Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Stylianos G. Papadopoulos
Beitrag zur Theologie der Einheit

IntraText CT - Text

  • 2. ZUR THEOLOGIE DER EINHEIT
    • d) Der "Rest" der Theologie
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen anzuzeigen

d) Der "Rest" der Theologie 

Im obigen haben wir unterstrichen, soweit das Raum, Zeit und unser Vermögen erlaubten, daß die zur Aufnahme des Dialogs Bereiten ehrfürchtig die konfessionellen Voraussetzungen ihrer Kirchen zu wahren haben. Es ist nur die Folge davon, daß eine eventuelle Überprüfung von Geschichte und Lehre nicht nur der nach dem 9. Jahrhundert getrennten Kirchen, sondern auch der einen, Alten Kirche der sieben Allgemeinen Konzilien, keine wesentlichen Neuklassifizierungen und Vorteile zu bieten vermag, da genau auch in diesem Stadium die konfessionellen Voraussetzungen ihren Einfluß ausüben werden, auf deren Basis die Vertreter der Kirchen urteilten und zu ihren Entschlüssen gelangten. Ein neues Element, das zweitrangige Neubeurteilungen historischer Fakten verspricht, wird freilich bei einem zukünftigen gemeinsamen Studium der Vergangenheit die vermehrte Reinheit der Absichten der die Kirchen vertretenden Forscher darstellen, die bemüht sein werden, alle Vorurteile und Mißverständnisse auf ein Mindestmaß zu beschränken. 

Aber auf diese Weise wird auch dem einfachsten Gläubigen verständlich, daß dabei keine Fortschritte in Richtung der ersehnten Einheit erzielt werden, sondern daß wir im Gegenteil zum Rückschritt verurteilt sind, da eine neue Erforschung der Vergangenheit ungeachtet ihrer eindrucksvollen positiven Ergebnisse ebenso die Gefahr der Entdedsung neuer, bisher unbekannter Unterschiede in sich birgt, wie wir das schon andernorts dargelegt haben. Daher muß man die Frage stellen: Ist das besorgte Wort unseres Herrn, "daß alle eins seien", nichts als ein leeres Wort? Die Antwort kann nur verneinend ausfallen. Was aber dann? Dann tragen wir Gläubigen die Schuld. Nachdem der Weg, den wir eingeschlagen haben, nicht zur Einheit aller geführt hat, müssen wir nach einem neuen Weg, einer neuen Theologie Ausschau halten. Konkret gesagt: nach einer neuen Methode. 

Die Behauptung, daß die Theologie nicht den richtigen Weg eingeschlagen hat, daß sie nicht die ihr gemäße Methode gefunden hat, leugnet nicht die Existenz rechter und im allgemeineren Sinne rechtgläubiger Theologie, obwohl gleichzeitig die Mehrheit der Theologen die obige Behauptung rechtfertigt. Würden wir das vollständige Fehlen rechtgläubiger, das heißt dieses Namens würdiger Theologie behaupten, gerieten wir in Gefahr, das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche zu leugnen, da diese doch vom Heiligen Geist erhalten und geführt wird. Das um so mehr, als das Leben der Kirche nirgends als Ergebnis einer erworbenen Lebendigkeit verständlich wird. Jedenfalls, da die Kirche immer existieren wird ("die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen")<18>, verfügt sie sicherlich auch über treue, erprobte Glieder. So wenige sie auch sein mögen, stellen sie den verbleibenden auserwählten Rest und den "kleinen Sauerteig" dar, der verpflichtet und imstande ist, den ganzen "Teig"<19> zu durchsäuern, was auch tatsächlich, wie und wann immer Gott will, eintreten wird. 

Die Geschichte der Kirche ist ein unwiderlegbarer Zeuge dafür. Mehr als einmal machte die heilige und rettende Arche den Eindruck eines den heftigen Wogen überlassenen oder untergehenden Schiffes. Als Beispiel diene die Zeit des Vorherrschens des Arianismus und des Bilderstreites. In diesen langfristigen Prüfungszeiten der Kirche fanden sich einige, um als auserwählte Gefäße zu dienen, als Propheten zur Durchsäuerung des gesamten Kirchenvolkes und zur Verherrlichung der rechten Lehre. 

Allerdings stellen der Arianismus und der Bilderstreit beileibe keine Parallelen zu der in vielem nicht rechtgeratenen Theologie der Gegenwart dar. Wir müssen jedoch eingestehen, daß aus einer nicht rechtgeratenen Theologie Übel aller Art hervorgehen können. Wenn uns eine schwer zu ertragende Besorgnis erfaßt hat, so ist diese auf das im Laufe der Zeit erworbene Bewußtsein der Folgen einer nicht wohlgeratenen und ständig differenzierenden Theologie zurückzuführen, die wir nach vorausgegangener Verchristlichung unser selbs zur Verherrlichung der rechten Lehre zu verchristlichen haben, denn nichts anderes bedeutet Einheit der Kirchen. 

Aber zurück zum auserwählten Rest der Theologie von dem wir oben gesprochen haben. Seine Existenz in der Periode nach dem 9. Jahrhundert erkennen wir nicht nur theoretisch an, sondern finden ihn in bestimmten Persönlichkeiten wieder, wie im Osten z. B. in Symeon, dem neuen Theologen, im 11. und in Gregorios Palamas im 14. Jahrhundert, die -zuallererst Heilige in der Kirche und dann erst Theologen- ein Werk hervorbrachten, das Ausdruck ihres Lebens in Christus ist. 

Ein bedeutender Teil des Werkes von Palamas unc die Mehrzahl der Schriften Symeons stellen fürwahr rechtgeratene und somit auch richtungweisende Theologie dar, die, obgleich sie auf Grund ihrer überwältigenden Authentizität Sauerteig der späteren scholastizistischen und unglücklich nur die Vergangenheit konservierenden Theologie hätte werden können, aber mißverstanden und verachtet oder, wie es gewöhnlich der Fall war, einfach ignoriert und vergessen wurde, was zur Folge hatte, daß sie bis heute eine Potenz und ein wertvoller Rest blieb, aus Gründen, die letztlich nur der Herr kennt. 

 




18 Mt 16,18. 



19 1 Kor 5,6. 






zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License