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Stylianos G. Papadopoulos
Beitrag zur Theologie der Einheit

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  • 3. GLOSSEN ZU EINZELNEN PUNKTEN DES DEKRETS
    • a) "Wiederherstellung" oder Scha ffung der Einheit?
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a) "Wiederherstellung" oder Scha ffung der Einheit? 

Das Ökumenismusdekret ist mit seinen Anfangsworten "Unitatis redintegratio" bekannt. Dem Sinn des zweiten Wortes entsprechen an vielen Stellen des Textes die Ausdrücke "restaurandam"<24> und "instaurationem"<25>, die zusammen mit der "redintegratio", auf deutsch mit "wiederherstellen/Wiederherstellung" übersetzt werden<26>. Was die anonymen Verfasser des Dekrets damit betonen wollen, wenn sie den Begritf "redintegratio" anwenden, ist sicher ihr brennendes Verlangen nach Wiederherstellung, nach Wiedererstehen der Einheit unter den Christen, die früher bestanden hatte, jetzt aber den christlichen Kirchen fehlt. 

Die Idee und der Begriff der "Wiederherstellung" jedoch setzt, so fürchten wir, eine statische Theologie voraus, die in einer lebendigen und wachsenden Kirche mit ihrer verlebendigenden göttlichen Gnade keinen Platz finden kann. Im pneumatischen Leben der Kirche haben und leben wir nichts, was von einem alten oder sonstwie vorausgegangenen Zustand übernommen worden wäre. Wenn unser kirchliches Leben, das seinem Wesen nach Realität und besonders authentische Realität ist, echt orthodox ist, dann ist die Idee jeder Wiederholung oder Anleihe ausgeschlossen. Das in Christus durch die Sakramente erfüllte Leben wird im Augenblick des Einwirkens der göttlichen Energien auf uns geschafFen und geboren und nicht durch Übernahme einer älteren Lebensform, so geistlich sie auch sein mag. Wenn die göttliche Gnade in uns nach entsprechender Vorbereitung Leben in Christus erweckt, aber manchmal ohne entsprechende Vorbereitung aus menschlicher Sicht, so bedeutet das die Schaffung von etwas Neuem, uns vorher Unbekanntem. Der Zustand des Lebens in Christus war in den vergangenen Jahrhunderten Wirklichkeit, doch da dieses in letzter Analyse ein geheimnisvolles Geschenk Gottes darstellt, welches das begriffliche Fassungsvermögen des Menschen übersteigt, nützt dieses Leben der Alten in Christus dem Glied der Kirche von heute nicht wesentlich, wenn dieses nicht selbst von Gott begnadet ist, die Göttlichkeit dieser Erfahrung anzuerkennen, von der er in den kirchlichen Büchern liest. 

Für jene, denen Gottes Gnade fehlt, berührt alles über die natürlichen Grenzen Hinausgehende den Menschen und sein Wesen nicht. Folglich können der rechte Glauben der Väter und weiter die gesamte heilige Überlieferung, die wie der Glaube Wirken Gottes im Menschen ist, nur dann dynamische Gegenwart sein, wenn das Glied der Kirche von heute Träger der Gnade des rechten Glaubens ist. Mit anderen Worten werden der rechte Glaube und die Realität der heiligen Überlieferung letztlich nicht aus irgendeiner menschlichen Schatzkammer oder aus Väterschriften genommen, sondern sie stammen direkt vom Heiligen Geist. Die Übereinstimmung zwischen dem rechten Glauben der uns vorausgegangenen Christen, wie er in den diesbezüglichen Vätertexten vorliegt, und dem rechten Glauben des Gliedes der Kirche von heute stellt aus menschlicher Sicht einen starken, wenn nicht den einzigen Beweis dafür dar, daß auch die heute für recht befundene Lehre in der Tat göttliches Geschenk und Einwirkung auf den Gläubigen unserer Zeit ist. Die rechte Lehre in der Tradition erlangt nur für jene Bedeutung, die schon über gottgewirkte Empfängnisbereitschaft und Aufnahmefähigkeit für die geoffenbarten Wahrheiten verfügen. Die echten Glieder der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche leben oder sollen zumindest die Vergangenheit in einem Guß mit der Gegenwart leben. Der Gläubige betrachtet als Gegenwart, was der außenstehende Historiker als Vergangenheit erforscht, weil der Gläubige nichts tut, als zu leben, da sich nach dem Evangelisten Johannes die Liebe Gottes zu uns darin gezeigt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben<27

Leben aber ist ein rein dynamischer Sachverhalt. Der Beitrag der Vergangenheit zum Faktum des religiösen Lebens, d. h. zum Leben in Christus, ist eher morphologisch. Das Leben entlehnt häufig Form und Gewand von der Vergangenheit, um sich in bestimmter Zeit und Umgebung auszuprägen, mögen diese äußerlichen Elemente auch mehr als Anleitungskomponenten denn zur getreuen Nachahmung und Wiederholung herangezogen werden. 

Obiges gilt auch für die heilige Sache der Einheit, da diese Einheit letztlich ein Faktum ist, das den brennend nach ihr verlangenden Gläubigen als Geschenk Gottes gewährt wird. Als göttliches Geschenk ist die Einheit aber Auszeichnung für die um sie ringenden Kirchen, wie sie auch Äußerung und Ausdruck ihres regen Lebens in Christus ist, das in der Brust eines jeden Gliedes der einen, heiligen katholischen und apostolischen Kirche zu pulsieren hat. 

Da sich die Dinge aber so verhalten, hätten wir von dem an Bischöfen und Theologen reichen Zweiten Vatikanischen Konzil erwartet, daß es von der Schaffung der Einheit der Kirchen oder von deren Erweckung in den Herzen der Gläubigen von heute und nicht von der Wiederherstellung der Einheit gesprochen hätte. Freilich ist dem Konzil die dynamische theologische Betrachtungsweise der Einheit nicht verborgen geblieben, doch hat es diese nur zweitrangig berücksichtigt, obwohl es die Voraussetzung alles theologischen Denkens und kirchlichen Handelns wäre. 

 




24 Art. I, 6, 16. 



25 Art. 14. 



26 Siehe die offizielle Übersetzung in: "Das Zweite Vatikanische Konzil", Lexikon für Theologie und Kirche II, Herder, 1967, 40-122. 



27 1 Jo 4,9. 






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