einer geziemenden
und gesunden Unterhaltung zu interessieren, daß sie Gott verantwortlich sind
für die Moral ihres Volkes, auch wenn es sich erholt.
Ihr heiliges Amt verpflichtet sie, es klar
und offen auszuspredlen, daß eine ungesunde und unsaubere Art des Vergnügens
den moralischen Charakter einer Nation zerstört. Sie mögen die Filmindustrie
ebenfalls daran erinnern, daß in dieser Hinsicht nicht nur die Katholiken ihre
Forderungen stellen, sondern das gesamte Filmpublikum.
Im besonderen könnt ihr, Ehrwürdige Brüder
und Schwestern, gerechterweise immer wieder die Tatsache betonen, daß die
Filmindustrie Eures Landes selbst ihre Verantwortlichkeit in aller
Öffentlichkeit zugegeben hat.
Mögen also die Bischöfe aller Welt die
Filmindustriellen dahin aufklären, daß eine so bedeutend‚ und weitverbreitete
Macht auf das hohe Ziel individueller und sozialer Reform nützlich geleitet
werden kann. Warum soll man in der Tat nur an die Unterdrückung des Bösen
denken? Der Film braucht nicht ein bloßes Vergnügen zu sein, er braucht nicht
nur nichtige und müßige Stunden auszufüllen, er kann und rnuß mit seinen
positiven Wirkungen Bildungsmittel werden und positiv zum Guten führen.
Wir halten es nunmehr bei der Bedeutung der
Frage für nützlich, einige praktische Vorschläge zu machen.
Zunächst sollten, was wir schon angedeutet
haben, alle Seelsorger von ihren Gläubigen nach dem Beispiel ihrer
amerikanischen Amtsbrüder das Versprechen zu erhalten suchen, niemals einer
Kinodarstellung beizuwohnen, die Glaube und Sitte des Christentums beleidigt.
Dieses Pfand oder Versprechen erreicht man
auf die wirksamste Weise durch die Pfarrei und durch die Schule und durch die
eifrige Mitwirkung der Familienväter und -mütter, die sich ihrer schweren
Verantwortung bewußt sind.
Die Bischöfe können sich auch zu diesem
Zweck der katholischen Presse bedienen, die die Schönheit und den Wert eines
solchen Versprechens darlegen wird.
Die Einlösung dieses Versprechens verlangt,
daß das Volk gut daruber unterrichtet wird, welche Filme erlaubt sind für alle,
welche nur mit Vorbehalt, welche schädlich oder positiv schlecht sind. Das
erfordert die Veröffentlichung von regelmäßigen, häufig erscheinenden und
sorgfältig hergestellten Listen, die man allen leicht zugänglich machen muß
durch besondere Mitteilungen oder durch andere geeignete Publikationen:
natürlich gerade auch durch die katholische Tagespresse.
Es wäre an sich wünschenswert, eine einzige
Liste für die ganze Welt aufzustellen, weil überall das gleiche Gesetz der
Moral in Geltung ist. Aber da es sich um Darstellungen handelt, die alle
Klassen der Gesellschaft interessieren, groß und klein, gelehrt und ungelehrt,
so kann das Urteil über einen Film nicht überall das gleiche sein in jedem Fall
und unter jeder Rücksicht. In der Tat wechseln Lebensbedingungen, Sitten und
Gebräuche in den verschiedenen Ländern; es scheint darum nicht praktisch zu
sein, nur eine einzige Liste für die ganze Welt aufzustellen. Wenn aber auch
nur in jeder Nation eine Klassifikation, so wie wir sie oben gekennzeichnet
haben, vorgenommen wird, so ist schon im Prinzip die verlangte Führung
vorhanden.
Es wird deshalb notwendig sein, daß in jedem
Land die Bischöfe ein permanentes nationales Revisionsbüro schaffen, das die
guten Filme fördern, die übrigen klassifizieren und das Urteil Priestern und
Gläubigen zugänglich machen kann. Es wird dieses Büro am besten der
Zentralstelle der katholischen Aktion anvertraut, die unmittelbar von den
Hodlwürdigsten Bischöfen abhängig ist. In jedem Fall muß dieses Büro gut
eingerichtet sein: es muß der Aufklärungsdienst, um wirksam und organisch zu
sein, auf nationaler Grundlage erfolgen und von einem Zentrum aus. Falls sodann
sehr wichtige lokale Gründe es nonvendig machen, können die Hochwürdigsten
Herren Bischöfe in ihrer eigenen Diözese durch ihre Diözesanzensurkommission
selbst in bezug auf die nationale Liste, die ihre Normen der ganzen Nation
anpassen muß, strengere Maßstäbe anlegen, wie es für die Bedürfnisse der Gegend
notwendig sein kann, und somit auch Filme zensurieren, die auf der allgemeinen
Liste zugelassen wurden.
Dieses Filmamt wird ferner die Organisation
der Pfarrkinos betreuen und jene Katholikenausschüsse, die für die Versorgung
dieser Kinos mit revidierten Filmen tätig sind. Durch die Organisation solcher
Kinos, die für die Industrie oft gute Abnehmer sind, kann sich ein neues
Verfahren herausbilden, demgemäß die Industrie selber Filme produziert, die
ganz und gar unsern Prinzipien entsprechen; Filme, die man leicht nicht nur in
unsern Theatern, sondern auch in allen andern vorführen kann.
Wir geben zu, daß die Errichtung eines
solchen bischöflidlen Filmamtes ein gewisses Opfer verlangt und eine gewisse
Belastung der Katholiken der einzelnen Länder darstellt. Aber die große
Bedeutung des Filmtheaters und die Notwendigkeit, die Moralität des
christlichen Volkes und ganzer Nationen zu schützen, läßt ein solches Opfer
gerechtfertigt erscheinen.
In der Tat war ja die Tätigkeit unserer Schulen,
unserer Vereine und auch der Kirche selbst geschmälert und in Gefahr gebracht
durch die Landplage eines sittenlosen und verderblichen Filmwesens.
Das Filmamt soll im allgemeinen durch
Mitglieder besetzt werden, die mit der Filmtechnik vertraut sind und
wohlbefestigt in den Grundsätzen der christlichen Moral und Lehre. Es soll
unter der Leitung eines vom Bischof auserwählten Geistlichen stehen, der sich
direkt an den Arbeiten beteiligt.
Es empfehlen sich auch Anregungen und
Austausch der Qualifikationen und Informationen zwischen den verschiedenen
Ländern, um die Arbeit der Filmprüfung wirksamer und harmonischer zu gestalten
und um die verschiedenen Bedingungen und Umstände gebührend in Rechnung zu
stellen. So wird sich eine einheitliche Richtung in den Urteilen und
Qualifikationen in. der gesamten katholischen Weltpresse herausbilden. Auch
wird man die Erfahrungen, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern
auch in der Filmarbeit der Katholiken in anderen Ländern gemacht wurden, ebenso
wie die Ergebnisse der großen Internationalen katholischen Filmkongresse auf
diesen Büros sinngemäß ausnützen.
Sollten einmal die Mitglieder des Filmamtes
trotz aller guten Absichten und Vorkehrungen sich irren, wie das in allen
menschlichen Dingen vorkommen kann, so werden die Bischöfe das in aller
Klugheit und Hirtensorge in möglichst wirksamer Weise in Ordnung zu bringen
wissen, und zugleich werden sie nach Kräften die Autorität und Wertschätzung
des Amtes selbst schützen, z. B. dadurch, daß sie durch eine neue tüchtige
Kraft das Ansehen des Amtes erhöhen oder diejenigen entfernen, die sich als
weniger geeignet für eine so verantwortungsvolle Aufgabe gezeigt haben.
Wenn die Bischöfe der Welt ihre
Verantwortlichkeit anerkennen und eine solche mühsame Überwachung des
Filmwesens auf sich nehmen, woran wir bei der Kenntnis ihres Hirteneifers nicht
zweifeln, dann können sie eine große Aufgabe zum Schutz der Moralität ihres
Volkes für die Stunden seiner Muße und seiner Erholung erfüllen. Sie werden die
Billigung und die Mitarbeit aller Wohlgesinnten finden, seien es Katholiken
oder Nichtkatholiken. Sie werden den Aufstieg dieser großen internationalen
Macht, denn das ist der Film, auf sichere Wege leiten, zu dem hohen Ziel der
Förderung ritterlicher Ideale und richtiger Lebensnormen.
Um diesen Vorsätzen und Wünschen, die aus
unserem väterlichen Herzen hervorquellen, die rechte Kraft zu verleihen, flehen
wir um die Hilfe der göttlichen Gnade; in der Hoffnung auf sie erteilen wir aus
ganzer Seele euch, Ehrwürdige Brüder, und dem euch anvertrauten Klerus und Volk
den Apostolischen Segen.
PAPST
PIUS. XI
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