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| Stylianos G. Papadopoulos Beitrag zur Theologie der Einheit IntraText CT - Text |
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b) Die Theologie als Ausdruck des Lebens in Christus Die Existenz vieler und verschiedenartiger Differenzen darf jedoch die Einheitsbemühungen um keinen Preis aufschieben. Was dabei aber eine erstrangige Rolle spielt, ist die Methode der Annäherung an die Einheit, die nach unserer Ansicht nur durch dynamische Überwindung<10> der Unterschiede, und nicht einfach durch deren Überbrückung zu erreichen ist, wie von den meisten Theologen bis heute gefordert wurde. Bevor wir zur Diskussion über die Theologie schreiten, die zu einer dynamischen Überwindung der Differenzen imstande ist, halten wir es für zweckmäßig, folgendes zu unterstreichen: Häufig gerät die Tatsache in Vergessenheit, daß die Theologie nicht nur Ausdruck des Lebens der Kirche, sondern auch selbst Leben der Kirche ist, im selben Maße wie Liturgie, Diakonie und Verkündigung. Daher werden wir im folgenden unter Theologie eine der Formen des Lebens der Kirche verstehen, deren Gründer und Haupt Christus ist, "in dessen Namen" der Vater "den Beistand, den Heiligen Geist" ( Jo 14,26) sendet, um die Kirche zu bewahren und zu mehren, zu deren Leben auch die Theologie gehört. Der Theologe hat die Pflicht, ein "heiliger und weiser Mann"<11> zu sein, seine Theologie hingegen ist "geistliche Wissenschaft" in weiterem Sinne und "wie das Priestertum eine theologische Diakonie"<12>, um an dieser Stelle weise und heilige Worte eines orthodoxen Bischofs in Erinnerung zu rufen. In diesen Begriff der Theologie beziehen wir alle ihre Stadien ein. Damit eine Theologie der obigen Anforderung, Leben der Kirche zu sein, gerecht wird, hat sie den besonderen Problemen jeder Epoche zu antworten und sich in den jeweiligen Theologen als Geschenk des Heiligen Geistes zu entfalten, der von einer bestimmten Sprache und geistigen Veranlagung Gebrauch macht. Die Geschichte der Theologie vor dem 10. Jahrhundert beweist, wie begründet das oben über die Theologie Gesagte ist. Die Höhepunkte der Theologie, wie die Lehre und die Auseinandersetzungen über das Verhältnis der drei Personen in der Heiligen Dreifaltigkeit (= Triadologie), über die Person des Erlösers Christus ( = Christologie) und über den Heiligen Geist (= Pneumatologie) lassen sich nur als Versuch einer Antwort auf die drängenden und konkreten Probleme einer bestimmten Zeit erklären. Da aber die Antworten, die diesen Fragen von den Kirchenvätern erteilt wurden, göttlich inspiriert waren, verblieben sie der Kirche als unveränderliche Regel geistlicher Erfahrung, die für dieselben Probleme immer gültig bleibt und Licht auf die Bewältigung neuer Fragen wirft. Parallel dazu setzt auch die nach schweren Auseinandersetzungen erfolgte Annahme der Beschlüsse der Allgemeinen Konzilien durch die Mehrheit der Ortskirchen die Erleuchtung des Heiligen Geistes bei der Entstehung und Ausprägung dieser Theologie voraus. Die Väter und Theologen<13> der sieben Allgemeinen Konzilien waren Zungen Gottes, die aus der Erfahrung ihres Lebens in Christus sprachen. Ihre Theologie war eine Fortsetzung des Evangeliums, eine Fortsetzung der Prophetie. Dieser prophetische Charakter garantierte die Einheit ihrer Standpunkte und Lehren, die Ausdruds des Lebens in dem "neuen" Menschen Christus waren, das in seinem Wesen in jedem bewußten Glied der Kirche ein und dasselbe ist. Aber die wesentliche Einheit dieser prophetischen Darlegung des Lebens in Christus schließt keineswegs Verschiedenheit der Formen aus, da die Menschen, die ihr als Werkzeuge dienen, über verschiedene Mentalität und einen unterschiedlichen Vollkommenheitsgrad verfügen. Die Verschiedenheit der menschlichen Charaktere und der unterschiedliche Vollkommenheitsgrad, die beide wie alles der absoluten Einheit Zuwiderlaufende auf die Sünde Adams und den aus dieser resultierenden tiefen und weitreichenden Einfluß des Satans zurückzuführen sind, bilden das Drama der Kirche, deren Glieder nicht immer zwischen Wesen und Form zu unterscheiden verstehen, mit der Folge, daß sie formale Gesichtspunkte für wesentlich halten (der Fehler des Traditionalismus) oder die zentrale Wesenheit relativieren (der Fehltritt des Reformismus). Der theologische Ausdruck des "Lebens in Christus", wie wir der Kürze halber den Zustand des "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir"<14> ckarakterisiert haben, stellt aus verschiedenen Gründen ein überaus schwieriges Unterfangen dar, unter anderem wegen des gleichzeitigen Anspruches vieler theologischer Systeme, als einzig authentische Interpretation des Lebens in Christus anerkannt zu werden. Was also von den Allgemeinen Konzilien festgesetzt und vom Volk der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche geglaubt wurde, kam aus der feurigen Esse gegenteiliger Anschauungen und Lehren, die von der Kirche schließlich in der Kraft des Heiligen Geistes als irrig aufgezeigt, abgelehnt und verurteilt wurden. Was die Verurteilung der Irrlehren, die von Zeit zu Zeit im Schoß der Kirche auftreten, betrifft, ind wir zur Feststellung verpflichtet, daß das Fehlen oder die Seltenheit dieses Verfahrens das Fehlen echten kirchlichen Lebens aufzeigt. Die Kirche von heute verurteilt nicht oder wenig. Warum? Ist sie etwa nicht mehr im Bewußtsein ihrer Authentizität, gibt es in ihrem Schoß keine verurteilungswürdigen Lehren mehr, oder fehlt es ihr an Theologie für all dieses? Die Realität läßt diese Fragen leider nur allzu berechtigt erscheinen.
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10 Über die Bedeutung der Begriffe "Überbrückung" und "Überwindung" der Differenzen siehe auf S. 149-153 und S. 161-165 dieses Aufsatzes. 11 Siehe in: "Ekklesia" 45 (1968) 509. 12 A. a. O. 13 Wir verstehen darunter selbstverständlich nur diejenigen, die auf den Konzilien die wahre Lehre vortrugen und verteidigten. 14 Ga12,20. |
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