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| Stylianos G. Papadopoulos Beitrag zur Theologie der Einheit IntraText CT - Text |
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g) In Richtung einer Theanthropologie Es ist jedoch an der Zeit, zum Thema der Theologie der Überwindung zurückzukehren, die uns vorrangig interessiert. Damit die Diskussion aber klarer und praktischer<20> wird, gehen wir auf ein altes, doch immer noch modernes Problem ein, die Frage des Primates des Bischofs von Rom, der -gleichgültig, ob positiv oder negativ- für die Glieder der Kirchen eine Gewissensfrage darstellt. Die Neuüberprüfung dieses Problems von seiten einiger Glieder der Kirche in den letzten Jahren hat gezeigt, daß die Theologen mit anderen Worten die alten Argumente ihrer Vorgänger zu diesem Thema wiederholen; wenn sie aber ein neues, und sei es ein noch so unwesentliches Element hinzufügen, so beeinflußt dieses die Einstellung und Bereitschaft derer, die anderer Meinung sind, überhaupt nicht oder kaum. Dieses Phänomen läßt sich seit Jahrhunderten beobachten, und zwar nicht nur in bezug auf das Primatsproblem, sondern auch auf fast alle übrigen die Kirchen unterscheidenden und trennenden Probleme. Zu diesem Sachverhalt wagen wir die folgenden Gedanken auszusprechen: Wie die Theologen der Kirchen durch Jahrhunderte keine gemeinsame Auffassung von den Unterschieden erzielten, so können wir auch sagen, daß wir in Zukunft keine Abstimmung der beiderseitigen Standpunkte erreichen werden, wenn wir diese Art ihrer Bewältigung beibehalten. Was ist also zu tun, da wir am Wunsch des Herrn, "daß alle eins seien", nicht vorbeigehen können? Der bestehende, wie auch immer geartete alte Gegensatz kann durch eine neue Theologie überwunden werden<21>, die neben ihrem Hauptziel der Lösung der vornehmlichen Gegenwartsprobleme auch die der Vergangenheit aufhellen müßte. Freilich wird das nur der Fall sein, wenn die genannte Theologie nicht den Standpunkt irgendeiner Theologengruppe repräsentiert, sondern lebendiges Fundament des Volkes der Kirchen ist. Das heißt, wir sprechen von der Theologie eines bestimmten Themas, die -vielleicht nur von wenigen oder einem einzigen vertreten- als die rechte Lehre von den theologisierenden Gliedern fürs erste (und später von den einfacheren Gläubigen) der heute getrennten Kirchen angenommen wird. Dieses Verfahren, das bis zum neunten Jahrhundert eingehalten wurde, kann heute in gewissen Punkten mit Hilfe der inzwischen erworbenen pneumatologischen Erfahrung verbessert werden. Auch die in unseren Tagen erleichterte Begegnung stellt einen zwar äußerlichen, aber positiven Faktor für den Austausch geistlicher Erfahrung und die Begründung einer gemeinsamen Theologie dar. Die Theologen der getrennten Kirchen müssen, können und sollten demnach nicht zur Überprüfung der alten Gegensätze zusammenkommen, sondern zur Suche nach dem Willen Gottes den Problemen gegenüber, die heute das Herz der Gläubigen bedrücken. Die Verwirklichung dieser Suche unter beständigem Gebet, in aufrichtiger Demut, bei häufigem Fasten und ununterbrochener Betrachtung ist theologisches Werk, das in Christus vom Heiligen Geist vollbracht wird. Abschluß und Krönung dieses theologischen Werkes ist die knappe Darlegung der rechten Lehre zu einem konkreten Thema, die vom Allgemeinen Konzil als dogmatische Formel bestätigt wird. Diese allgemeinen Gedanken wollen wir nun mit der laufenden kirchlichen und theologischen Wirklichkeit in Verbindung bringen. Die Kirche und die Kirchen haben heute eine schmerzvolle Krise durchzumachen. Dieses Phänomen gab es unserer Meinung nach auch früher schon, nicht nur heute. Seit der Mensch der Neuzeit einigen ungeistlichen Vorbehalten der Kirche zum Trotz beschloß, sich seinen eigenen geistigen Horizont zu schaffen, der sich wesentlich von jenem der Kirche unterschied, befindet sich diese in ständiger innerer Krise. Die nach Autonomie strebende Welt trägt der ausgebrochenen Krise gegenüber nur die Verantwortung für den Anlaß, während die Schuld für die Ursache der Leib der Kirche zur Gänze trägt. Der erste und letzte Grund für die Hauptverantwortung der Kirche an der Krise findet sich in ihrem Unvermögen zur Beantwortung der anthropologischen Probleme ihrer eigenen Glieder, die aus Enttäuschung über gewisse kirchliche Übertreibungen nach Selbstbestimmung verlangen und die kirchliche Autorität zurückweisen. Als Theologen der Kirchen müssen wir eingestehen, daß wir keine klare, reife und soweit als möglich vollständige Theologie des neuen Menschen in Christus geschaffen haben. Was ist der "neue" Mensch? Wie wird er erkannt, wie ist er beschaffen? Das sind einige Fragen, die für die Notwendigkeit einer konkreten diesbezüglichen Theologie sprechen, wie auch die alte Kirche analog zum gegebenen Anlaß ihre Theologie von der Dreifaltigkeit, den beiden Naturen und Willen Christi und über die Ikonen entfaltet hat. Die Lehre und Theologie vom "neuen Menschen" in Christus könnten wir als Theanthropologie bezeichnen und nicht einfach als Anthropologie, da der "neue" Mensch, von dem die Rede ist, nicht "natürlich" im geläufigen Sinne, wie der erbsündige Mensch der Christusferne, sondern durch Taufe, Firmung und heilige Eucharistie mit der Heiligen Dreifaltigkeit vereint ist. Dabei handelt es sich um eine reale Vereinigung, da sie Leben und nicht nur eine Idee ist. Daß ein Mensch mit Gott in Christus durch den Heiligen Geist vereint ist, bedeutet, daß dieser Mensch Träger der ungeschaffenen Energien des unzugänglichen und unsagbaren Wesens Gottes geworden ist. Der in Christus lebende Mensch ist als Träger der unerschaffenen göttlichen Energien nicht länger ein Sein, das ein System philosophischer Kategorien allein erforschen könnte, denn dieser Mensch, mag er auch gewöhnliches Fleisch tragen und mag in seinen Adern auch natürliches Bluf pulsieren, lebt dennoch ein anderes Leben, das die gegenwärtige Welt, deren Philosophie immanent in und für diese Welt bleibt, in ihrer Unkenntnis nur angreifen kann. Dieses von den Gläubigen in schwerem Mühen mit göttlicher Gnade erworbene Leben bedeutet eine elementare Verwandlung des Menschen in ein göttliches Sein, wobei er freilich nicht aufhört, menschliches Wesen zu sein. Als göttliches Sein kann dem Menschen nur eine Theanthropologie gerecht werden und niemals Anthropologie allein.
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20 Die Theologie ist par excellence eine praktische Wissenschaft, da sie auf die Lösung praktischer und nicht spekulativer oder metaphysischer Probleme des Menschen abzielt. Ihr Ziel ist die Hinführung des Menschen zum Leben in Christus, indem sie dessen geistliche Erfahrung beschreibt und verkündet. 21 Um jedem Mißverstandnis zuvorzukommen, vermerken wir, daß die Theologie insofern neu sein wird, wie es z. B. die Theologie des III. und IV. Allgemeinen Konzils in Vergleich mit jener des I. war. Die Frage, vann die "neue" Theologie neu oder etwas anderes ist, wird uns weiter unten noch beschäftigen. |
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