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Stylianos G. Papadopoulos
Beitrag zur Theologie der Einheit

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  • 2. ZUR THEOLOGIE DER EINHEIT
    • c) Gibt es eine überbrückende Theologie und vorurteilsf reie Forschung?
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c) Gibt es eine überbrückende Theologie und vorurteilsf reie Forschung? 

Nach diesem Einschub über die Theologie als Ausdruck des Lebens in Christus kommen wir auf die Problematik des Theologen in der Kirche zurück, der sich mit dem Wunsch des Hohenpriesters Christus, "daß alle eins seien", konfrontiert sieht. Wir haben schon gesagt, daß es dazu keiner Theologie bedarf, die die bestehenden Gegensätze "überbrückt", sondern diese dynamisch "überwindet". Eine überbrückende Theologie, von der die zuwiderlaufenden Ansichten harmonisiert werden, wagen wir in letzter Analyse als inexistent zu bezeichnen. Freilich können in verschiedenen Fällen der Erforschung und Überprüfung einer historischen Frage Theologen verschiedener Kirchen zu einer Übereinkunft gelangen, die zweitrangige historische Fakten, aber nie Bekenntnisprobleme berühren wird. Wenn ein historisches Phänomen auf beliebige Weise mit der Konfessionsfrage verbunden ist, dann wird der mit seiner Interpretation Beschäftigte dieses aus dem Blickwinkel seiner Konfession zu erklären suchen. Und das wird um so mehr der Fall sein, als es für jeden beliebigen Forscher überaus schwierig ist, sich über sich selbst und seine Umgebung zur Anwendung objektiver - wenn es sie gibt! - Forschungskriterien zu erheben, und zweitens jeder Forscher, der sich zu einer Kirche bekennt, dieser treu bleiben will, und bei jeder seiner Untersuchungen deren Bekenntnisinhalt voraussetzt. Der Glaubensinhalt eines jeden gläubigen Forschers ist für diesen höchstes Kriterium, durch das er die Tatsachen sieht und interpretiert, aus denen sich die Geschichte seiner Konfession zusammensetzt, die für ihn die "Eine", "Heilige" und "Apostolische" ist. Für den gläubigen Forscher einer Kirche fällt überhaupt deren Geschichte in vielem mit der Geschichte des Wirkens des Heiligen Geistes in der Gesamtkirche zusammen. Von da her wird verständlich, wie schwierig es für den Gläubigen ist, das Wirken des Heiligen Geistes unter seiner Kirche fremden Voraussetzungen entsprechend zu deuten, mag er sich auch klar der Fehler bewußt sein, in die seine Kirche verfiel oder verfallen sein könnte. 

Um so mehr verlangt auch die Kirche als Konfession<15> - und sie muß es verlangen - von seiten der Forscher, die ihr angehören, getreue Wahrung ihrer eigenen Voraussetzungen, die Faktoren der einzelnen Stationen ihrer Geschichte waren, und zu deren Neuwertung die Gläubigen jeweils gerufen sind. Wenn diese konfessionellen Voraussetzungen nicht beachtet werden, dann "wird der letzte Irrtum schlimmer als der erste sein"<16>, denn das wäre mit dem Versuch vorurteilsfreier Betrachtung einer Geschichte gleichzusetzen, die nicht "Geschichte", sondern "Heilsgeschichte" ist, die Gott Vater als Schöpfer, Christus als Erlöser des Menschengeschlechts und den Heiligen Geist als den Wahrer und Mehrer der Kirche voraussetzt. 

Voraussetzungslose Forschung im Raum der heiligen Geschichte - und in weiterem Sinne ist alle Geschichte heilig für jene, die anerkennen, daß die Welt von einem persönlichen Gott erschaffen wurde, der sich in den Propheten und durch den um der Erlösung aller willen fleischgewordenen Retter Christus geoffenbart hat - können in letzter Analyse nur der Kirche nicht bewußt angehörende Historiker und Philosophen betreiben, deren Ergebnisse jedoch - wie wir nur zu gut wissen - dem Geist der Offenbarung zutiefst fremd sind. Und das deshalb, weil die Forscher "draußen vor der Tür" nicht imstande sind und sich weigern, das Wirken des Heiligen Geistes in der Geschichte anzuerkennen. Wenn wir als Glieder der Kirche eine Fülle von Ereignissen als Ergebnisse des Eingreifens des Heiligen Geistes auffassen, und zwar sowohl in die Ordnung der Welt wie der Natur<17>, so werden die Außenstehenden, wie wir annehmen müssen, diese Tatsachen entweder fehlinterpretieren, ableugnen oder für einen Mythos halten, da sie nicht an den Heiligen Geist glauben. In dieser Weise ist aber wesentlich die "vorurteilsfreie" Forschung beschaffen. Wir könnten auch ins Treffen führen, daß selbst diese Vorurteilslosigkeit ganz und gar nicht voraussetzungslos ist, da es keinen Forscher gibt, der ohne bestimmte Orientierung wäre. Ein Forscher, mag er auch nicht Christ sein, wird eben einer anderen Religion oder Weltanschauung angehören, die nichts anderes als Religionsersatz ist. Folglich stellen die Forderungen nach objektiver Erklärung und Betrachtung der Geschichte in der Tat eine Utopie ersten Ranges und nichts anderes als einen Glaubensartikel der wissenschaftlichen Religion des Historismus dar, der die Theologie ernsthaft bedroht. Was der Historismus Objektivität der Untersuchung nennt, muß von der Kirche durch den Begriff Wahrheitserkenntnis im Licht des Heiligen Geistes ersetzt werden. 

In der Praxis erweist sich die Übung einer historischen Phänomenologie als unmöglich, und jede Kirche hat ihren mit theologischer und historischer Forschung beschäftigten Mitgliedern immer und in jeder Beziehung die Wahrung ihres Bekenntnisgehaltes bei aller Ehrbarkeit der Absichten und Methoden zu empfehlen. Die Aufforderung einer Kirche zu utopistischer Objektivität wäre mit der Selbstwiderlegung dieser Kirche gleichbedeutend, da sie auf diese Weise ihr einziges Vorrecht, alles in Christus durch den Heiligen Geist werten zu können, leugnen würde. Diese Wertung ist christusförmig, da der Gesichtswinkel, unter dem die Glieder der Kirche alles betrachten, christusbezogen ist. 

Gegen eine solche Verurteilung des unerreichbaren Objektivitätsstrebens können viele Einwände geltend gemacht werden, da für jeden geistigen Menschen unserer Zeit die Achtung vor der Objektivität einfach selbstverständlich ist. Wir stemmen uns auch gegen dieses Tabu, da es voraussetzungslose Forschung beinhaltet und fordert, folglich vom Menschen die Übersteigung seiner selbst verlangt, was ihm aber mit seinen eigenen Kräften unmöglich ist. Von dieser Utopie und von der Gefahr einer solchen Utopie müssen wir gerade den außerhalb der Kirche stehenden Menschen befreien, und nicht umgekehrt selbst ihre Opfer werden. In einer Zeit, in der die Kirche unter der Last der äußeren Einflüsse gebeugt ist und die Verweltlichung ihre Existenz bedroht, ist es vorzuziehen, daß sie selbst durch Schaffung neuer Begriffe Widerstand leistet, statt die Begriffe der Gegner einfach zu übernehmen. Angesichts der Gegebenheit, daß das Werk dieser Erfüllung, zumindest in unseren Tagen, alles andere als erfolgreich ist, was auf das Unvermögen der theologisierenden Glieder der Kirche zurückzuführen ist, geben wir im konkreten Fall der alten Taktik der Kirche den Vorzug, die bei Bedrohung durch eine bestimmte Lehre heftig gegen diese reagierte und alles ablehnte, was nur irgendwie an diese erinnerte. War im Gegenteil die Kirche nicht in Gefahr, sondern fühlte sich stark, waren die betreffende Lehre oder der Zeitgeist jedoch schwach, dann übernahm sie mit Leichtigkeit die fremden Elemente, denen sie jedoch neuen Geist in Christus einhauchte. 

 




15 Wir verwenden unterschiedslos die Begriffe "Kirche" und "Konfession", obwohl letzterer enger ist als der erste. 



16 Mt 27,64. 



17 Die orthodoxe Hymnographie läßt die Gottesmutter sprechen: "Unvermählt soll ich einen Sohn gebären? Empfängnis ohne Samen, wer sah es je? Doch, wo Gott will, weicht die Ordnung der Natur" (Kathisma der Laudes von Weihnachten). 






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