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c)
Abschluß
Unter
ähnlichen Voraussetzungen wie den oben dargelegten könnte man noch zu
vielen Punkten des Ökumenismusdekretes Stellung nehmen. Ich möchte
daher meine Ausführungen mit Hervorhebung des wertvollsten
Gesichtspunktes, der in das Dekret Aufnahme gefunden hat,
beschließen:
Im
Artikel II lesen wir: "Beim Vergleich der Lehren soll man nicht vergessen,
daß es eine Rangordnung oder 'Hierarchie der Wahrheiten' innerhalb der
katholischen Lehre gibt, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit
dem Fundament des christlichen Glaubens". Diese Initiative stellt einen positiven
Riesenschritt der römisch-katholischen Kirche zur Schaffung eines Raumes
des theologischen Erfahrungsaustausches dar<37>. Wir wollen aber
hoffen, daß diese Empfehlung ein Zeichen des Wachstums des Leibes der
römisch- katholischen Kirche und nicht nur einfache
Kompromißbereitschaft den anderen Kirchen gegenüber ist, was ihre
Bedeutung auf ein Minimum reduzieren würde.
Von
römisch-katholischer Seite ist diese "hierarchische" Sicht der
Wahrheiten dieser Kirche vielleicht der für unsere Zeit beste Beitrag zur
Sache der Einheit. Nur diese Aussage des Ökumenismusdekrets gibt praktisch
und grundsätzlich dem Dialog eine Chance, obwohl das Dekret den
großen Fehler begeht, die Bischöfe zur Wach- und
Schließgesellschaft der Wahrheiten der Kirche zu machen, die Theologen
"unter ihren Gliedern jedoch zu freien Diskutanten. Zweimal wird in dem
Dekret mit Nachdruck hervorgehoben, daß die Theologen "unter der
Aufsicht"<38> der bischöflichen Inhaber des Hirtenamtes
zu wirken hätten, so als wären Theologie und Priestertum streng zu
trennen. Freilich kennt unsere Zeit diesen Zwiespalt, er stellt jedoch eine
Verfallserscheinung dar und muß um jeden Preis überwunden werden,
wenn wir in Wahrheit um das Wachstum des Leibes der Kirche ringen. Die Hirten
(Priester! Bischöfe) werden entweder selbst als Theologen Stellung nehmen
oder nur die Polizeiaufsicht über den Erfahrungsaustausch der Theologen
führen, die sie aber, wenn sie nicht selbst Theologen sind, aus
Unverständnis mißverstehen müssen. Sind die Theologen als
Glieder der Kirche mit den Bischöfen so verbunden, wie das der heilige
Ignatius von Antiochien fordert, verlangen sie nach dem Segen und der Heiligung
des Bischofs, den sie als Zeugen ihres Mühens um den Ausdruck des Lebens
in Christus anrufen. Der Bischof kann nicht Schatzmeister der Wahrheiten des
Glaubens sein, da diese Wahrheiten und unsere Überlieferung nur real
gegenwärtig sind und nur als Gegenwart Bedeutung haben. Der Bischof wird
diese Wahrheiten und die Überlieferung entweder in Präsenz leben, und
dann ist er selbst Theologe oder wird Zeuge der Theologie, oder er lebt diese
nicht und ist ein leerer Bischof ohne Profil und Format.
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