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Stylianos G. Papadopoulos
Beitrag zur Theologie der Einheit

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  • 2. ZUR THEOLOGIE DER EINHEIT
    • a) Differenzierende Theologie und gespaltener Mensch
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2. ZUR THEOLOGIE DER EINHEIT  

a) Differenzierende Theologie und gespaltener Mensch  

Jene Theologie, die von der Mehrzahl christlicher Theologen seit dem 9. Jahrhundert geübt wird, wagen wir als differenzierende Theologie zu bezeichnen

Jahrhundertelang stand diese beflissen im Dienste de Vervielfältigung der Differenzen zwischen den Kirchen Legionen von Theologen der römischen und der orthodoxen katholischen Kirche haben in ihren Werken die Haltung der beiden altchristlichen Kirchen unter einander so klar und verschiedenartig differenziert daß sich diese heute fremd, wenn nicht sogar feindlich gegenüberstehen. Die Kirchengeschichte gibt davon unwiderruflich Zeugnis. Diese Theologie hat nicht nur die zwischen Ost und West bestehenden Unterschiede bewußt gemacht, sondern sie auch erheblich vermehrt. Besonders die Geschichte der Kontroverstheologie ist ein Beleg dafür. Das soll natürlich nicht bedeuten, daß wir uns der Ansicht anschließen, nach der die bestehenden Differenzen zwischen den christlichen Gruppen unerkannt bleiben können. Wenn wir dem Verbleiben in Irrtum zustimmten, würden wir den Irrtum als solcher bejahen, den wir jedoch aufzeigen und immer und überall vermeiden müssen. Um nicht im Irrtum zu leben und uns unbewußt in Irrtümern zu bewegen müssen wir die Differenzen auf jeden Fall aufzeigen. Wir gestehen ein, daß diese Aufgabe uns überaus leicht fällt, da sie der inneren Struktur des Menschen entspricht, der seit Adams Sündenfall ein zutiefst gespaltenes Wesen zu sein scheint, das unaufhaltsam Trennungen und Spaltungen zuneigt und imstande ist, die Mücke zu sehen und das Kamel zu verschludcken<7>; denn die göttliche Vorsehung hat dem Satan gestattet, den Menschen temporär gefangen zu halten und nach seinem dämonischen Willen über den Verstand, das Herz und die vitale und instinktive Kraft des Menschen zu verfügen, mit dem Ergebnis, daß dieser seiner existentiellen Einheit verlustig ging

Diese existentielle Einheit war ein rein dynamischer Zustand, Abbild und Charakter der Einheit zwischen den drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit. Wie das Bestehen dieser Einheit ihr Gefäß, d. h. den Menschen, zur Einheit mit Gott in Gedanken und Werken führt, so stehen bei ihrem Fehlen die menschlichen Kräfte unter dem einheitszersetzenden spaltenden Einfluß des Satans, des Fürsten dieser Welt<8>. Diese Überlegungen bieten die Grundlage zum Verständnis des starken Strebens im Menschen, das diesen zu ständiger Differenzierung treibt, zur Unterscheidung und Trennung von allem, und seine materielle und geistige Umwelt nach Bild und Gleichnis des Menschen ohne Einheit gestaltet und beeinflußt

Aber die Erklärung der Neigung zur Schaffung und Auffindung immer zahlreicherer Verschiedenheiten und Unterschiede als Ergebnis des Verlustes der existentiellen Einheit des Menschen ist gleichzeitig keine zureichende Rechtfertigung und Legalisierung der fortwährenden differenzierenden Theologie vom 9. Jahrhundert an <9>. Vielmehr bedeutet die Tatsache, daß die christliche Theologie fortwährend differenziert, den weitgehenden Verlust ihrer Ausrichtung und zutreffenden Zielsetzung

 




7 Mt 23,24. 



8 Jo 12,31; 16,11



9 Diese These verkennt keineswegs die Existenz nicht differenzierender, sondern einigender Theologie im Westen wie im Osten, wo nach dem 10. Jh. besonders Symeon der Neue Theologe und der hl. Gregorios Palamas die Theologie richtig pflegten, deren Lehre jedoch als "Mystizismus" charakterisiert wurde, um sich so der Verpflichtung ihrer Akzeptierung und Fortführung zu entziehen und diese den Mönchen allein zu überlassen






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