KAPITEL V
WEG ZUR SOLIDARITÄT
« Daran werden alle erkennen,
daß ihr meine Jünger seid:
wenn ihr einander liebt »
(Joh 13, 35)
Die
Solidarität, Frucht der Gemeinschaft
52.
„Amen, ich sage euch: Was ihr für
einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40; vgl. 25,45). Das Bewußtsein der
Gemeinschaft mit Jesus Christus und den Brüdern und Schwestern, das wiederum
Frucht der Umkehr ist, führt dazu, daß wir dem Nächsten in all seinen
materiellen und geistigen Nöten und Bedürfnissen dienen, damit in allen
Menschen das Antlitz Christi aufleuchte. Deshalb „ist
die Solidarität Frucht der Gemeinschaft, die auf dem Geheimnis des einen Gottes
in drei Personen und auf dem Geheimnis des Sohnes Gottes gründet, der für alle
Mensch geworden und gestorben ist. Sie kommt in der Liebe der Christen zum
Ausdruck, die das Wohl der Mitmenschen, besonders aber derer suchen, die dessen
am meisten bedürfen“ 195.
Von daher
erwächst auch für die amerikanischen Teilkirchen die Pflicht zur gegenseitigen
Solidarität und die Pflicht, die geistigen Gaben und materiellen Güter zu
teilen, mit denen Gott sie gesegnet hat. So hat Gott auch die Bereitschaft der
Menschen begünstigt, dort zum Einsatz zu gelangen, wo es am notwendigsten ist.
Ausgehend vom Evangelium soll eine Kultur der Solidarität gestärkt werden, die
zu geeigneten Initiativen führt, um den Armen und Ausgegrenzten zu helfen,
insbesondere den Flüchtlingen, die sich gezwungen sehen, Volk und Land zu
verlassen, um der Gewalt zu entfliehen. Die Kirche in Amerika muß auch die
internationalen Organisationen des Kontinent dazu anhalten, eine Wirtschaftsordnung
zu etablieren, in der nicht nur das Kriterium der Bereicherung vorherrscht,
sondern auch das des Strebens nach nationalem und internationalem Gemeinwohl,
in der eine gerechte Güterverteilung existiert und die ganzheitliche Förderung
der Völker im Vordergrund steht 196.
|