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| Stylianos G. Papadopoulos Beitrag zur Theologie der Einheit IntraText CT - Text |
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h) Theanthropologie und Einheit Das Betreiben der Theanthropologie setzt als goldenen Grundstein den Gottmenschen Christus voraus, den Gott, der Mensch geworden ist, "um uns zu vergöttlichen"<22>, damit wir gnadenvoll in Christus "erneuert" und als Träger der ungeschaffenen Energien Gottes mit ihm vereint leben. Die Alte Kirche hat sich zum Gottmenschen Christus und zu allen diesbezüglichen Problemen des langen und breiten geäußert, was wir allgemein mit dem Sammelbegriff Christologie zusammenfassen. Aber während im Schoß der Kirche -wie es auch zu erwarten war- die Gottmenschheit Christi betont und ausführlich dargelegt wurde<23>, hat sich die Kirche noch nicht theologisch verbindlich zu dem durch Christus "neuen" Menschen geäußert. Es ist zwar bekannt, daß Glieder der alten wie der getrennten Kirchen wiederholt und häufig zum Thema des Menschen das Wort ergriffen haben und davon hervorragende Texte in der Ost- und Westkirche erhalten sind. Dennoch müssen wir eingestehen, daß die Kirche nicht ad hoc über den "neuen" Menschen theologisch reflektiert hat, wofür das Fehlen einer anerkannten diesbezüglichen Theologie-Lehrmeinung Beweis ist. Als Beispiel diene nochmals die große Verwirrung, welche kürzlich die durch ihre Reaktionen berühmte päpstliche Enzyklika "Humanae vitae" hervorgerufen hat. Die Glieder der römisch-katholischen Kirche widersetzen sich unter Vorwänden oder offen, aber fast einmütig der von der Enzyklika vertretenen Lehre des Papstes und seiner unmittelbaren Mitarbeiter, wie man an der Fülle diesbezüglicher Publikationen leicht ablesen kann. Gleichzeitig zeichnet sich jedoch ab, daß der Widerstand nicht theologisch fundiert ist, sondern soziologisch, psychologisch oder demographisch. Aber auch der Papst hat sich nicht reicher an theologischen Argumenten erwiesen. Der Vorsteher der römisch-katholischen Kirche konnte dem Widerspruch nichts Wesentliches entgegensetzen, da die Kirche einfach noch über keine nennenswerte und schon gar nicht über eine verbindliche Theanthropologie verfügt. Die Tatsache des päpstlichen Abenteuers ist überaus bezeichnend für die Notwendigkeit der Schaffung einer Theanthropologie im Schoß der Gesamtkirche. Die bedeutsamen und weltweiten kulturellen, philosophischen, wissenschaftlichen, politischen und anderweitigen Umwälzungen unserer Zeit stellen für uns Glieder der Kirche, besonders aber für uns Theologen, eine dramatische und ultimative Forderung dar, so daß wir unbedingt uns selbst und allen Gliedern der Kirche theologisch klarmachen und verkünden müssen, was der "neue" Mensch in Christus ist, damit jedes der Glieder in einer sich rasch wandelnden und sich von Grund auf umgestaltenden Welt die richtige und sichere Ausrichtung erhält. Die sich fortwährend wandelnde und umgestaltende Welt hat auf die Kirche zweifache Auswirkung: 1. Da die Gesamtheit ihrer Glieder dieser Welt angehört, wirkt diese Welt auf sie ein. 2. Die außerhalb der Kirche befindlichen Menschen sind für die Gläubigen das Objekt ihrer Verkündigung. Im Unvermögen der Kirche, klar auf den Anruf der Welt zu antworten, mit anderen Worten im Fehlen einer Theanthropologie, liegt die Krise der Kirche. In welchem Verhältnis steht jedoch diese Krise der Kirche zu der heiligen Forderung nach Einheit der Kirchen? So gewagt es auch klingen mag, scheuen wir nicht vor der Feststellung zurück, daß die Aufhebung der Krise die Ankunft der ersehnten Einheit ankündigen wird. Die Schaffung der Theanthropologie also bestimmt die Art und den Ort der Begegnung der Glieder der Kirchen. Diese Begegnung aber ist die einzige wesentliche Kraft, um die Gegensätze zwischen den Kirchen zu überwinden. Ein reales gemeinsames Verständnis und Handeln der Glieder der Kirchen im Hinblick auf die Probleme, die mit dem "neuen" Menschen zusammenhängen, wird eine ganze Kette zweitrangiger zeitgenössischer Probleme beleuchten, aber vor allem alte Gegensätze wie die dornige Frage des Jurisdiktionsprimats des Bischofs von Rom. Wenn also einmal die Glieder der Kirche unter dem Licht der ungeschaffenen göttlichen Energien recht und zureichend Theologie des "neuen" Menschen betreiben werden, dann werden wir alle, Orthodoxe, römische Katholiken und Protestanten, erkennen, welchen Sinn und welche Bedeutung das für den "neuen" Menschen in Christus haben kann, mag er auch Bischof und vor allem römischer Vorsitzender des christlichen Liebesbundes sein. Die damit zusammenhängenden Ansprüche werden dann im Licht der Theanthropologie erhellt und betrachtet werden. Wenn sie zum gemeinsamen Besitz der jetzt getrennten Bruderkirchen und deren Überzeugung wie offizieller Lehre geworden ist, werden sich ihre Gesetze rückwirkend allem aufprägen. Ergebnis dieses Verfahrens wird einerseits die Uberzeugung von der Existenz einer Verständigungsmöglichkeit der getrennten Brüder über alle Probleme, auf der anderen Seite Anstoß zur Verwirklichung der sakramentalen Einheit zur "Mehrung" des Leibes der Kirche sein. Nach dem heiligen Paulus geschieht die "Zunahme des Leibes der Kirche" durch seine "physiologische" Entfaltung und Entwicklung, in deren Verlauf der Leib der Kirche -wie der menschliche Organismus, z. B. ein fremdes Herz - jedes Element zurückweist und abstößt, das sich nicht als gleichbegründet, gleichartig und wesensgleich mit dem Leib der Kirche herausstellt, deren Haupt Jesus Christus ist. Dem Leib der Kirche nicht entsprechende und fremde Elemente sind Häresien und Irrlehren, Schismen und theologische Differenzen und Streitigkeiten. Nur wenn wir die Theanthropologie an den ihr gebührenden Platz rücken, das heißt, sie zum realen Ausdruck und Zeichen der Zunahme des Leibes der Kirche machen, werden wir ihre gewaltige Bedeutung für die heilige Sache der Einheit abschätzen können. Der Leib der Kirche Christi ist einer und nur einer, aber parasitäre Fremdkörper, die mit ihm nicht organisch und wesentlich vereint sind, haben die heute am Leib der Kirche festzustellende betrübliche Disharmonie hervorgerufen. Diese Disharmonie ist so weit verbreitet, daß nur eine kräftige Selbstzunahme und Selbstentfaltung des Leibes sie zu überwindsn vermag. Der Leib der Kirche also wird von diesen Fäulniserregern befreit werden, indem er sie abwirft und bloßlegt. Ein anderes Verfahren, eine andere Handlungsweise zur Bereinigung dieser Disharmonie, wie zum Beispiel Anstrengungen zur Entfernung der Fäulnisherde von außen, bleibt nicht nur ohne Erfolg, sondern verstärkt noch die Disharmonie und die Unterschiede und Probleme aus vielen Gründen, deren bedeutsamster das Fehlen authentischer Kriterien ist, auf deren Basis diese Elemente abgestoßen und der von ihnen befallene Teil abgetrennt werden könnte. Man könnte sogar die gewagte Ansicht vertreten, daß sogar zuerst die Einheit der Kirchen verwirklicht und dann erst die Ausscheidung dieser trennenden Elemente erfolgen wird, nachdem der Ausscheidung der Fremdkörper die Zunahme des Leibes vorangegangen ist. Das wäre jedoch eine Schematisierung des kirchlichen Lebens, welches sich in Wirklichkeit jedem Schema entzieht, da es sich um geistliches Leben handelt. Dennoch wohnt auch diesem Schema eine gewisse Wahrheit inne. Um sich leichter mit seinem Mitmenschen verständigen zu können, führt der Mensch auch dort Unterscheidungen ein, wo diese schwer zu erkennen sind. Die Tatsache der "Mehrung" als Energie geht dem Abstoßen der fremden Elemente nur begrifflich und konventionell voraus, denn in Wirklichkeit stellen die Vorgänge in einem Leib eine Einheit dar und müssen auch so betrachtet werden. So erfordert das Fortschreiten der Glieder der Kirchen zur Glaubenseinheit ein im wesentlichen paralleles Verfahren der Verwerfung der einen oder anderen falschen Lehre durch die Glieder der Kirche. Zusammenfassend gesagt, werden gleichzeitig mit der Zunahme des Leibes der Kirche auch dessen Zwiespalte und Mißverständnisse ausgeschaltet. Je fruchtbarer das Bemühen um eine Theanthropologie wird, desto mehr werden die alten Differenzen der Kirchen abgestumpft, bis sie völlig verschwinden oder in andere Ausdrucksweisen umgewandelt werden, so daß sie nicht mehr als trennende Unterschiede zu betrachten sind. Welche der beiden Möglichkeiten als Folge der theanthropologischen Bemühungen eintreten wird, kann nicht gesagt werden, ehe nicht eine echte Theologie vorliegt, die einerseits ihren Ausgang vom vollen Vertrauen in den Heiligen Geist nimmt, aus dem sie jederzeit Erleuchtung zur Einigung und Rettung der Gläubigen empfangen kann, und die andrerseits mit aller Treue zur Überlieferung akzeptiert, was von der "einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche" geglaubt, dogmatisch formuliert und verkündet wurde.
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22 Athanasius, Or. de Incarnatione Verbi, PG 25, 192 D. 23 "Wurde" soll keine Statik der Christologie aussagen, die niemals aufgehört hat, "zuzunehmen" bis in unsere Zeit, sondern meint, daß das Fundament des rechten Glaubens für die klare und richtige Ausrichtung der Kirche gelegt wurde. |
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