Die
Herausforderungen für die christliche Familie
46.
Gott, der Schöpfer hat den ersten Mann und die erste Frau nach seinem Abbild
geschaffen und ihnen den Auftrag gegeben: „Seid
fruchtbar und vermehrt euch“ (Gen 1,28),
wodurch er die Familie gründete. In diesem Heiligtum entsteht das Leben und
dort wird es auch als Gottesgeschenk angenommen. Wird das Wort Gottes innerhalb
der Familie häufig gelesen, so verwandelt es die Familie nach und nach zur
Hauskirche, und es macht sie reich an Menschlichkeit und christlichen Tugenden.
Dort entspringt auch die Quelle der Berufungen. Das familiäre Gebetsleben vor
einem Bild der Muttergottes wird bewirken, daß die Familie, wie die Jünger
Jesu, immer um die Mutter vereint bleibt (vgl. Apg 1,14) 174 .
Fast überall in Amerika wird die Institution Familie durch viele Gefahren
bedroht, was für die Christen gleichzeitig eine Herausforderung darstellt. Zu
erwähnen sind hier unter anderem die steigende Scheidungsrate, die Verbreitung
der Abtreibung, des Kindermords und eine gegen die natürliche Empfängnis gerichtete
Mentalität. Angesichts dieser Situation muß unterstrichen werden, „daß die Grundlage menschlichen Lebens die eheliche
Beziehung zwischen Mann und Frau ist, die unter Christen ein Sakrament
darstellt“ 175.
Daher muß
dringend eine umfassende Katechese über das christliche Ideal der ehelichen
Gemeinschaft und des Familienlebens betrieben werden, zu der auch die
Spiritualität der Vaterschaft und der Mutterschaft gehört. Die Seelsorge muß
der Rolle des Mannes als Gatte und Vater und der mit der Ehefrau zu teilenden
Verantwortung für Ehe, Familie und Kindererziehung mehr Aufmerksamkeit
schenken. Eine ernsthafte Unterweisung der Jugendlichen über die Ehe darf nicht
unterlassen werden, wobei die katholische Lehre über dieses Sakrament unter
theologischem, spirituellem und anthropologischem Aspekt mit aller Klarheit
dargestellt werden muß. Auf einem Kontinent, der sich durch eine beachtenswerte
demographische Entwicklung auszeichnet, wie es in Amerika der Fall ist, müssen
die der Familie geltenden seelsorglichen Initiativen ständig zunehmen.
Damit die
Familie wirklich eine „Hauskirche“ 176 ist, ist sie berufen, die Umgebung zu
bilden, in der die Eltern den Glauben weitergeben, und sie „sollen […] durch Wort und
Beispiel für ihre Kinder die ersten Glaubensboten sein“ 177. Auch darf in der Familie das Gebet nicht
fehlen, in dem sich sowohl die Eheleute untereinander als auch mit ihren
Kindern vereinen. Diesbezüglich sollen gemeinsame Zeiten des geistlichen Lebens
gefördert werden, wie die Teilnahme an der Eucharistie an Feiertagen, der
Empfang des Sakraments der Versöhnung, das tägliche Gebet innerhalb der Familie
und konkrete Werke der Nächstenliebe. Auf diese Weise wird auch die eheliche
Treue und die Familieneinheit gefestigt. In einem familiären Ambiente, das
solche Wesenszüge trägt, wird es für die Kinder nicht schwierig sein, ihre
Berufung für den Dienst in der Gemeinschaft und in der Kirche zu entdecken und
besonders durch das Beispiel ihrer Eltern zu erfahren, daß das Familienleben
ein Weg ist, die universale Berufung zur Heiligkeit zu verwirklichen
178.
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