Erneuerung
der Pfarreien
41.
Die Pfarrei ist ein bevorzugter Ort, an dem die Gläubigen Kirche ganz konkret
erfahren können 137. Heute haben die Pfarreien in Amerika wie auch in
anderen Teilen der Welt manchmal Schwierigkeiten, ihre Aufgabe zu erfüllen. Die
Pfarrei muß sich ständig erneuern und dabei vom grundlegenden Prinzip ausgehen,
daß „die Pfarrei weiterhin in erster
Linie eine eucharistische Gemeinschaft sein muß“
138. Dieses Prinzip beinhaltet auch, daß „die
Pfarreien berufen sind, aufnahmefreundlich und solidarisch zu sein. Sie sollen
ein Ort christlicher Initiation, ein Ort der Erziehung und der Feier des
Glaubens sowie offen für die verschiedenen Charismen, Dienste und Ämter sein;
sie sollen gemeinschaftlich und verantwortungsbewußt organisiert sein; die
bereits existierenden Apostolatsbewegungen sollen sie in ihre Strukturen integrieren;
sie sollen die kulturellen Unterschiede der Einwohner beachten und offen sein
für pastorale und pfarrübergreifende Projekte sowie für die sie umgebende
Wirklichkeit“ 139.
Besondere
Aufmerksamkeit verdienen wegen ihrer besonderen Problematik die Pfarreien in
den städtischen Ballungszentren, wo die Schwierigkeiten so groß sind, daß die
normalen Seelsorgestrukturen nicht mehr ausreichen, und wo die Möglichkeiten,
im Apostolat tätig zu sein, beträchtlich reduziert sind. Trotz allem bewahrt die
Pfarrei als Institution ihre Bedeutung und muß erhalten bleiben. Um dieses Ziel
zu erreichen, „muß man weiter nach Mitteln
suchen, durch welche die Pfarreien und ihre pastoralen Strukturen in den
städtischen Ballungszentren wirkungsvoller zum Einsatz kommen“ 140. Ein Schlüssel für die Erneuerung der
Pfarreien, die besonders in den Großstädten sehr wichtig ist, könnte vielleicht
darin bestehen, die Pfarrei als Gemeinschaft der Gemeinschaften und Bewegungen
zu sehen 141. Es scheint daher angebracht, solche Gemeinschaften und
kirchliche Gruppen zu bilden, die echte menschliche Beziehungen fördern.
Dadurch wird ein intensiveres gemeinschaftliches Leben ermöglicht werden, wobei
Gemeinschaft nicht nur „ad intra“ [nach innen), sondern auch mit der Pfarrgemeinde, zu der
solche Gruppen gehören, sowie mit der Diözese und der ganzen Kirche gepflegt
wird. In diesem gemeinschaftlichen Kontext wird es auch einfacher sein, das
Wort Gottes zu hören, um in seinem Lichte über die verschiedenen menschlichen Probleme
nachzudenken und um verantwortungsvolle Lösungsmöglichkeiten heranreifen zu
lassen, die von der universalen Liebe Christi inspiriert sind 142. Wird
die Institution der Pfarrei auf solche Weise erneuert, dann „kann daraus auch eine große Hoffnung erwachsen; denn sie
kann die in Gemeinschaft lebenden Menschen formen, sie kann eine Hilfe für das
Familienleben sein, sie kann dazu beitragen, die Anonymität zu überwinden, sie
kann die Menschen aufnehmen und ihnen helfen, sie in das Leben ihrer Nachbarn
und in die Gesellschaft einzugliedern“
143. Auf diese Weise können heutzutage alle Pfarreien, besonders aber
die Pfarreien in den Großstädten, eine persönlichere Evangelisierung ausüben
und zugleich mit anderen sozialen, erzieherischen und gemeinschaftlichen
Einrichtungen ihre positiven Beziehungen ausbauen 144.
Außerdem „setzt diese Art von erneuerter Pfarrei einen Hirten
voraus, der in erster Linie den lebendigen Christus persönlich erfahren hat,
der einen missionarischen Geist und ein väterliches Herz hat, der die
Spiritualität in der Gemeinde zu beleben weiß und fähig ist, das Evangelium so
zu verkünden, daß die Teilnahme an der Evangelisierung dadurch gefördert wird.
Eine so erneuerte Pfarrei ist auf die Mitarbeit der Laien angewiesen, sie
braucht Menschen, welche die Seelsorge wieder mit Lebendigkeit erfüllen, und
einen Hirten, der imstande ist, mit anderen zusammenzuarbeiten. Die Pfarreien
in Amerika müssen sich durch ihren missionarischen Impuls auszeichnen, wodurch
ihre Seelsorge auch die erreicht, die sich [von der Kirche] entfernt haben“ 145.
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